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Steillagen

Genussplatz mit Blick auf Benningen

Gemeinderat bewilligt trotz massiver Kritik mehr als 100.000 Euro für Aussichtsplattform in den Weinbergen

Idyllische Aussicht auf Benningen und den Neckar. Eine Plattform in den Steillagen soll zum Verweilen einladen. Foto: Ramona Theiss
Idyllische Aussicht auf Benningen und den Neckar. Eine Plattform in den Steillagen soll zum Verweilen einladen. Foto: Ramona Theiss

BENNINGEN. Vor den Sommerferien hatte die Benninger Verwaltung im Gemeinderat die Pläne für einen „Genussplatz“ in den Benninger Steillagen präsentiert (wir berichteten). Dort sollen Wanderer künftig verweilen und den Blick auf den Neckar genießen. Das Projekt ist ein Ergebnis des Programms Integrierte ländliche Entwicklungskonzeption (Ilek). Zahlreiche Gemeinden im Neckartal haben sich zu dieser Initiative zusammengeschlossen, um neue Konzepte für den Weinbau in den terrassierten Steillagen zu entwickeln.

Im Benninger Gemeinderat war allerdings Kritik laut geworden. Insbesondere die genannten Kosten von 125.000 Euro erschienen mehreren Gemeinderäten überzogen. Das Gremium verweigerte seine Zustimmung und beauftragte das Landschaftsarchitekturbüro Roosplan, seinen Entwurf zu überarbeiten und Einsparpotenziale auszuloten.

In der Gemeinderatssitzung am Montagabend stellte Landschaftsarchitekt Daniel Bok das Ergebnis dieser Bemühungen vor. Der kritisierte Staketenzaun etwa wurde durch eine Lattenkonstruktion ersetzt. Die Weinreben sollen im hinteren Bereich des Areals gepflanzt werden, um einen freien Blick zu ermöglichen. Die Kosten liegen laut Bok nun bei 106.000 Euro.

Doch auch der überarbeitete Entwurf stieß auf massive Kritik. Harald Hausmann von der Freien Wählervereinigung (FWV) störte sich vor allem an den seiner Meinung nach zu hohen Honorarkosten von 16.000 Euro. Bei diesem Satz müsse ein Mitarbeiter des Planungsbüros 200 Stunden Arbeit investieren. „Das nehme ich Ihnen nicht ab“, wetterte Hausmann. „Das ist irreal, da kann man mit ganz anderen Summen hinkommen.“

Auch ihm seien die Kosten „viel zu hoch“, meinte Hausmanns Fraktionskollege Thomas Waldvogel. Er könne vor allem die Ausgaben für die vorgesehene Reparatur von Trockenmauern nicht nachvollziehen. „Das verstehen auch die Wengerter nicht, dass man für 40 Quadratmeter Trockenmauern so viel Geld ausgibt.“

CDU-Sprecher Edgar Brucker zeigte sich ebenfalls skeptisch und bezeichnete die Fördermodalitäten – einen Antrag auf Zuschüsse will die Gemeinde beim Verband Region Stuttgart (VRS) einreichen – als „schizophrene Geschichte“. Der VRS habe die Förderung „so gestreut, dass man bei der Politik punkten kann“, so Brucker. Das Thema Steillagen werde völlig falsch angegangen. „Wir brauchen ein Parallelprojekt für den Erhalt der Trockenmauern, dafür müssen Region und Land Mittel zur Verfügung stellen.“

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Manfred Meister, der selbst beruflich als Planer für den VRS tätig war, wies darauf hin, dass die Förderung der Region gar nicht für den Erhalt der Trockenmauern konzipiert sei. „Dafür gibt es gar kein Programm. Ganz einfach, weil der Erhalt der Mauern zu teuer ist.“ Der „Genussplatz“ koste nun mal Geld. „Wenn wir das wollen, müssen wir es in die Hand nehmen. Und ich bin dafür, es zu machen.“

Auch Gemeinderätin Gabriele Kölbel-Schmid unterstützte diese Sichtweise. „Wir wollen die Aussichtsplattform ja nicht, weil sie bezuschusst wird“, meinte die FWV-Sprecherin und sprach sich dafür aus, während der Bauarbeiten nach weiteren Einsparpotenzialen zu suchen.

Angesichts der massiven Kritik schien es ein wenig verwunderlich, dass der Gemeinderat das Vorhaben schließlich ohne Gegenstimme bewilligte. Die Verwaltung wird den Förderantrag bis Ende September beim VRS einreichen, die Umsetzung soll im kommenden Sommer erfolgen. Zuvor müssen allerdings noch auf dem Areal lebende Eidechsen umgesiedelt werden. Auch dadurch entstünden Kosten, sagte Bürgermeister Klaus Warthon.

Schon der Baustart der neuen Obdachlosen- und Asylunterkunft habe sich durch eine einzige Eidechse um ein Dreivierteljahr verzögert. „Da schüttelt man manchmal den Kopf, aber es bringt nichts“, so der Verwaltungschef. Er versprach, dass man bei der Umsetzung mögliche kostensenkende Maßnahmen im Auge behalten werde.

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