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Sommerserie: Besondere Gärten
Irmgard Schaaf aus Ingersheim: „Mein Garten ist mein Leben“

Die 92-jährige Irmgard Schaaf genießt das schattige Plätzchen auf ihrer Terrasse in Kleiningersheim. Fotos: Holm Wolschendorf
Die 92-jährige Irmgard Schaaf genießt das schattige Plätzchen auf ihrer Terrasse in Kleiningersheim. Fotos: Holm Wolschendorf
Dekorative Elemente neben üppiger Blütenpracht.
Dekorative Elemente neben üppiger Blütenpracht.
Gemüse wächst hier genauso gut ...
Gemüse wächst hier genauso gut ...
Ein Blickfang im Garten ist die bepflanzte Mostpresse.
Ein Blickfang im Garten ist die bepflanzte Mostpresse.
... wie selber gezogene Petunien.
... wie selber gezogene Petunien.
In unserer Sommerserie stellen wir besondere Gärten vor. Heute der Garten von Irmgard Schaaf aus Ingersheim.

Ingersheim. Hilde Grabenstein muss nicht lange überlegen. Einen schönen und besonderen Garten in Kleiningersheim? Der Vorsitzenden des örtlichen Obst- und Gartenbauvereins fällt sofort das Kleinod von Irmgard Schaaf ein. Die 92-Jährige lebt seit mehr als 60 Jahren auf dem Sonnenhof, einem Aussiedlerhof zwischen Kleiningersheim und Hessigheim.

Und Hilde Grabenstein hat nicht zu viel versprochen. Der Weg in den Garten ist gesäumt von roten Rosen, die Besucherin wird empfangen von einem riesigen, weißblühenden Oleander in einem Tontopf. Irmgard Schaaf hat den Sonnenhof zusammen mit ihrem Mann Alfred 1959/60 gebaut und jahrzehntelang bewirtschaftet. Mit ihm hat sie in der Anfangszeit um die 100 Kirschbäume im Garten und der angrenzenden Wiese gepflanzt. Ihr Mann war nicht nur Landwirt und Baumwart bei der Gemeinde, sondern auch eines der Gründungsmitglieder des OGV Kleiningersheim, der 1952 aus der Taufe gehoben wurde. Fast genauso lange rankt sich eine rote Kletterrose am ehemaligen Viehstall hoch. „Die Rose haben wir gepflanzt, noch bevor das Gebäude verputzt war“, erinnert sich die Seniorin, die sich täglich an der üppigen Blumenpracht, an Gemüse und Obst erfreut. „Mein Garten ist mein Leben“, erzählt die 92-Jährige. Schon als kleines Mädchen habe sie im Garten Apfelbäumchen gepflanzt – aus den Kernen des Tresters.

Im hohen Alter fällt das Bücken schwer

Früher habe sie wegen der vielen Arbeit in der Landwirtschaft nicht so viel Zeit für das Hegen und Pflegen ihrer Pflanzen gehabt, heute im hohen Alter falle ihr das Bücken schwer. Ohne ihre Helfer und Helferinnen wäre der Garten nicht zu schaffen. Sie ist dankbar für die Unterstützung beim Gießen, Pflanzen und Ernten, die sie von ihrem Sohn Alfred, ihrer Tochter Bärbel und einer langjährigen Freundin erhält, die alle nur Uschi nennen.

Wohin man schaut, blüht und sprießt es. In den Balkonkästen grüßen rosafarbene Geranien sowie weiße und lilafarbene Petunien. „Die habe ich alle selbst gesät“, erzählt die Kleiningersheimerin, die seit mehr als 20 Jahren verwitwet ist. Mit ihrem Rollator führt sie durch das Idyll aus Blumen- und Nutzgarten. Ihre Lieblingsblumen, orangefarbene Lilien mit einem großen Kelch, sind bereits verblüht („die riechen so gut“). Mit ihrer zweiten Lieblingsblume, dem leuchtend blauen Rittersporn, hatte sie in diesem Jahr kein Glück: die Schnecken haben ganze Arbeit geleistet.

Von ihrem Lieblingsplatz, der schattigen Terrasse, die von roten Rosen eingerahmt wird, hat sie den Garten im Blick. Ein Hingucker sind die selbst bemalten bunten Tiere aus Keramik: Ente, Huhn und Henne. Auch ein Schaf, Schweinchen und Gartenzwerge bevölkern den idyllischen Garten. Bei Irmgard Schaaf blüht es das ganze Jahr über. „Im Frühjahr geht es los mit meinen Osterglocken und Tulpen. Meine Pfingstrosen müssten Sie sehen und dann erst die Rosen.“ Schön anzusehen sind auch die violetten Dahlien und die bunten Schmuckkörbchen. Selbst eine alte Mostpresse ist mit Petunien bepflanzt. Am Weg zum Hauseingang reihen sich Buchsbäume aneinander. Sohn Alfred kümmere sich darum, dass der Zünsler nicht alles niedermache.

Neben Stangenbohnen wachsen 50 Tomatenstöcke

Irmgard Schaafs Garten erfreut aber nicht nur das Herz, sondern auch den Magen. Neben Stangenbohnen („wir haben dieses Jahr einen richtig guten Ertrag“) wachsen 50 (!) Tomatenstöcke („alle selbst gesät und großgezogen“). Die letzten kleinen Gurken („wir haben schon 60 Schraubgläser gefüllt“) warten auf die Ernte. Beim Vorübergehen kann man an den Brombeerhecken und den Himbeerranken naschen. „Sie müssen noch die Feigen, die Birnen und die Pfirsiche probieren“, empfiehlt die 92-Jährige. In ihrem Idyll wachsen auch Aprikosen, Mirabellen, Äpfel, Bühler Zwetschgen und natürlich Kirschen. Früher habe die Familie kiloweise Kirschen gepflückt und in Körben verkauft. Heute stellt sie ab und zu ein Schälchen hin, die finden dann bei Spaziergängern und Radfahrern Abnehmer. „Das Geld stecke ich dann wieder in den Garten“, sagt Irmgard Schaaf ganz pragmatisch. Auch die sechs Enkel und sieben Urenkel lieben Omas Garten – unter der Zeder kann man gut sitzen und grillen, der riesige Walnussbaum spendet Schatten beim Fußballspielen.

Zur Serie

In unserer Sommerserie stellen wir immer mittwochs und freitags besondere Gärten im Landkreis Ludwigsburg vor. Die Serie gibt es auch online unter lkz.de/serien/sommerserie-besondere-gärten