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Bauvorhaben

Heute Parken, morgen Büros

Porsche will 60 Stellplätze in Parkdeck umwandeln – Alternative für Mitarbeiterautos auf Nachbargrundstück

Hinter dem grauen Sichtschutz im ersten Obergeschoss parken Fahrzeuge – noch. Foto: Holm Wolschendorf
Hinter dem grauen Sichtschutz im ersten Obergeschoss parken Fahrzeuge – noch. Foto: Holm Wolschendorf

Hemmingen. Wenn es in den kommunalen Gremien um Parkplätze geht, ist der Aufschrei normalerweise groß, weil für das Auto zu viel bislang anders genutzte Fläche verbraucht werden soll – nicht so bei einem ungewöhnlichen Vorhaben am Ortsrand von Hemmingen. Denn zum einen war bislang gar nicht allen Beteiligten bekannt, dass an dieser Stelle geparkt wird. Vor allem aber wird das künftig auch gar nicht mehr so sein. Der Autobauer Porsche nämlich will einen Teil seines Parkhauses in Büros und ein Besprechungszimmer umwandeln.

Das Vorhaben, die 60 Stellplätze des Parkdecks im ersten Stock des Gebäudes an der Schlosshaldenstraße zu überbauen, widerspricht nach Ansicht der Gemeindeverwaltung nicht dem Bebauungsplan. Der Umwelt- und Technikausschuss hatte in seiner Sitzung also nichts anderes zu tun, als das Ganze zur Kenntnis zu nehmen. Eine Vorgabe für Porsche gibt es einzig und allein mit Blick auf den notwendigen Ersatz für die wegfallenden Stellplätze. „Aber das ist uns ja zugesagt worden“, so Wolfgang Gerlach (Freie Wähler). „Zumindest verschlüsselt.“

Gerlach spielte damit auf zwei Bauanträge an, die 2019 auf der Tagesordnung des Ausschusses gestanden hatten und für Irritationen und Kritik sorgten. Beide bezogen sich auf ein nahe gelegenes Grundstück an der Kreuzung der Schlosshalden- mit der Patronatstraße, auf dem zunächst 94 Parkplätze entstehen sollten. Im November beantragte der Eigentümer dann eine Genehmigung für ein zweistöckiges Parkhaus mit 236 Plätzen.

Kritik wegen Versiegelung

Der Ausschuss hatte damals zwar nur ein Mitbestimmungsrecht, was die Ein- und Ausfahrt im Kurvenbereich anging. Kritik an dem Projekt wurde dennoch geäußert, weil dafür Fläche versiegelt wird, die in einem Gewerbegebiet besser genutzt werden könnte. „Wenn wir ein Gewerbegebiet haben, erwarte ich, dass Gewerbe gebaut wird“, sagte Wilfried Gentner (CDU) stellvertretend für viele.

Irritationen gab es vor allem deshalb, weil zunächst offen war, ob tatsächlich und dann auch für wen so viele Stellflächen gebraucht werden. Zur Frage des Bedarfs sagte der Grundstückseigentümer Eberhard Zaiser gegenüber der LKZ: „Glauben Sie, ich würde das planen, wenn ich nicht überzeugt wäre?“, verriet aber nicht, wer Kunde sein wird. Auch die Gemeindeverwaltung hatte darüber bei Antragstellung nach eigenen Angaben keine Kenntnis. Porsche war aber schon von Anfang an aufgrund der Nachbarschaft und Größe vermutet worden. Der Autobauer dementierte jedoch die entsprechenden LKZ-Anfragen im Frühjahr und Herbst – und wird nach dem eigenen Bauantrag nun um eben diese Parkmöglichkeit nicht herumkommen.

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