Vaihingen. Bei der Führung berichtete Micha Bachteler, Archäologe aus Tübingen, von den Anfängen der Ausgrabung. Sie begann in den frühen 1970er Jahren auf Initiative des gebürtigen Horrheimers Dr. Fritz Wullen (1929–2021). Oberirdisch war damals im Wald nichts mehr von der Vorgeschichte zu erkennen. Aber die auf dem Baiselsberg vorkommenden Bezeichnungen Nonnenwäsche und Nonnensessel für einen Sumpftümpel und ein Steingebilde weckten sein Interesse. Dazu kamen auffällige Beobachtungen am Bewuchs und einige zufällig gefundene Tonscherben, die auf eine spätmittelalterliche Herkunft deuteten.
Wie ein Zufallsfund zur Entdeckung führte
Daraufhin führte er mit einer Gruppe engagierter Helfer bis 1990 Sondierungen und Ausgrabungen in dem völlig überwachsenen Bereich durch. Weitere Keramikstücke, Teile einer Mauerkrone und schließlich eindeutig einer Kirche zuzuordnende Funde machten klar: Hier hat man nicht Teile einer alten Siedlung, sondern einer kleineren ländlichen Klosteranlage vor sich. Gleichzeitig erforschte Dr. Wullen die historischen Hintergründe. Erstmals wurde die Niederlassung 1374 im Rahmen einer Schenkung der aus Vaihingen gebürtigen Mechthild von Zollern erwähnt. Anfangs war es ein Zusammenschluss frommer, etwa 20- bis 50-jähriger Frauen mit mystischen Neigungen, die sich auf den einsamen, damals nur wenig bewaldeten Berg zurückzogen, der von den umliegenden Dörfern teilweise als Waldweide genutzt wurde.
Mystische Frauen gründeten das Kloster
Vermutlich umfasste diese Gruppe höchstens zehn bis 15 Personen. Durch Stiftungen und Vermögen der Frauen schufen sie sich einen bescheidenen Wohlstand und lebten von den jährlichen Einkünften aus Rentenkäufen sowie von zwei Altar-Pfründen. Mehr und mehr übernahmen sie auch soziale Aufgaben, etwa die Erziehung von Waisen und unehelichen Kindern, wie das Skelett eines etwa elfährigen Mädchens auf dem kleinen Friedhof belegt. Zudem lockte eine Reliquie, ein riesiger Backenzahn des heiligen Christophorus, spendable Besucher auf den Baiselsberg. So konnten sie auch den Einsatz umliegender Handwerker finanzieren.
Alltag auf dem Baiselsberg
Sie entfalteten erstaunliche bauliche Aktivitäten: Im westlichen Teil der Anlage ist der Wirtschaftsteil zu erkennen. Zu ihm gehörten verschiedene Kellerräume, teilweise mit Tonnengewölben, angelehnt an Schichten des Stufensandsteins und mit weiteren gemauerten Seiten, ein Backofen und ein zehn Meter tiefer Ziehbrunnen, dessen unter dem Erdboden liegender Teil im Originalzustand erhalten ist. Trotz der Lage in rund 430 Höhenmetern führt er auch heute in einer Phase der Trockenheit gut verwendbares Wasser. Reste von Abwasseranlagen und Steinpflasterungen zeigen, wie sich die Klosterbewohnerinnen eine umfassende Wohn- und Arbeitsstätte mitten im Wald geschaffen hatten.
In der Mitte der Anlage fand sich der Wohnteil der frommen Schwestern, in einem Gebäude mit einem heute nachgebildeten Fußboden aus Tonkacheln. Ein Bereich daneben war mit einer steinernen Umfriedung versehen, die einst ein kleines Kirchleins umgab. Bestattet wurden die meisten der Bewohnerinnen auf dem kleinen, bei der Kirche liegenden Friedhof. Nur eine Person, vermutlich eine der Leiterinnen oder späteren Äbtissinnen, fand ihre letzte Ruhe innerhalb des Gotteshauses, wo sich Spuren eines Sarges und metallene Grabbeigaben fanden.
Reformation bedeutete das Ende
1477 wurden diese Klausnerinnen, die keinem Orden angehörten, von der Amtskirche gezwungen, sich den regulierten Augustinerinnen anzuschließen. Nach der Einführung der Reformation geriet das Kloster ab etwa 1530 in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Denn nun wurden sämtliche Jahreseinkünfte von der herzoglichen Verwaltung beschlagnahmt. Schließlich beauftragte Herzog Christoph den Bietigheimer Vogt und Kirchenratsdirektor Sebastian Hornmold mit der Auflösung des kleinen Klosters. Ein Teil der Nonnen wanderte ab. Übrig blieben drei alte Frauen, die im Winter 1546/47 noch einen Raubüberfall durch marodierende Soldaten erlebten und im Vaihinger Spital einen Platz fanden, als ihre Einrichtung im Oktober 1547 endgültig aufgehoben wurde.
Ehrenamtliche erhalten die Klosterruine bis heute
Urkundenreproduktionen und Grabungsfotos sind im Horrheimer Rathaus ausgestellt. Bis heute erfolgt die Pflege des Grabungsgeländes unter Leitung von Micha Bachteler. Weitere Helfer können sich direkt bei ihm melden, Handy (0174/) 3278908. (red)
