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Hühnerhof-Streit am Lichtenberg
Landwirt wehrt sich gegen Petition: „Ein kleiner Teil, der laut schreit“

Rund um den Lichtenberg in Oberstenfeld tobt der Streit um den geplanten Bau eines Hühnerhofes.
Rund um den Lichtenberg in Oberstenfeld tobt der Streit um den geplanten Bau eines Hühnerhofes. Foto: Corinna Jacobs
1300 Bürger protestieren gegen den geplanten Hühnerhof am Lichtenberg. Landwirt Föll kann Aufregung und Argumente der Hühnerhof-Gegner nicht nachvollziehen.

Oberstenfeld. Die Bürgerinitiative „Rettet den Lichtenberg“ hat Landrat Dietmar Allgaier in Ludwigsburg ihre Petition mit mehr als 1.300 Unterschriften gegen den geplanten Bau des Hühnerhofes auf dem Lichtenberg überreicht. Stephanie Fischer und Martin Rupflin legten im Gespräch mit dem Landrat und Dezernentin Kirstin Wagner die Sorgen und Erwartungen der Bevölkerung des Bottwartals dar, wie es in einer Mitteilung der Bürgerinitiative heißt. Landwirt Martin Föll, der mit seinem Hühnerbetrieb Ziel der Kritik ist, wehrt sich gegen die Darstellung. Statt des gesamten Bottwartals handle es sich lediglich um „einen kleinen Teil der Bevölkerung, der laut schreit“, so der Landwirt. Auch die genannten Argumente der Hof-Gegner will er nicht gelten lassen.

Kritik an Standort im Schutzgebiet

Da wäre zum einen der Ärger rund um den Standort im Landschaftsschutzgebiet. In diesem einen industriellen Hühnerhof zu errichten, zumal in direkter Nachbarschaft zur historischen Burg Lichtenberg, schade Natur und Naherholung, erklärten die beiden Vertreter der Bürgerinitiative. Föll winkt ab: „Landwirtschaft hat es dort immer schon gegeben.“ Das Landschaftsschutzgebiet hingegen sei erst 1990 hinzugekommen. Trotzdem hatte es weder mit den Schweinen noch mit den über 250 Islandpferden Probleme gegeben, die zuvor auf dem Betrieb gehalten worden waren. Tiere, die laut Föll deutlich mehr Dreck, Lärm und Arbeit verursachen würden, als die geplanten 12.000 Hühner.

Stephanie Fischer und Martin Rupflin (links) überreichten Landrat Dietmar Allgaier und Dezernentin Kirstin Wagner die Petitionsunterlagen.
Stephanie Fischer und Martin Rupflin (links) überreichten Landrat Dietmar Allgaier und Dezernentin Kirstin Wagner die Petitionsunterlagen. Foto: Bürgerinitiative „Rettet den Lichtenberg“

Auch Verkehr, Gestank oder eine Störung des Landschaftsbildes sieht Föll nicht. „Es fahren zig Autos zum Biergarten rauf, viele Leute, die wandern gehen. Einmal alle zwei Wochen ein Trecker und unser Sprinter vom Hofladen machen da keinen Unterschied.“ Ein Geruchsgutachten bescheinige dem Landwirt zufolge die Unbedenklichkeit in puncto Gestank. „Und sehen kann man die Anlage weder von Großbottwar, noch von Oberstenfeld oder Aspach. Keine Förderbänder, keine Silos. Wir stehen komplett hinter der Burg im Wald“, sagt der Landwirt.

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350_0900_104270_.jpg Foto: Holm Wolschendorf
„Niemand hat sich bis jetzt auf dem Privatgrundstück einen Liegestuhl auf die leere Wiese gestellt“
Martin FöllLandwirt

Mit der Angst vor der Zerstörung des Naherholungsgebietes hätten die Hof-Gegner bewusst Emotionen getriggert, die jedoch keineswegs begründet seien. „Die Naherholung findet auf der Burg und dem Weg dahin statt. Niemand hat sich bis jetzt auf dem Privatgrundstück einen Liegestuhl auf die leere Wiese gestellt“, ärgert sich Föll. Im Gegenteil seien die Hühner als tierischer Blickfang vielmehr ein positiver Beitrag für den Tourismuswert des Lichtenbergs.

Sorge um Natur und Naherholung

Unverständnis hatte die Bürgerinitiative zudem darüber geäußert, dass das Projekt isoliert von der bisherigen Hofstelle Fölls am Sauserhof bei Großbottwar geplant sei. Wie Föll erklärt, liege das zum einen an der mangelnden Ausbaumöglichkeit – „die Flächen dort gehören uns einfach nicht“ – zum anderen habe das erste Baugesuch des Landwirts die Errichtung eines Biobetriebes auf dem Lichtenberg vorgesehen. Gesetzliche Vorgabe hierfür sei eine Trennung vom konventionellen Betrieb samt anderer Hofstelle und -besitzer. „Wir sind schon seit zehn Jahren auf der Suche. Den Betrieb soll meine Tochter übernehmen“, erklärt Föll.

Geplant sei das immer noch, wenn auch das ursprüngliche Vorhaben des Biohofes bereits vom Tisch sei, da die Behörden die Planungen abgewiesen hatten. Ob die abgeänderten Planungen Fölls genehmigt werden, steht derzeit noch in den Sternen. Bereits bei der letzten Ablehnung hatte das Landratsamt dem Antragsteller empfohlen, einen anderen Standort zu wählen.

Während der Landwirt mit regionaler Erzeugung, stärkerer Unabhängigkeit vom Lebensmittelhandel und dem Erhalt des Betriebes in nächster Generation dagegenhält, pocht die Bürgerinitiative auf eine Ablehnung des Bauantrags und kündigt an, bei Bedarf in noch größerem Umfang für ihre Sache zu mobilisieren.