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Strohgäubahn

Kampf gegen das große Quietschen

Seit September schützt eine Gleisschmieranlage in Korntal Anwohner der Strohgäubahn vor Lärm. Der Versuch weckt auch Begehrlichkeiten in anderen Kommunen entlang der Strecke.

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Eine Strohgäubahn im Korntaler Bahnhof: Wenn sich die Züge nach der Ausfahrt in die Kurven legen, kommt es auf der Strecke offenbar zu unangenehmen Kreischgeräuschen. Foto: Marijan Murat/dpa

Strohgäu. Als sich im Herbst der Strohgäubahn-Anwohner Thomas Herwig und die Betreiber der Nebenbahn mal wieder vor dem Verwaltungsgerichtshof in Mannheim um Lärmschutz entlang der Trasse streiten, äußert der Korntaler Unternehmer einen Verdacht: Die Bahnmanager lassen die Gleise schmieren, um bei Lärmmessungen besser abzuschneiden. Seinen Verdacht kann Herwig allerdings nicht beweisen. Der Zweckverband der Strohgäubahn, dem der Landkreis und die Anrainer Korntal-Münchingen, Schwieberdingen, Hemmingen und Ditzingen angehören, weist die Manipulationsvorwürfe zudem deutlich von sich.

Tatsächlich ist in der Nähe der Betriebswerkstatt am Korntaler Bahnhof, wo die Züge gewartet werden, seit dem vergangenen September eine Gleisschmieranlage installiert, die im sperrigen Bahndeutsch Schienenkopfkonditionierungsanlage heißt. Das Ziel: Anwohner vom Bahnlärm zu entlasten. Ein Sprecher des Ludwigsburger Landrats Rainer Haas sagt unserer Zeitung: „Die Anwohner bestätigen uns, dass die Anlage zu einer merklichen Entlastung geführt hat. Die Vorbeifahrt der Züge ist deutlich leiser geworden.“

Bisher war es so, dass das große Quietschen begann, sobald sich die Strohgäubahn zwischen Korntal und Hemmingen (der Ditzinger Ortsteil Heimerdingen wird erst im nächsten Jahr angebunden) in die Kurve legte. Seit Jahren kritisieren Anwohner in Korntal-Münchingen, Schwieberdingen oder Hemmingen diese Zustände massiv. Die Geräusche entstehen durch Reibungskräfte zwischen Rad und Schiene, wenn Metall auf Metall trifft. Diese Kräfte führen daraufhin zu Schwingungen des Rads und der Schiene, was sich als Kreischen äußert. Der Zweckverband Strohgäubahn entschied daraufhin, am Gleis Applikatoren anzubringen, die vor der Überfahrt eines Fahrzeuges ein spezielles Schmiermittel auf die Schienen sprühen. Die Reichweite: rund 150 Meter in beiden Richtungen.

Die Strohgäubahnmanager wollen die Gleisschmieranlage nun in den kommenden drei Jahren am Korntaler Bahnhof testen. „Als Zwischenschritt werden wir zunächst die Erfahrungen eines kompletten Jahres abwarten und dann der Verbandsversammlung berichten“, sagt der Zweckverbandschef Axel Meier. Danach will der Zweckverband mit den anderen Städten und Gemeinden entlang der Strecke erheben, welche Stellen sonst noch infrage kommen.

Klar ist, dass in der Vergangenheit immer wieder Klagen über quietschende Bahnen aus Schwieberdingen und Hemmingen laut wurden. Der Hemminger Freie Wähler Wolfgang Gerlach deutete zudem in der jüngsten Verbandsversammlung im Ludwigsburger Kreishaus an, dass ihm drei Jahre, bis in anderen Kommunen in Sachen Gleisschmieranlage etwas passiert, eher zu lang vorkommen. Der Haas-Sprecher sagt unserer Zeitung: „Die abschließende Entscheidung obliegt der Verbandsversammlung.“