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Medizin

Keine Angst vor dem Zahnarztbesuch

Seit Beginn der Coronakrise sind die Patientenzahlen in den Zahnarztpraxen deutlich gesunken. Aus Angst vor einer Ansteckung mit dem Virus ging ein Großteil der Menschen nur noch bei Schmerzen zur Behandlung. Dabei sind gerade in den Zahnarztpraxen die Hygienestandards besonders hoch. Allerdings sorgten auch neue Auflagen, die mittlerweile wieder korrigiert wurden, für Verunsicherung.

Dr. Thomas Nessler bei der Behandlung einer Patientin. In den Zahnarztpraxen sind die Hygienestandards sehr hoch. Foto: Ramona Theiss
Dr. Thomas Nessler bei der Behandlung einer Patientin. In den Zahnarztpraxen sind die Hygienestandards sehr hoch. Foto: Ramona Theiss

Freiberg. Das vergangene Osterfest wird Dr. Thomas Nessler so schnell wohl nicht vergessen. Am Gründonnerstag hatte das Landesministerium für Soziales und Integration unter dem Paragraph 6a der Coronaverordnung neue Auflagen für Zahnärzte verabschiedet, laut denen nur noch Notfälle behandelt werden durften. Kurz danach hat die Landesregierung den Erlass wieder gekippt. Seit 4. Mai dürfen die Zahnärzte wieder ohne Einschränkungen behandeln. „Der Erlass des Sozialministeriums vom 9. April kam für Zahnärzte und Patienten gleichermaßen überraschend. Wir hätten uns sicherlich gewünscht, dass dieser mit der Landeszahnärztekammer und Kassenzahnärztlichen Vereinigung im Vorhinein genauer abgestimmt worden wäre“, sagt Nessler, der in Freiberg eine Zahnarztpraxis mit vier behandelnden Ärzten betreibt. Die Patienten hätten auf einmal nicht mehr gewusst, ob sie noch behandelt werden dürfen oder nicht. Darüber hinaus seien viele aus Angst vor Ansteckung ferngeblieben, andere mussten Termine absagen, weil sie sich zu Hause um ihre Kinder kümmern mussten. 40 bis 50 Prozent weniger Patienten seien in der zweiten Märzhälfte in die Praxis gekommen, schätzt Nessler.

Dabei wird dort – wie auch in anderen Zahnarztpraxen – alles dafür getan, um das Infektionsrisiko so gering wie möglich zu halten. Bereits im Treppenhaus vor dem Zutritt in die Praxisräume steht ein Spender, damit sich die Patienten ihre Hände desinfizieren können. Im Empfangsbereich weist ein Schild darauf hin, dass zu anderen Personen ein Mindestabstand von zwei Metern einzuhalten ist. Die Versichertenkarte der Krankenkasse steckt man selbst in ein kleines Lesegerät. Dann muss ein Patientenfragebogen ausgefüllt werden, in dem Auskunft über den persönlichen Gesundheitszustand gegeben werden soll. „Jemand, der an Covid-19 erkrankt ist, darf die zahnärztlichen Praxen ohnehin nicht aufsuchen“, sagt Thomas Nessler. Auch Angehörige und Begleitpersonen müssen während der Krise draußen warten.

In Zeiten von Corona kommt dem Personal in der großen Praxis die Architektur des Gebäudes zugute. Wie in einem Rundgang werden die Patienten zuerst in das Wartezimmer und danach in einen der zehn ringförmig angeordneten Behandlungsräume geschickt. Sie gehen dabei automatisch nur in eine Richtung, damit sie auf dem Flur niemandem begegnen. Im Wartezimmer dürfen nur vier statt – wie üblich – sechs Personen Platz nehmen.

Im Behandlungszimmer trägt das gesamte medizinische Personal, wie sonst auch, Schutzmaske, Schutzbrille und Einmalhandschuhe. Damit die Zahnärzte und Helferinnen selbst geschützt sind, muss der Patient seinen Mund etwa 30 Sekunden lang mit einer speziellen Lösung ausspülen. Dabei hält sich bei Nessler die Angst vor einer Infektion mit dem Virus in Grenzen. „Corona ist lediglich ein weiterer Akteur mehr auf dem Spielfeld, aber nicht der entscheidende Spieler. Da haben wir vor HIV und Hepatitis fast mehr Respekt“, sagt der Zahnmediziner. In der Praxis werde penibel darauf geachtet, dass alle Oberflächen sauber sind. Außerdem werden alle Türklinken alle 15 Minuten desinfiziert. „Unser Desinfektionsaufwand ist deutlich größer geworden“, so Nessler, der dafür wirbt, dass die Menschen wieder regelmäßig zum Zahnarzt gehen und wichtige Behandlungen nicht aufgeschoben werden. Nessler: „Gerade eine gesunde Mundhöhle ist ein guter Schutz vor dem Eindringen von Viren.“

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