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AtommüllZwischenlager

Keine simple Betriebsverlängerung

Die bis zum Jahr 2046 laufende, aktuelle Betriebsgenehmigung des Atommüllzwischenlagers fürs Kernkraftwerk Neckarwestheim darf nicht einfach verlängert werden. Zwar ist längst klar, dass es vor 2050 kein Endlager geben wird, die Zwischenlager an den AKW-Standorten also auch mindestens so lange gebraucht werden. Doch dazu müssen sie neu genehmigt werden.

Wird bis mindestens 2050 gebraucht: das Atommüllzwischenlager Neckarwestheim. Archivfoto Alfred Drossel
Wird bis mindestens 2050 gebraucht: das Atommüllzwischenlager Neckarwestheim. Archivfoto Alfred Drossel

Gemmrigheim/Neckarwestheim. Am 28. September will die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) vorstellen, welche Regionen weiter in der Suche für ein Atommüll-Endlager bleiben. Die Standortvorentscheidung durch das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung – kurz Base – soll in einem mehrstufigen Verfahren, an dem Wissenschaft, Politik sowie Kommunen und Bürger beteiligt werden, aber erst im Jahr 2031 fallen, der endgültige Beschluss liegt beim Bundestag. Doch schon jetzt ist klar: Vor 2050 wird es sicher kein Endlager geben.

Auch wenn am künftigen Endlager-standort möglicherweise zunächst ein zentrales Eingangslager gebaut wird, in dem die insgesamt 1900 deutschen Castoren mit hoch radioaktivem Atommüll schon vor der Fertigstellung des Endlagers zusammengezogen werden könnten, dürften alle 16 Zwischenlager an den Atomkraftwerksstandorten also länger gebraucht werden, als sie bisher genehmigt sind. Das gilt auch für das auf Gemmrigheimer Markung gelegene Zwischenlager fürs AKW Neckarwestheim. Es wurde 2007 in Betrieb genommen und hat 151 Castor-Stellplätze, von denen – nach der Abschaltung des Meilers GKNII Ende 2022 – aber „nur“ 119 belegt werden sollen: mit Atommüllbehältern aus Neckarwestheim sowie einigen, schon dort zwischengelagerten Castoren aus Obrigheim. Betrieben wird das Zwischenlager seit Anfang 2019 nicht mehr von der EnBW, sondern von der bundeseigenen Gesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ), die geltende Betriebsgenehmigung endet 2046.

Die 40-Jahresfrist der aktuellen Zwischenlager-Genehmigungen sei seinerzeit nicht „sicherheitstechnisch begründet“ gewesen, sondern so vor allem im Hinblick auf die Erwartung festgelegt worden, bis 2032 das ursprünglich geplante Endlager in Gorleben in Betrieb nehmen zu können, sagte Base-Präsident Wolfram König gestern vor Journalisten. Zwar seien alle 16 Zwischenlager sicher, doch Verlängerungen bedürften einer Neugenehmigung durch den Bund, ein einfaches „Weiter so“ werde es nicht geben.

König, der bis 2017 Chef des Bundesamts für Strahlenschutz war und durch den Stopp der Atommülleinlagerung im von der DDR errichteten Endlager Morsleben bekannt wurde, stellte Verfahren und Stand der Endlagersuche aus Sicht der Aufsichtsbehörde dar. Bis 28. September wird Betreiberin BGE auf der Basis bekannter geologischer Daten alle Regionen aussieben, die als Endlager untauglich sind. Im Rennen bleiben nach diesem Ersten Durchgang „Teilgebiete“, die zum Beispiel ausreichend große Salzstöcke – wie Gorleben –, Ton- oder Kristallgestein von einer Mächtigkeit von mindestens 100 Metern aufweisen. Das könnte im Tongestein der Schwäbischen Alb oder in den Granitformationen des Nordschwarzwalds der Fall sein. Ab Oktober beginnt dann eine Reihe von Fach- und Regionalkonferenzen, an denen sich auch Kommunen und Bürger einbringen können.

Unterdessen kritisierte die Anti-Atom-Organisation „ausgestrahlt“ das Verfahren der Endlagersuche. Zwar trete man wie Politik und Behörden für ein deutsches Atommüllendlager an „einem möglichst wenig schlechten Standort“ ein, doch dürfe der nicht am Widerstand der Bevölkerung vor Ort scheitern, sagte ebenfalls gestern „ausgestrahlt“-Sprecher Jochen Stay. Genau das aber sei zu befürchten, weil Umweltverbände und Bevölkerung in dem Verfahren zwar mitreden könnten, „aber nichts zu entscheiden“ hätten.

Info: Das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (Base) bietet schon vor der Bekanntgabe des ersten „Siebens“ potenzieller Standortregionen eine Online-Bürgerinfo am 17. September an: www.endlagersuche-infoplattform.de/infoveranstaltung. Auch an der ersten Fachkonferenz am 17. und 18. Oktober kann man online teilnehmen. Anmeldung bis 16. Oktober bei: www.endlagersuche-infoplattform.de/Fachkonferenz.

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