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Pläne für Discounter, Bäckerei und Praxisräume
Konstruktives Miteinander vor dem Bürgerentscheid in Oberriexingen gelobt

Zur ersten Bürgerinformation über den Bebauungsplan kamen rund 400 Bürger in die Sporthalle.
Zur ersten Bürgerinformation über den Bebauungsplan kamen rund 400 Bürger in die Sporthalle. Foto: Alfred Drossel
Discounter und Bäckerei in der Oberriexinger Steingrube? Am Dienstag gab es dazu eine Bürgerinfoveranstaltung. Auch Gegner und Befürworter kamen zu Wort.

Oberriexingen. Zusammen mit der Bundestagswahl am 23. Februar entscheiden die Oberriexinger darüber, ob in der Steingrube ein Discounter und eine Bäckerei gebaut werden können. Rund 400 Bürger waren am Dienstagabend in die Sporthalle zur Informationsveranstaltung gekommen und mehr als 125 haben diese im Livestream verfolgt. Das ist bisher einmalig in der Stadt.

Markt, Praxis und Bäckerei

Die Wohnbau Oberriexingen möchte als Investor an der Sersheimer Straße einen Penny-Markt mit darüberliegenden Praxisräumen bauen. Bäcker Markus Laier plant eine Bäckerei mit Café, um seinen Betrieb langfristig zu sichern.

Bürgerinitiative hat 300 Unterschriften gesammelt

Die geplante Fläche liegt nicht im regionalen Grünzug. Im laufenden Bebauungsplanverfahren sollen noch die Erfordernisse der Regenrückhaltung geklärt und berechnet werden. „Auch bei einem positiven Ausgang des Bürgerentscheids sind letztlich die Ergebnisse der umfangreichen Gutachten zu Naturschutz, Starkregen und anderen Aspekten bei Bebauungsplanverfahren entscheidend dafür, ob die Bebauung tatsächlich auch erfolgen kann“, unterstrich Bürgermeister Ron Keller. Ein Ja beim Bürgerentscheid bedeute also nicht, dass die geplanten Projekte auch so gebaut werden könnten. Die Pläne könnten im weiteren Verfahren stark verändert werden und sogar zum Stopp führen, erklärte Keller.

Von Anfang an bildete sich in der Stadt eine Initiative, die bisher rund 300 Unterschriften gegen die Bebauung zusammengetragen hat. Die Gegner sprechen sich gegen die Eingriffe in die Natur aus, sehen Risiken für die Innenstadt durch Starkregen und bezweifeln die Notwendigkeit eines Discounters in der Stadt, weil er die bestehenden Läden im Ort beeinträchtigen könnte.

Wohnbau: richtiges Projekt am besten Platz

Kim Hasenhündl, Geschäftsführer der Wohnbau Oberriexingen, die auch den Penny-Markt in Freudental gebaut hat, wies auf die fehlende Infrastruktur in Oberriexingen hin und zeigte sich sicher, dass dies das richtige Projekt am besten Platz sei. Geplant seien auch Regenrückhaltebecken auf dem Areal. Für Bäckermeister Markus Laier ist das Projekt eine existenzielle Frage. Könnten seine Pläne nicht verwirklicht werden, bedeute dies das Ende seiner Bäckerei, so Laier.

Bürgerinitiative bezweifelt Sinn des geplanten Discounters

Stefan Kriso von der Bürgerinitiative unterstrich die Zweifel an der Sinnhaftigkeit eines Discounters in der Steingrube. Die innerörtliche Nahversorgung werde dadurch nicht verbessert, sondern gefährde den Bestand von Tante M, der Metzgerei und der Hof- läden, so Kriso. Zehn Discounter seien von Oberriexingen aus in Nachbarkommunen innerhalb zehn Minuten mit dem Auto erreichbar. Beim geplanten Penny-Markt sieht Kriso die Gefahr, dass eines Tages eine Bauruine dort steht. Bei der gut organisierten, von Thomas Uhlendahl aus Freiburg moderierten Veranstaltung, bei der der Vaihinger Bürgermeister Klaus Reitze als Faktenchecker mitwirkte, wurden die unterschiedlichen Meinungen in der Bevölkerung deutlich.

Vaihinger Bürgermeister wirkt als Faktenchecker mit

Das Verfahren laufe falsch, sagte ein Zuhörer, weil erst die Folgen eines Starkregenzwischenfalls geklärten werden müssten, bevor man so ein Projekt plane. Ein anderer Bürger sprach von einem „altersdiskriminierenden Projekt“, weil der Standort für ältere Menschen zu weit weg vom Ort sei.

„Gutes Beispiel einer Basisdemokratie“

Wer gegen das Projekt sei, spreche sich gegen die Zukunft der Stadt aus, betonte ein anderer Bürger. Einig waren sich alle, dass Bäcker Laier gehalten werden müsse, Zweifel, ob es gelinge, Ärzte anzusiedeln, wurden wiederholt laut.

Für Bürgermeister Ron Keller war der Abend ein gutes Beispiel einer Basisdemokratie. Der Oberriexinger Verwaltungschef lobte am Ende der Bürgerinformation das konstruktive Miteinander und das faire Publikum.