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Expo

Kalbsmaultaschen schmecken auch in Dubai

Von baden-württembergischen Politikern weitgehend ignoriert, ist das Land derzeit mit einem Pavillon auf der Expo in Dubai vertreten. In der dazugehörigen Gastronomie war Kim Alisa Schmid vom Hotel & Restaurant Otterbach in Bietigheim-Bissingen mit Vater und Bruder zwei Wochen im Einsatz.

Familie Schmid hat im Pavillon des Landes in Küche und Service mitgewirkt. Fotos: privat
Familie Schmid hat im Pavillon des Landes in Küche und Service mitgewirkt. Fotos: privat

Bietigheim-Bissingen/Dubai. „Wir erhalten Aufmerksamkeit aus aller Welt und unsere Gäste sind begeistert“, erzählt Kim Alisa Schmid am Telefon aus Dubai. Im Hintergrund ist Musik zu hören. Als neben ihr auch noch eine Show startet, sucht sie sich ein ruhigeres Plätzchen. Gerade war sie thailändisch essen im „Little Bangkok“, danach wird sie noch ein wenig über das Expo-Gelände schlendern. Dort hat sie mit Vater Klaus Bernhard Schmid, Bruder Axel Schmid und Studienfreundin Frieda Meyer in den vergangenen beiden Wochen in der Gastronomie des Baden-Württemberg-Pavillons gearbeitet. Diese wird vom Cateringunternehmen Better Taste aus dem Kreis Ludwigsburg betreut. In Zusammenarbeit mit der Meistervereinigung Gastronom reisen jeweils für 14 Tage Teams zur Unterstützung an, so auch kürzlich die drei vom Hotel & Restaurant Otterbach in Bietigheim-Bissingen.

Am Abend vor dem letzten Arbeitstag berichtet Kim Alisa Schmid von ihren Erfahrungen: „Die Expo war für mich eine großartige Möglichkeit, in der Freizeit Eindrücke aus der ganzen Welt zu bekommen, und im Restaurant hatte ich ebenfalls Kontakt zu Besuchern aus aller Welt.“ Während ihr Vater und Bruder das Küchenteam unterstützten, war sie mit der Freundin im Service eingesetzt, betreute Gäste in Restaurant und Lounge sowie bei Veranstaltungen von Sponsoring-Partnern und weiteren Firmen. Essen aus verschiedenen Ländern ist ein wichtiger Bestandteil der Expo: Auf rund 200 Pavillons kommen laut Kim Alisa Schmid um die 400 gastronomische Angebote. Die Architektur auf dem Gelände hat es ihr besonders angetan: „Es ist beeindruckend, was sie hier auf die Beine gestellt haben.“ In den Pavillons werden nicht nur Zukunftstechnologien, sondern auch Kulturen der Länder präsentiert.

Als einziges Bundesland und einzige Region weltweit ist Baden-Württemberg nun erstmals mit einem eigenen Pavillon bei einer Expo vertreten. Doch da der Kostenanteil des Landes von drei auf 15 Millionen explodiert ist, zeigen sich Politiker aus dem Südwesten lieber nicht vor Ort. Zur Eröffnung Anfang Oktober reisten lediglich CDU-Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut und eine AfD-Abgeordnete in das Emirat am Persischen Golf, Bundesentwicklungsminister Gerd Müller war ebenfalls vor Ort. Ein Besuch von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) oder Vertretern der anderen Fraktionen ist nicht geplant.

„Politik und Presse aus Baden-Württemberg scheinen tatsächlich ein Problem mit dem Projekt zu haben, was ich nach meinen Erfahrungen hier vor Ort überhaupt nicht nachvollziehen kann“, so Kim Alisa Schmid. Sie selbst finde es großartig und sehe darin eine einmalige Chance. Viele Gäste fragten allerdings durchaus genau nach, warum das Land einen eigenen Pavillon hat. Ob sie sich von der Politik aus der Heimat mehr Aufmerksamkeit wünscht? „Es ist schwer zu sagen, ob das wichtig wäre.“ Durch die getrennte Organisation von Gastronomie und Pavillon bekomme sie von dort nicht so viel mit – an Restaurantbesuchern mangelt es aber offenbar nicht.

Unter den Gästen sind nach der Beobachtung von Kim Alisa Schmid viele Schwaben, die ihren Urlaub in der Region verbringen, dabei auch für ein oder zwei Tage auf die Expo kommen und zum Essen gezielt das Baden-Württemberg-Haus ansteuern. „Die Speisen sind schwäbisch und badisch angehaucht“, beschreibt sie das Angebot. Man achte jedoch darauf, weder Schweinefleisch noch Alkohol zu verkochen. „Das Essen soll alle ansprechen, auch Muslime.“ Entsprechend enthielten auch die Maultaschen nur Kalbfleisch. Während zum Essen vor allem deutschsprachige Besucher kämen, auch aus Österreich und der Schweiz, sei das Publikum des Pavillons selbst gemischt. Brezeln von einem Bäcker aus Dubai kämen aber auch bei internationalen Gästen gut an. Mehrmals in der Woche gibt es zudem eine Live-Kochshow, bei der Küchenchef Steffen Marzin vor aller Augen Spätzle schabt.

Untergebracht war das Bietigheimer Team im Expo Village vor den Toren des Messegeländes, von wo aus der Pavillon zu Fuß erreichbar ist. An ihren freien Tagen haben sie bereits die Stadt erkundet, an die sie mit der Metro gut angebunden sind. Bevor die vier am Wochenende zurück nach Deutschland fliegen, wollen sie sich noch die Souks in der Altstadt anschauen – Märkte für Gold, Fisch, Gewürze und vieles mehr. Zudem ist eine Wüstentour geplant. „Wir werden auch auf den Burj Khalifa hochfahren, das muss man einfach machen“, freut sich Kim Alisa Schmid schon auf den mit 828 Metern höchsten Wolkenkratzer der Welt. Und auch ein Besuch im Deutschland-Pavillon der Expo darf natürlich nicht fehlen.

INFO: Die Expo läuft noch bis 31. März 2022. Auf der Webseite bw-expo2020dubai.com/ digitaler-zwilling gibt es eine virtuelle Tour durch den Landespavillon

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