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Gezerre um Tennisplätze verzögert Projekt Egelsee in Tamm weiter

Hart umkämpft: Die Zukunft des Areals Egelsee. Archivfoto: Holm Wolschendorf
Hart umkämpft: Die Zukunft des Areals Egelsee. Archivfoto: Holm Wolschendorf
Kompromissvorschlag zum Bauprojekt Egelsee findet bei großen Teilen des Tammer Gemeinderats noch kein Gefallen.

Tamm. Die Kuh am Egelsee schien vom Eis. Aber eben nur fast. Nun könnte das Bauprojekt doch noch scheitern, da der Gemeinderat noch eine Untersuchung zu einem dritten Tennisplatz fordert. Diesen lehnt der Investor aber ab.

Schon vor sechs Jahren kaufte der Projektentwickler Rewied aus Ilsfeld das rund 6000 Quadratmeter große Gelände samt Hotel, Restaurant und Tennishalle. Ursprünglich war vorgesehen, die Sportanlagen neu zu ordnen, ein hochwertiges Restaurant und ein Businesshotel mit 100 Zimmern zu errichten. Wegen der Coronapandemie sprang ein potenzieller Betreiber ab. Das Projekt wurde beerdigt.

Vor fünf Wochen legte Rewied ein neues Konzept vor. Es sah vor, über einem neuen Restaurant mit Nebenräumen ein Boardinghaus mit 20 Appartements zu realisieren. Dazu drei größere Penthouse-Wohnungen. Die Tennishalle hätte demnach zwei Plätze verloren. Eine Teilfläche von etwa 1600 Quadratmetern stand zur Disposition. Außerdem sagte der Investor neue Umkleiden für die Sportler zu. Kurz darauf brachte er betreute Wohnungen für Senioren in Kooperation mit dem Kleeblattheim ins Spiel. Anstelle von Kurzzeitmietern.

Kompromissvorschlag im Gemeinderat

Es begann das große Feilschen in zwei Ausschusssitzungen hinter verschlossenen Türen, zwei Gemeinderatssitzungen, einer geheimen Zusammenkunft des Ältestenrates. Am Montagabend wurde ein Kompromiss präsentiert. Demnach darf der Entwickler Rewied über einer Tiefgarage ein Restaurant bauen, worauf zwei Etagen für betreutes Wohnen und drei Penthouse-Wohnungen gebaut werden. Außerdem kann er das bestehende Hotel um eine Etage aufstocken.

Mehrheitlich abgelehnt wurde die Forderung von SPD und Grünen, auch hier die Sozialquote für kostengünstigeres Wohnen von 20 Prozent zu erfüllen. „Betreutes Wohnen ist noch kein sozialer Akt“, meinte Sonja Hanselmann-Jüttner von der SPD.

„Irgendwann ist das für den Investor nicht mehr rentabel“, meinte Bürgermeister Martin Bernhard auch zum Vorschlag der großen Tenniskoalition aus Teilen der Freien Wähler, Grünen, SPD und CDU, drei statt nur zwei der Plätze in der Tennishalle zu erhalten. Sie befürchten einen Niedergang des Tammer Tennissports. Man solle das mühsam Erreichte nicht aufs Spiel setzen, warnte Bürgermeister Bernhard. Er konnte sich aber gegen die Mehrheit, die eine Untersuchung zu einem dritten Tennisplatz forderte, nicht durchsetzen.

Klare Aussage des Projektentwicklers

Ein regelrechtes Schnäppchen würde die Stadt mit dem Kauf von einer Teilfläche machen, auf der irgendwann eine neue Sporthalle gebaut werden könnte. Für die 1600 Quadratmeter zahlt sie nur 70 Euro pro Quadratmeter als Gemeindebedarfsfläche. Hätte die Stadt das komplette Gelände zurückgekauft, hätte ein Preis von 600 Euro im Raum gestanden, für die Teilfläche zwischenzeitlich nur noch bis zu 250 Euro. Am Ende herrschte überwiegend Zufriedenheit im Gemeinderat. „Wir haben gerungen“, meinte Karin Vogt (Grüne). Es seien wichtige Ziele erreicht worden. Sie wünscht sich trotz des Gezerres im Vorfeld eine „konstruktive Zusammenarbeit“. Ähnlich sieht es Hanselmann-Jüttner. Die ist erleichtert, dass ein wichtiger Schritt für die Tammer Infrastruktur getan werde. Dabei war Rewied drauf und dran, das Vorhaben einzustampfen und die Tennishalle sofort zu schließen.

„Wir tun uns mit dem Projekt immer noch schwer“, befürchtet Jürgen Hottmann (AWV), dass der Tennissport am Ende der Leidtragende sein wird. Adolf Bommer (CDU) erkennt die schwierige Lage auf dem Bau mit Fachkräftemangel und Lieferengpässen, hofft aber auf eine baldige Realisierung des Projekts.

Die Geschäftsführerin von Rewied, Sabrina Pohl, sieht auf Anfrage der LKZ das Ende der Fahnenstange erreicht. „Sollte der Gemeinderat am dritten Tennisplatz festhalten, ist die Angelegenheit für uns endgültig gestorben.“ Ein weiteres Konzept werde es nicht geben. Dann würden die Bestandsgebäude auf Schmalspur saniert und überlegt, wie die Tennishalle künftig genutzt werden könnte. „Bislang zahlen wir nur drauf“, sagt Pohl. „Irgendwann ist Schluss.“