Kreis Ludwigsburg. Deutschland und Indien wollen künftig gemeinsame Standards in der Ausbildung entwickeln, um den Wechsel indischer Pflegekräfte in den deutschen Arbeitsmarkt zu erleichtern. Bundeskanzler Friedrich Merz schloss dazu während seiner Indienreise ein Abkommen, das den Austausch und die Anerkennung von
Fachkräften vereinfachen soll. Bei der Kleeblatt Pflegeheime gGmbH ist diese Zusammenarbeit nach eigenen Angaben schon gelebte Praxis: Seit Anfang des Jahres unterstützen drei erfahrene Pflegefachkräfte aus dem südindischen Bundesstaat Kerala die Kleeblatt-Einrichtungen im Landkreis Ludwigsburg.

Drei Kollegen, ein Ziel – und ein gemeinsames Zuhause
Aby James (34), Sandhya (39) und Soumya (33) kennen sich bereits aus einer Sprachschule in Indien. Gemeinsam haben sie dort Deutsch gelernt und sich gezielt auf die Arbeit in deutschen Pflegeeinrichtungen vorbereitet. Alle drei verfügen über eine anerkannte Pflegeausbildung sowie ein Sprachzertifikat auf dem Niveau B1. Das B2-Niveau, das für die volle Berufsausübung nötig ist, wollen sie bald in Deutschland nachholen. Im Spätsommer 2025 begann über eine Vermittlungsagentur der Kontakt zu
den Kleeblatt-Pflegeheimen. Eigentlich war ihre Anreise für November geplant – doch aufgrund von Visaverzögerungen kamen sie erst im Januar 2026 in Deutschland an. Seitdem leben sie gemeinsam in einer Wohngemeinschaft in Freiberg und unterstützen sich gegenseitig beim Einleben und Deutschlernen.
Erste Schritte im neuen Arbeitsalltag
Aby arbeitet in der Kleeblatt-Einrichtung Tamm, während Sandhya und Soumya in Freiberg gestartet sind. Für alle drei wurde der Dienstplan individuell an ihre Lebenssituation angepasst – etwa, um eine enge Einarbeitung mit erfahrenen Patinnen und Paten aus dem Team zu ermöglichen. „Wir möchten, dass Integration im Alltag gelingt – mit Struktur, Begleitung und offenem Austausch“, wird Stefan Ebert, Geschäftsführer von Kleeblatt, in einer Pressemitteilung zitiert. Offene Kommunikation ist dabei ausdrücklich erwünscht: „Wenn die drei etwas nicht verstehen, sagen sie das einfach – das ist ganz normal und wichtig, damit Missverständnisse gar nicht erst entstehen.“ Solche sprachlichen Schwierigkeiten gehören zum Ankommen dazu – ebenso wie kleine Anekdoten. So sorgt das typische indische Kopfschütteln, das dort „Ja“ bedeutet, in manchen Situationen noch gelegentlich für ein Schmunzeln.
Erfahren, zuverlässig und herzlich
Alle drei bringen langjährige Berufserfahrung mit – insgesamt rund 40 Jahre in der Krankenhauspflege. Aby, der zehn Jahre in einem indischen Krankenhaus tätig war, beschreibt Deutschland als „gutes Land mit vielen Möglichkeiten“. Seine Frau, eine Zahnärztin in Dubai, und sein dreijähriger Sohn sollen bald folgen. Sandhya arbeitete 18 Jahre in der Pflege und nennt Deutschland ihr „Traumland“ – sie liebt die Kultur, die Freundlichkeit der Menschen und hat hier zum ersten Mal Schnee gesehen. Soumya, mit elf
Jahren Berufserfahrung, schätzt besonders die Ruhe und Ordnung: „Ich bin glücklich, hier zu sein – auch wenn der Winter eine Herausforderung ist“, erzählt sie lachend.
Willkommenskultur mit Struktur
In ihren ersten Wochen haben sich die drei mit großer Offenheit und Lernbereitschaft eingebracht. „Sie zeigen viel Eigeninitiative, übernehmen Verantwortung und sind eine Bereicherung für unser Team“, berichten die Kolleginnen und Kollegen aus Freiberg und Tamm. Die deutsche Sprache bleibe noch eine Hürde, doch die Fortschritte seien täglich spürbar – ständig kämen neue Wörter und Formulierungen hinzu. „Unsere internationalen Mitarbeitenden beweisen eindrucksvoll, dass Integration gelingt, wenn man sie gemeinsam gestaltet“, fasst Ebert zusammen. „Wir sind stolz, so engagierte Fachkräfte gewonnen zu haben – und dankbar für die Offenheit, mit der alle Seiten aufeinander zugehen.“ Mit den neuen Kolleginnen und Kollegen aus Indien zeigt sich: Pflege hat Zukunft – wenn sie von Menschen mit Herz.(red)



