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Tradition

Gutes tun im barocken Gewand

Jedes Jahr im Dezember verkleidet sich Andreas Kurz als Nikolaus und besucht Familien, Adventsfeiern und Weihnachtsmärkte im Kreis und darüber hinaus. Er möchte kein Geld damit verdienen, die Rolle ist ihm eine Herzensangelegenheit.

Sobald Andreas Kurz in seinem Gewand steckt, spielt er die Rolle des Nikolauses. Fotos. Ramona Theiss
Sobald Andreas Kurz in seinem Gewand steckt, spielt er die Rolle des Nikolauses. Fotos. Ramona Theiss
Für das neue und alte Testament in der Bibel stehen die beiden Stoffbahnen an der Mitra.
Für das neue und alte Testament in der Bibel stehen die beiden Stoffbahnen an der Mitra.
Das Kreuz am Bischofsstab darf nicht fehlen: Es ist Symbol des christlichen Glaubens.
Das Kreuz am Bischofsstab darf nicht fehlen: Es ist Symbol des christlichen Glaubens.

Kreis Ludwigsburg. Ab und zu, an einem Freitag- oder Samstagabend im Dezember, zieht Andreas Kurz sein Gewand an, setzt die Mitra auf, zupft den Bart zurecht, nimmt den Bischofsstab und macht sich auf den Weg Richtung Ludwigsburger Weihnachtsmarkt. „Ich mache das, obwohl ich nicht gebucht werde, einfach nur, weil es mir Spaß macht“, sagt Kurz. Weit komme er aber nicht, bereits nach zwei Ständen werde er von Kindern und Erwachsenen belagert. Es sei wichtig, bei solch einem Auftritt kein Kind zu übersehen und jedes anzusprechen. „Sonst ist die Rolle nicht authentisch“, so Kurz.

Es war vor etlichen Jahren, als der Ludwigsburger damit begonnen hat, den Nikolaus für seine Patenkinder zu spielen. „Sie haben nicht gemerkt, dass es der Onkel ist“, sagt er. Trotzdem habe er damit aufgehört, sobald die größere Nichte in ein Alter kam, in dem man den Nikolaus anhand einer Uhr oder den Schuhen als Onkel enttarnen könnte. Doch schon davor erzählten die Eltern der Patenkinder Freunden von seiner Rolle und so baute sich Andreas Kurz nach und nach durch Mundpropaganda einen kleinen Stamm an Kunden auf.

Vor vier Jahren registrierte er sich schließlich bei einer Nikolausagentur im Internet, um noch mehr Menschen im Umkreis zu erreichen. Ein neues Kostüm kaufte er sich vor zwei Jahren. „Ich wollte nicht mehr in diesem Made-in-China-Gewand rumlaufen“, sagt Kurz. Stattdessen habe er sich eine hochwertige Ausrüstung gekauft, um seine Glaubwürdigkeit zu erhöhen. „Das edle Kostüm im Stil des Barocks passt perfekt zu Ludwigsburg.“

Ab und zu ist Andreas Kurz auf Weihnachtsmärkten unterwegs, auch das Polizeipräsidium Ludwigsburg hat ihn bereits für die Weihnachtsfeier gebucht. Hauptsächlich besucht er jedoch Familien. Zu einem Jungen mit Behinderung aus Murr kommt der Nikolaus schon jahrelang. „Er wünscht sich jedes Jahr eine Flasche Ketchup und ein Glas Nutella“, erzählt Kurz. Das erste Mal sei er in diesem Jahr von einer muslimischen Familie gebucht worden. Das habe ihn zuerst verwundert, tritt Andreas Kurz doch nur als Bischof Nikolaus auf. „Die Eltern wollten ihren Kindern einen typischen Nikolausbesuch ermöglichen“, so Kurz. Also sei er gekommen.

Zu seiner Rolle gehört auch, dass Kurz die Geschichte des kleinen Waisen Nikolaus, der schließlich zum Heiligen erklärt wurde, erzählt. Er merke ziemlich schnell, welche Bedeutung Religion in der jeweiligen Familie habe. Je nach Gefühl kürze er die Geschichte ab oder schmücke sie aus. Mit dabei: sein rotes Buch. In diesem stehen nicht nur adventliche Lieder, die der Nikolaus gerne mit der Familie singt, sondern auch Informationen über jedes Kind. Was hat dieses gut gemacht? An welche Anstandsregel sollte der Nikolaus das Kind erinnern? „Wichtig ist für mich, dass der Nikolaus nicht nur ermahnt, sondern vor allem Gutes erwähnt“, sagt Andreas Kurz. Diese Einstellung ist es, die ihn so beliebt macht: Eltern öffnen ihm ihr Herz und erzählen von ihrem Leid, Kinder schreiben ihm Dankeskarten mit Texten wie „Ich hab dich lieb.“

Über solche Bestätigungen für seine Arbeit freut sich Andreas Kurz besonders. Extra dafür nimmt er sich um den 6. Dezember mindestens zwei Tage Urlaub, um den Nikolaus zu spielen. Acht Familien besucht er an solch einem Tag durchschnittlich. In diesem Jahr waren es bereits 18 Aufträge. Auch für Heiligabend werde er ab und zu angefragt. Jedoch nimmt er an diesem Tag nur einen Auftrag an und nur bis maximal 15 Uhr. Danach geht der Ludwigsburger selbst in die Kirche. „Ich möchte Kindern und auch Erwachsenen die Geschichte des Nikolaus näher bringen“, sagt er. Deshalb verlange er kein Geld. Stattdessen bittet er um eine Spende für eine soziale Sache. In diesem Jahr möchte er eine Delfintherapie für ein Kind mit Behinderung ermöglichen – oder zumindest einen Teil davon.

Viele Jahre lang habe er sich überlegt, was er Gutes tun kann. „Meine Rolle ist eben der Nikolaus“, sagt Andreas Kurz.

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