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Kreis Ludwigsburg fast Corona-Hotspot

Landrat rechnet damit, dass heute der Grenzwert von 50 erreicht wird – Einschränkungen ab Donnerstag

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Kreis Ludwigsburg. Die Corona-Infektionen steigen auch im Kreis Ludwigsburg immer dramatischer an. Am Samstag gab es 56 neue Fälle und gestern kamen dann 29 weitere hinzu. Der wichtige Grenzwert von 50 auf 100000 Einwohner wurde gestern Abend nur ganz knapp unterschritten. Er lag um 16 Uhr bei 48,2. Damit herrschen im Landkreis ähnliche Verhältnisse wie im benachbarten Stuttgart, wo die Sieben-Tage-Inzidenz auf 55,8 hoch geschnellt war.

„Ich rechne damit, dass wir den Grenzwert am Montag erreichen“, sagt Landrat Dietmar Allgaier gestern Abend nach einer Sitzung des Krisenstabes im Landratsamt. „Das lässt sich nicht mehr abwenden“, ist Allgaier sicher. Deshalb bereitet er eine Allgemeinverfügung vor, die voraussichtlich am Donnerstag in Kraft treten wird. Sie wird weitere Beschränkungen vorsehen. Private Feiern sind dann nur noch mit zehn Teilnehmern in privaten und 25 Teilnehmern in öffentlichen und angemieteten Räumen zulässig. Wahrscheinlich ist auch, dass das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung auch im Freien verpflichtend wird. „Allerdings ist das in einem Landkreis, der sehr heterogen ist, schwieriger zu fassen als in einer Großstadt wie Stuttgart“, so Allgaier. Voraussichtlich werden Städte wie Ludwigsburg und Bietigheim-Bissingen darunter fallen. Offen ist, ob auch in kleineren Kommunen die strikte Maskenpflicht eingeführt wird. „Hier müssen wir auch an das Verantwortungsbewusstsein der Menschen appellieren, freiwillig in engen Situationen eine Maske zu tragen“, so Allgaier.

Beratung mit Bürgermeistern

Allgaier will sich heute nachmittag mit den Bürgermeistern und Oberbürgermeistern der Kommunen im Landkreis beraten. Bisher haben nur Ludwigsburg und Gerlingen eine Allgemeinverfügung erlassen, die sich noch an den Vorgaben für die Vorwarnstufe orientieren. Demnach sind schon seit gestern Feiern in privaten Räumen bis 25 Teilnehmer zulässig, in öffentlichen bis 50. Allerdings dürfte diese Verfügung schon am Donnerstag überholt sein, wenn der Landkreis übernimmt.

Für Allgaier ist es zentral, „alles zu tun, um die weitere Ausbreitung des Corona-Virus einzudämmen“. Dabei hat er vor allem die Schulen und die Alten- und Pflegeheim im Blick. „Hier ist es ganz wichtig, die Ansteckungsgefahr zu verringern“, sagt Allgaier. Denn gerade in den Schulen stecken sich immer mehr junge Menschen an. Die Oberriexinger Grundschule wurde gestern bis einschließlich Mittwoch geschlossen, nachdem eine Lehrkraft an Covid-19 erkrankt ist. Sie hatte mit mehreren Klassen Kontakt. „Deshalb haben wir die Grundschule vorsorglich ganz geschlossen“, so Bürgermeister Frank Wittendorfer. Noch ist unklar, ob zum Schutz der Schüler vor Ansteckung im gesamten Landkreis eine Mund-Nasen-Pflicht auch im Unterricht angeordnet werden muss. „Wir werden das prüfen“, so Allgaier.

Covid-19-Opfer in Freudental

Ähnlich kritisch sieht der Landrat die Situation in den Alten- und Pflegeheimen. „Wir müssen alles tun, um gerade diese besonders verwundbaren Menschen vor dem Virus zu schützen“, erklärt er mit Blick auf den Ausbruch im Freudentaler Kleeblatt-Kompentenzzentrum für Demenzkranke, wo sich 32 Bewohner und Pfleger infiziert hatten. Nach Allgaiers Informationen ist einer der Bewohner gestern an oder mit Covid-19 gestorben. „Wir müssen Wege finden, um diese Menschen zu schützen und gleichzeitig Besuch zu ermöglichen“, sagt Allgaier.

Offen ist derzeit, ob noch weitere Maßnahmen erlassen werden müssen. „Das hängt von der weiteren Entwicklung ab.“

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