Logo

Stadtentwicklung
In Tamm sind die Hotel-Träume fürs Gebiet Egelsee geplatzt

Hart umkämpft: Die Zukunft des Areals Egelsee. Archivfoto: Holm Wolschendorf
Hart umkämpft: Die Zukunft des Areals Egelsee. Archivfoto: Holm Wolschendorf
Seit sechs Jahren steht das Hotel am Egelsee leer. Nun ist die Idee vom Bau eines neuen, großen Hotels noch vor dem Spatenstich in sich zusammengestürzt: Wegen der Coronapandemie wurde kein Betreiber für die ganze Anlage gefunden. Die bisherigen Pläne wurden jetzt als unrentabel begraben, ein neues Grobkonzept entworfen.

Tamm. Im Jahr 2016 hatten die Erben des ehemaligen Hotels am Egelsee das gesamte Areal an die Firma ReWied GmbH, vormals RRBB GbR, verkauft. Eine Konzeption hatte zum Ziel, eine dauerhafte Infrastruktur für die Stadt Tamm zu erhalten sowie den Sportbetrieb auf dem Areal langfristig zu sichern. Dafür sollte das knapp 6000 Quadratmeter große Gelände auch im Sinne der Tennisfreunde neu geordnet und der Bestand abgerissen werden. Ein Business-Hotel mit 104 Zimmern auf vier Etagen sollte gebaut werden. Mit Restaurant und Tagungsräumen. Corona ließ die Träume platzen. Der bereits eingereichte Bauantrag wurde mittlerweile zurückgezogen und das gesamte Projekt auf Eis gelegt. Ein städtebaulicher Vertrag mit dem Projektentwickler ReWied aus Ilsfeld kam damit nicht mehr zustande.

Stadträte scheuen zunächst die öffentliche Debatte

Jetzt muss der Gemeinderat entscheiden, wie die weitere Entwicklung des Areals aussehen soll. Vorab wurden im Verwaltungsausschuss drei Alternativen diskutiert. Allerdings nichtöffentlich auf Antrag von CDU und Freien Wählern, dem sich die LLT und Karin Vogt von den Grünen anschlossen. Es sei zu früh für eine öffentliche Aussprache, zu viele Fragen noch offen. Nur Bürgermeister Martin Bernhard, Sonja Hanselmann-Jüttner und Esther Krain (SPD) hielten eine nichtöffentliche Beratung für nicht zwingend nötig.

Die Stadt könnte, so Szenario eins, das komplette Grundstück kaufen. Als Kaufpreis stünden 3,6 Millionen Euro plus Mehrwertsteuer im Raum. Dann könnte die Kommune über die weitere Verwendung der Fläche alleine entscheiden. Allerdings müsste sie dann auch die Altlasten übernehmen.

Ein Kauf des Geländes durch die Stadt ist wenig wahrscheinlich

Das alte Hotel, das Restaurant und die Tennishalle sind dringend sanierungsbedürftig. Im derzeitigen Zustand ist ein weiterer Betrieb schwer vorstellbar. Was das kosten könnte, kann noch niemand auch nur im Ansatz abschätzen. Außerdem braucht Tamm sein Geld für dringendere Investitionen, die auf der Agenda stehen, etwa die Grundschule Hohenstange, den Neubau des Feuerwehrhauses in der Kirschenau und den Ausbau der Kinderbetreuung. Außerdem würde die Stadt das volle wirtschaftliche Risiko tragen. Fazit der Verwaltung: Diese Variante hätte unverhältnismäßige Auswirkungen.

Lässt die Stadt die Finger von dem Grundstück, so Alternative zwei, hätte sie keinen Einfluss darauf, was da künftig passieren könnte. Das Schicksal von Hotel, Restaurant und Tennishalle sei völlig ungewiss. Im schlimmsten Fall könnte das Areal veröden, wird befürchtet. Der Bau einer weiteren, dringend benötigten Sporthalle würde so in weite Ferne rücken. „Für die Entwicklung der Stadt Tamm bedeutet diese Option Stagnation“, sorgt sich die Rathausspitze.

Hoffen auf eine Einigung mit dem Investor

Jetzt wird darauf gebaut, doch noch Einvernehmen mit dem Investor für eine Realisierung in abgewandelter Form zu finden – Option Nummer drei. Das bedeutet: die Errichtung eines hochwertigen Restaurants mit Nebenflächen für Feiern aller Art im Erdgeschoss. Statt eines Hotels sollen auf zwei Stockwerken zehn Boardingwohnungen, also Miete auf Zeit, und zehn weitere Wohnungen entstehen. Außerdem zwischen drei und fünf hochwertige Penthouse-Wohnungen auf der dritten Etage. Das stellt ein neues Grobkonzept von ReWied für ein quadratisches Atriumhaus in den Raum. Der Stadt wird dabei eine Teilfläche von 1600 Quadratmetern angeboten, auf der heute noch die Tennishalle steht. Damit wäre es möglich, zu gegebener Zeit dort eine Sporthalle zu realisieren. Bis dahin könnten dort zwei Tennisplätze weiter bespielt werden. Zusätzlich würde der Investor ein neues Umkleide- und Sanitärgebäude für die Nutzung der Tennishalle bauen.

Diese Möglichkeit würde die Chance auf eine zukunftsfähige Weiterentwicklung der Sportfläche mit relativ geringem finanziellen Aufwand offenhalten, so die städtische Analyse. Zusätzlich dürfe der Profit einer modernen Immobilie, die dort geschaffen werde, nicht verkannt werden. Nur so bewahre sich die Stadt Entwicklungsmöglichkeit auch für ihr Vereinsleben, heißt es in der Beschlussvorlage für den Gemeinderat.