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Sommerserie: Besondere Gärten
Im Besigheimer Garten von Eberhard Geist fühlen sich auch Insekten wohl

„Wenn ich draußen bin, vergesse ich die Zeit“: Eberhard Geist hat in seinem Besigheimer Garten immer etwas zu tun. Fotos: Ramona Theiss
„Wenn ich draußen bin, vergesse ich die Zeit“: Eberhard Geist hat in seinem Besigheimer Garten immer etwas zu tun. Fotos: Ramona Theiss
Eines von vielen Bienenhotels. Foto: Ramona Theiss
Eines von vielen Bienenhotels. Foto: Ramona Theiss
In einem großen überdachten Gehege scharren und gackern neun Hühner. Einen Hahn gibt’s nicht. Foto: Ramona Theiss
In einem großen überdachten Gehege scharren und gackern neun Hühner. Einen Hahn gibt’s nicht. Foto: Ramona Theiss
Üppig: Die Tomaten der Sorte „Berner Rose“ – der intensive Duft lässt den Geschmack erahnen. Foto: Ramona Theiss
Üppig: Die Tomaten der Sorte „Berner Rose“ – der intensive Duft lässt den Geschmack erahnen. Foto: Ramona Theiss
Oben Seerose, unten schwimmen Fische. Foto: Ramona Theiss
Oben Seerose, unten schwimmen Fische. Foto: Ramona Theiss
Geschmackssache: Rosenkohl. Der will in diesem Jahr aber nicht so recht kommen. Foto: Ramona Theiss
Geschmackssache: Rosenkohl. Der will in diesem Jahr aber nicht so recht kommen. Foto: Ramona Theiss
In unserer Sommerserie stellen wir besondere Gärten vor. Heute der Garten von Eberhard Geist aus Besigheim.

Besigheim. Es ist ein ausgeklügeltes Leitungssystem, das Eberhard Geist in seinem Garten an der Besigheimer Turmstraße verlegt hat – und dazu noch eines, das unter all den Sträuchern, Pflanzen und der Erde kaum auffällt: Von Haus- und Garagendach, von der Pergola, dem Hühnergehege, dem Tomaten- und dem Gewächshaus wird Regenwasser gesammelt, unter anderem in einer knapp 2000 Liter fassenden Zisterne, die unter einem kleinen Teich eingebaut wurde. Eine Pumpe wässert über Schläuche und Leitungen den Garten. Hinter dem Hühnergehege stehen zudem noch mehrere große Fässer, in denen das Wasser von oben aufgefangen wird.

Allerdings: Viel zu sammeln gab es dieses Jahr bisher noch nicht. Gerade einmal 270 Liter, so hat Eberhard Geist dokumentiert, sind bis Mitte August bei ihm im Garten gefallen. Der Blick auf die Tabelle verheißt auch für die vergangenen Jahre nichts Gutes. Zwischen 360 (im Jahr 2018), 676 (2021) und 777 (2019) Liter hat es geregnet. „Es ist zum Verzweifeln“, meint der 83 Jahre alte Besigheimer.

Nur im Gewächs- und Tomatenhaus wird täglich gegossen

Dabei ist sein Garten, der sich dicht zwischen die Häuser unweit der Landesstraße schmiegt, trotz all des Gemüses, der Obstbäume und -sträucher im Vergleich zu anderen Gärten nicht der größte Wasserschlucker. Lediglich alle zwei bis drei Tage wird gegossen. „Ich habe den ganzen Garten gemulcht. Dann verdunstet das Wasser nicht so schnell.“ Eine Ausnahme gibt es allerdings: Vorm Gewächshaus stehen zehn Gießkannen à fünf Liter – die werden jeden Tag für Physalis, Paprika, Gurken und was sonst noch im Gewächshaus gedeiht, genutzt. Auch die Tomaten in ihrem Extrahäuschen bekommen was davon ab. Wichtig: „Das Wasser wird mittags oder abends in die Gießkannen gefüllt und bleibt über Nacht stehen. Zum Gießen muss man immer abgestandenes Wasser nehmen.“ Beim Gärtnern orientiert er sich am Mondkalender und an alten Gärtnerweisheiten – aber lässt auch modernere Erfahrungen einfließen.

An jedem Strauch etwas Essbares

Eberhard Geist läuft den schmalen Weg zwischen den (Hoch-)Beeten ab. Beim Eisbergsalat angekommen, schüttelt er den Kopf: „Die waren sonst immer so groß“, sagt er und macht eine ausladende Handbewegung. Und jetzt? Jetzt fällt wegen der Trockenheit alles eine Nummer kleiner aus. Genau wie die Bohnen. Letztes Jahr habe er „ohne Ende“ davon gehabt, in diesem Jahr ... „na ja, für drei Essen hat’s gereicht“. Der Besigheimer betont, dass es bei ihm im Garten keinen Strauch gebe, an dem nichts Essbares sei. Und wenn zwischendurch eine Fetthenne oder eine blaue Distel eingepflanzt ist, summen Bienen und Hummeln herum. Zwischen Mangold, Rosenkohl, Sonnenblumen und den Obstbäumen verteilt sind kleine Insektentränken und -hotels. Auch in die hölzerne Pergola hat er Löcher gebohrt, um Insekten einen Unterschlupf zu bieten. Von den Trauben, die dort ranken, lässt er immer einige hängen – „für die Wespen“.

„Wenn was runterfällt, bleibt es liegen“

Der Weg hinterm Haus zur kleinen Werkstatt ist an einer Seite von Efeu gesäumt. „Der sorgt für frische Luft und Sauerstoff“, sagt der Besigheimer und nimmt einen tiefen Atemzug. Das Bäumchen daneben hat die Trockenheit nicht so gut überstanden. „Aber der kommt wieder“, meint Geist, knickt ein vertrocknetes Ästchen ab und wirft es auf den Boden. „Mein Garten ist rein biologisch. Wenn was runterfällt, bleibt es liegen.“ Oder wird an die neun Hühner verfüttert. Die revanchieren sich mit dem „besten Dünger“: Hühnermist. Eine akkurate Pflanzung gibt es bei Geist nicht. Wenn irgendwo ein Platz frei sei, werde einfach Salat eingepflanzt. „So gefällt mir mein Garten.“

Es gibt immer etwas zu tun

Als er 1969 in das Haus gezogen ist, gab es im Garten vor allem Brombeeren sowie Rote und Schwarze Johannisbeeren („Schwarze- Träuble-Gsälz ist meine Lieblingsmarmelade“). 30 Jahre später, als er in Vorruhestand ging, hat er mit dem Gärtnern angefangen und sich nach und nach seinen Traum vom Nutzgarten erfüllt. Wobei die Arbeit nicht ausgeht: „Ich sehe immer etwas, das noch zu tun ist.“ Jeden Tag ist Eberhard Geist im Garten – und das meistens recht lange: „Wenn ich draußen bin, vergesse ich die Zeit.“

In unserer Sommerserie stellen wir immer mittwochs und freitags besondere Gärten im Landkreis Ludwigsburg vor. Hier geht es zu weiteren Serienteilen.