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Bildung

Kommt das Abitur an Gemeinschaftsschulen?

Die Rektoren der 16 Gemeinschaftsschulen im Kreis machen Druck. Sie fordern, dass auch an ihren Schulen in Zukunft das Abitur gemacht werden kann. Das Staatliche Schulamt sucht nun nach Lösungen. Im Gespräch sind ein bis zwei Oberstufen an zentralen Standorten im Landkreis.

Wie geht es nach Klasse 10 an den Gemeinschaftsschulen weiter?Archivfoto: Franziska Kraufmann/dpa
Wie geht es nach Klasse 10 an den Gemeinschaftsschulen weiter? Foto: Franziska Kraufmann/dpa
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Kreis Ludwigsburg. „Wir wollen unseren Schülern eine Perspektive über die 10. Klasse hinaus geben“. Jörg Fröscher wird nicht müde, für seine Gemeinschaftsschule zu werben. Für den Rektor der Ditzinger Theodor-Heuglin-Schule ist klar: die Gemeinschaftsschule muss in Zukunft auch das Abitur anbieten, will sie bei den Eltern Bestand haben. „Vergangenen Freitag wurden wir bei unserem Tag der offenen Tür immer wieder darauf angesprochen – was machen die Kinder nach der 10. Klasse?“ Für Fröscher ist die Antwort klar: auch an der Gemeinschaftsschule soll das Abitur möglich sein. Viele Eltern schätzten das Konzept dieser Schulform, die seit 2012 im Landkreis eingerichtet wurde. Insgesamt gibt es 16 Gemeinschaftsschulen im Kreis, fünf davon haben jetzt die 10. Klasse erreicht. Doch was machen die Kinder, die entsprechende Leistungen bringen und in die Oberstufe wechseln könnten, im Anschluss?

Bislang können sie auf eines der 20 Allgemeinbildenden Gymnasien (G8) in die Klasse 10 oder auf eines der sechs Beruflichen Gymnasien (G9) in die 11. Klasse wechseln, um in drei Jahren die Hochschulreife zu erlangen. Wie der Leiter des Staatlichen Schulamtes Hubert Haaga betont, gibt es seit langem entsprechende Kooperationsvereinbarungen zwischen den Gemeinschaftsschulen und allen Gymnasien. Dazu existiert auch eine sogenannte Regionalinitiative. Dies bestätigen auch die Schulleiter aus Möglingen und von der Oscar-Paret-Schule in Freiberg. Aber Eberhard Schober, Rektor der Hanfbachschule in Möglingen, schiebt nach: „Optimal wäre es, wenn wir unsere Schüler bis zum Abitur führen könnten.“

Die Rektoren fordern deshalb die Einrichtung gymnasialer Oberstufen an „ein bis zwei Standorten“ im Landkreis. Und Haaga ist sich sicher: „In den nächsten Jahren wird mindestens eine Oberstufe im Kreis eingerichtet.“ Dies ganz unabhängig vom Streit in Schwieberdingen, wo bislang keine Oberstufe zustande gekommen ist.

Rektoren und Schulamt folgen damit einem Trend im ganzen Land. Bislang wurden in Konstanz, Tübingen und Wutöschingen (Süd-Schwarzwald) Oberstufen beantragt und vom Kultusministerium genehmigt. Antragsteller sind die Schulträger, in der Regel die Kommunen. Für die Einrichtung muss es nachweislich mindestens 60 Schüler geben, die entsprechende Noten mitbringen. Inzwischen wurde auch in Stuttgart und Esslingen beschlossen, den Abiturzug zu beantragen. Im Esslinger Gemeinderat fiel der Beschluss mit 21:19 denkbar knapp aus. In Bad Rappenau wurde das Projekt wegen Schülermangels abgelehnt. Von Kultusministerin Susanne Eisenmann ist bekannt, dass sie die Entwicklung zwar nicht stoppt, aber auch nicht forcieren will. Im Koalitionsvertrag ist als Ziel die Einrichtung von zehn Oberstufen im Land vorgegeben.

Im November hatte es deshalb ein Treffen der GMS-Schulleiter mit dem staatlichen Schulamt gegeben. „Der Trend zur Oberstufe ist ja schon vor unserer Haustür angekommen“, verweist Haaga auf die Entwicklungen in Stuttgart. Es soll geprüft werden, wo eine solche Oberstufe im Landkreis eingerichtet werden kann. Wie ein Teilnehmer der Besprechung berichtet, ist das Schulamt in Gesprächen mit den Städten Kornwestheim, Ludwigsburg, Freiberg und Bietigheim-Bissingen. Denn es müssen Räumlichkeiten geschaffen werden. „Wir stehen da aber noch ganz am Anfang“, bestätigt auch Bietigheim-Bissingens Oberbürgermeister Jürgen Kessing erste Vorgespräche. „Aber wir brauchen mittelfristig Lösungen für die Gemeinschaftsschulen.“

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