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Gesundheit

Kliniken werden zum Patienten

Die Kliniken Ludwigsburg-Bietigheim (kurz KLB) werden in diesem Jahr Zuschüsse des Landkreises nicht nur für Investitionen, sondern auch für den laufenden Betrieb benötigen. Schuld daran ist die Corona-Pandemie: Sie reißt ein Loch von drei Millionen Euro ins Budget der kommunalen Krankenhäuser im Kreis.

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Foto: privat

Kreis Ludwigsburg. Andere kommunale Klinikengesellschaften schreiben schon längst Verluste in zweistelliger Millionenhöhe. Der KLB mit ihren Standorten in Ludwigsburg, Bietigheim, Vaihingen und Marbach blieb das bisher erspart – vor allem, weil die beiden großen Häuser schwarze Zahlen verbuchten. Das war auch 2019 noch so: Das Ludwigsburger Klinikum erwirtschaftete ein Plus von knapp einer Million Euro, das Bietigheimer Krankenhaus – dem wirtschaftlich und organisatorisch der Standort Vaihingen zugeordnet ist – machte immerhin 265 000 Euro Überschuss. Lediglich Marbach bescherte der KLB erneut das seit langem chronische Minus von gut zwei Millionen, was nun – wie berichtet – zur faktischen Schließung des bisherigen Krankenhauses dort führt und in einen Umbau des Standorts Marbach zu einem neuen Gesundheitscampus münden soll.

Unter dem Strich kam so 2019 ein Defizit von 813 000 Euro heraus, das – angesichts eines Gewinns im laufenden Geschäft von 4,7 Millionen – ganz aufs Konto der Investitionen geht. Das waren allein im vergangenen Jahr 34 Millionen Euro – der Landkreis greift der KLB hier seit Jahren beim Kapitaldienst unter die Arme: 2019 schoss er 9,2 Millionen Euro zu. Fürs laufende Geschäft aber musste die Krankenhausgesellschaft – die vom Landkreis und der Stadt-Bietigheim-Bissingen getragen wird – bislang keine Kreis-Zuschüsse in Anspruch nehmen.

Das wird sich in diesem Jahr wohl ändern. Denn so gut die KLB bisher medizinisch durch die Corona-Pandemie kam – „wir können Krise“, unterstrich Geschäftsführer Professor Jörg Martin –, finanziell hat sie das Virus heftig gebeutelt. Zum einen hat das Herunterfahren des Betriebs auf nur dringend gebotene Behandlungen während des Lockdowns zu dramatisch gesunkenen Einnahmen geführt, die sich, zusammen mit weiteren Ausfällen – etwa der Gebühren des Parkhauses – bis Ende April auf 13,2 Millionen Euro summieren. Dazu kamen die Kosten der Aufrüstung der Intensivstationen sowie die Ausstattung mit Schutzmaterialien wie Masken zu weitaus überteuerten Preisen. Dass auch das Pflegepersonal während des Shutdowns in großen Teilen „in frei“ geschickt wurde und dadurch die Personalkosen sanken, wiegt das bei Weitem nicht auf. Insgesamt konstatieren Martin und sein Finanzchef Axel Hechenberger von Januar bis April eine Deckungslücke von fast zwölf Millionen Euro.

Dabei brachen allein in Ludwigsburg die Erlöse im April um 40 Prozent, im Mai um 35 Prozent und im Juni immer noch um 30 Prozent ein. Selbst wenn es zu keiner zweiten Corona-Welle kommen sollte, sei, so KLB-Chef Martin, auch in den kommenden Monaten nicht einer kompletten Normalisierung des Klinikbetriebs und daher auch nicht mit den bislang geplanten Einnahmen zu rechnen: Gegenüber der Unternehmensplanung erwartet Hechenberger fürs Gesamtjahr derzeit ein Minus von 18,7 Prozent. Dieses Loch könnten die Zahlungen nach dem Covid-Entlastungsgesetz auch nicht ganz schließen. Obwohl Ludwigsburg mehr Corona-Patienten behandelt habe als die Unikliniken in Heidelberg, Tübingen oder Ulm, profitiere die KLB beispielsweise nicht von einem 600-Millionen-Euro-Topf, der allein den Universitätskrankenhäusern vorbehalten war, klagt Martin.

Hechenberger beziffert das heute absehbare Corona-Defizit auf drei Millionen, hinzu kommt das ohnehin geplante Minus von 650 000 Euro. Geld, das der Landkreis der KLB wird finanzieren müssen – fürs laufende Geschäft. Natürlich trifft der Corona-Effekt auch die Orthopädische Klinik Markgröningen: mit 1,5 Millionen Euro.

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