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Kleingartenanlage ist auf Gießereisand gebaut

Wachsen Salat und Tomaten in der Kleingartenanlage an der Ludwigsburger Straße in Tamm auf Altlasten? Der Verdacht besteht, dass das sumpfige Gelände vor langer Zeit mit Gießereisand aufgefüllt wurde. Das wird jetzt näher untersucht.

Die Kleingartenanlage an der Ludwigsburger Straße in Tamm: Bodenproben sollen nun Aufschluss darüber geben, ob im Untergrund bedenkliche Mengen von Gießereisand lagern.Foto: Ramona Theiss
Die Kleingartenanlage an der Ludwigsburger Straße in Tamm: Bodenproben sollen nun Aufschluss darüber geben, ob im Untergrund bedenkliche Mengen von Gießereisand lagern. Foto: Ramona Theiss

Tamm. Das Gelände der Kleingartenanlage befindet sich seit 1961 im Besitz der Gemeinde Tamm. Die wiederum hat es an den Verein der Gartenfreunde verpachtet, der die Parzellen an seine Mitglieder weitergibt. Die bauen dort unter anderem Gemüse an oder pflanzen Blumen. Entsprechend bewirtschaftet jeder sogenanntes Grabe- und Grünland. Auf den meisten Grundstücken steht zudem eine Hütte.

Beim Umstechen einer Parzelle stieß einer der Stücklespächter vor gut einem Jahr auf ungewöhnliche Schlacken und Sand. Ein Anwohner aus dem Finkenweg meint außerdem, es sei in den 1950er Jahren Gießereisand aus Asperg auf das Gelände gefahren worden, hieß es jetzt im Technischen Ausschuss des Gemeinderats.

Der Besitzer des Grundstücks informierte das Landratsamt direkt über den Verdacht. Die untere Naturschutzbehörde wurde umgehend aktiv. Nach einer Ortsbegehung wurde die Kleingartenanlage in die laufende Altlastenerkundung des Landkreises aufgenommen. In diesem Zuge wurden die historisch vorliegenden Erkenntnisse ebenfalls erfasst. Die Vermutung erhärtete sich: Im Zuge der Trockenlegung des sumpfigen Gebietes wurde vor rund 70 Jahren Gießereisand auf einem Teil der heutigen Kleingartenanlage ausgebracht, verteilt und eingeebnet. Um die Fläche gärtnerisch nutzen zu können, wurde der Industrieabfall wahrscheinlich mit Erdaushub überdeckt oder vermischt. Die Schicht könnte zwischen 40 und 60 Zentimeter stark sein, schätzt die Leiterin des Tammer Bauamts, Edda Bühler.

Die gesamte Verdachtsfläche ist mit rund 1,2 Hektar weitaus größer als der vom Augenzeugen auf 4300 Quadratmeter geschätzte Hotspot. Historische Pläne lassen vermuten, dass die komplette nördliche Hälfte aufgefüllt wurde. Bühler meint, dass etwa 15 Parzellen betroffen sein könnten.

Das soll jetzt aber erst genauer untersucht werden, bevor weiter Mutmaßungen angestellt werden. Mit dem Spaten wird dafür an circa 40 Stellen einen halben Meter tief gegraben, um das Untersuchungsgebiet exakter eingrenzen zu können. Dann werden an unterschiedlichen Stellen von einem Ingenieurbüro Bodenproben genommen und anschließend im Labor analysiert. Sie werden nach der Bodenrahmenrichtlinie der EU unter anderem auf Schwermetalle und Kohlenwasserstoffe geprüft. Gleichzeitig wird die Bodengüte festgestellt. Die Kosten von 19 000 Euro trägt das Land. Mit den Arbeiten wird in Abstimmung mit dem Landratsamt begonnen, sobald es die Witterung zulässt.

Der Abschlussbericht wird voraussichtlich noch vor der Sommerpause vorliegen. Der Kleingartenverein wurde schon vor Weihnachten von der Verwaltung umfassend informiert und ist in die Erkundung mit einbezogen. „Es ist keine Panik ausgebrochen“, berichtet Bühler im Technischen Ausschuss. Die Stimmung sei „abwartend“. Erst die Analyse von Bodenproben wird nun Klarheit bringen, ob und wie bedenklich der Untergrund in der Kleingartenanlage einzustufen ist. Dass es diesen Sand dort gibt, sei aber schon jetzt unstrittig, so Edda Bühler.

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