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Grundstückspreise

Grundstücke: Kornwestheim ist ein teures Pflaster

Die Salamanderstadt hat für die bundesweite Grundsteuerreform wie andere Kommunen auch neue Bodenrichtwerte ermittelt. Die Quadratmeterpreise bewegen sich demnach zwischen 650 und1000 Euro.

Mit der neuen Grundsteuer kommt auf Hauseigentümer eine zweite Steuererklärung zu. Foto: Jens Büttner/dpa
Mit der neuen Grundsteuer kommt auf Hauseigentümer eine zweite Steuererklärung zu. Foto: Jens Büttner/dpa

Kornwestheim. Die Preise für Grundstücke in Kornwestheim sind im letzten Jahr erneut kräftig gestiegen. Um durchschnittlich zehn Prozent. Je nach Wohnlage liegt der Quadratmeter jetzt zwischen 650 Euro und 1000 Euro. Das wird sich auch in der neuen Grundsteuer niederschlagen.

Zu diesem Ergebnis kommt der Gutachterausschuss der Stadt, der die neuen Werte außerhalb des Zweijahresturnus ermittelt hat. Demnach wird der Spitzenpreis mit 1020 Euro bei den Hochhäusern im Osten der Stadt wegen der hohen Einwohnerdichte erreicht. Die begehrteste Wohnlage ist demnach das „Kirchle“ mit 1000 Euro. Deutlich moderater das „alte Dorf“ mit 650 Euro. Grundstück für Grundstück wurde taxiert. Notwendig wurde die Neubewertung wegen der Umsetzung der Grundsteuerreform, die das Bundesverfassungsgericht forderte.

Was auf die Haus- und Grundstücksbesitzer zukommt:

Feststellungserklärung: Immobilieneigentümer müssen bis spätestens 31. Oktober 2022 eine sogenannte Feststellungserklärung abgeben. Für jedes einzelne Flurstück gibt es einen persönlichen Code. Die muss in der Regel elektronisch über das Programm „Elster“ an das Finanzamt übermittelt werden. Nur in begründeten Härtefällen können Formulare in Papierform angefordert werden. Entsprechende Briefe sind gerade auf dem Postweg oder bereits zugestellt. Im Grunde müssen nur drei Fragen beantwortet werden: die Größe des Grundstücks, der Bodenrichtwert und ob das Gebäude überwiegend zu Wohnzwecken genutzt wird. Denn dann gibt es einen Steuerrabatt.

Grundstücksgröße: Die Grundstücksgröße wird am besten vom notariell beurkundeten Kaufvertrag abgeschrieben. Dort ist für Eigentumswohnungen in Mehrfamilienhäusern auch der Anteil am Gemeinschaftseigentum vermerkt.

Grundbuchamt: Ist der Vertrag nicht mehr auffindbar, muss der Weg übers zuständige Grundbuchamt genommen werden. Für Kornwestheim und viele andere Kommunen im Landkreis Ludwigsburg ist das zum Beispiel das Amtsgericht Waiblingen. Dort wird auf schriftliche Anfrage gegen Gebühr und nur bei berechtigtem Interesse Auskunft gegeben. Über das Internet kann ein Antragsformular ausgefüllt werden. Frank Hönes, Abteilungsleiter Steuern und Liegenschaften, und Johannes Hartmann, Fachbereichsleiter Planen und Bauen, raten, sich rechtzeitig darum zu kümmern, weil eine Flut von Anfragen zu erwarten sei, je näher der Stichtag rückt. „Wir als Kommune können da nicht einspringen“, sagt der stellvertretende Vorsitzende des Gutachterausschusses Hartmann,und Hönes ergänzt, „auch können wir aus vorgelegten Unterlagen nicht die passenden Papiere heraussuchen“.

Neue Bodenrichtwerte: Die neuen Bodenrichtwerte werden offiziell zum 1. Juli auf der Homepage der Stadt Kornwestheim veröffentlicht oder sind über „Boris-BW“, dem Bodenrichtwertinformationssystem des Landes, zu erfahren. Aus diesen beiden Faktoren berechnen die Finanzbehörden den sogenannten Grundsteuermessbetrag, der dann wiederum mit dem Hebesatz der Gemeinde multipliziert wird.

Keine Auskünfte: Zum steuerrechtlichen Verfahren kann und darf das Amt keine Auskünfte geben. Ebenso wie Spezialfragen unbeantwortet bleiben. Zum Beispiel wie ein Sondernutzungsrecht eines Gartens bei Erdgeschosswohnungen im Geschosswohnungsbau zu behandeln ist. „Derzeit sind wir nicht in der Lage zu schätzen, wie sich die Grundsteuer im Einzelfall verändern wird“, bittet Hönes um Verständnis. Bis die neuen Bescheide rausgehen, könne es noch bis Sommer 2024 dauern.

Alleine in Kornwestheim sind von dem Verfahren Eigentümer von 15000 Wohnimmobilien betroffen. „Die Grundsteuer ist nach der Gewerbesteuer und dem Anteil aus der Einkommensteuer eine unserer wichtigsten Einnahmequellen“, sagt Erster Bürgermeister Daniel Güthler. Bislang brachte sie jährlich rund 5,5 Millionen Euro ein. Bundesweit sind es 14 Milliarden. Weil das Bundesverfassungsgericht die Grundsteuer in der bisherigen Form als verfassungswidrig erklärte, war die Grundsteuerreform notwendig. Denn auf diese sichere und weitgehend konstante Einnahmequelle kann keine Kommune verzichten, um ihren vielfältigen Aufgaben nachzukommen.

Info: Im zentralen Bodenrichtwertsystem Boris ( www.gutachterausschuesse-bw.de) müssen Kommunen in Baden-Württemberg ihre neuen Bodenrichtwerte eintragen, damit sich Haus-und Grundbesitzer informieren können.

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