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Zugverkehr

Mehr Rechte für die Fahrgäste

Für die Betreiber ist die Sache mehr als unangenehm: Abellio und Go-Ahead kommen immer wieder zu spät, weil die Unternehmen zu wenig Züge auf den Gleisen haben. Jetzt kommt noch das Land und will ab Sommer Geld für die Fahrgäste.

Archivfoto: Alfred Drossel
Foto: Alfred Drossel

Bietigheim-Bissingen. Die Umstände sind unangenehm für die Grünen. „Wir wollen den Bahnverkehr stärken und nicht den Autoverkehr. Die Probleme mit den Wagen waren für uns nicht vorhersehbar“, sagt Daniel Renkonen, Landtagsabgeordneter der Grünen im Wahlkreis Bietigheim-Bissingen. Mit den Wagen sind Zugwaggons gemeint, mit welchen die privaten Betreiber Abellio und Go-Ahead, eigentlich auf den Strecken von Stuttgart nach Mannheim und Heidelberg sowie von Stuttgart nach Aalen und Würzburg unterwegs sein müssten. Und weil zu wenig Wagen auf der Strecke sind, kommt es immer wieder zu Verspätungen oder sogar zu Zugausfällen.

Jetzt will das Land eingreifen. Was bisher lediglich beim Fernverkehr möglich ist, soll auch beim Nahverkehr auf der Schiene gelten. Ab Sommer wird es eine Entschädigung für die Besitzer von Monats- und Jahreskarten geben. „Der Fahrplan ist aus dem Ruder gelaufen. Es wird höchste Eisenbahn für eine Entschädigungsregelung, weil den Fahrgästen in der Vergangenheit zu viel zugemutet worden ist“, so Renkonen weiter. Für die Besitzer von Einzelfahrkarten soll es im Sommer 2021 eine ähnliche Regelung geben. Dann soll insgesamt eine Regelung für das gesamte Netz in Baden-Württemberg fertig sein.

Die zwei Anbieter werden versorgt von den beiden Herstellern Bombardier und Stadler. Und beide haben ihre Kunden im Regen stehen lassen. Stadler hat zwar die Züge geliefert, allerdings erst wenige Tage vor dem Start der neuen Verbindungen. Die Konsequenz: Das Material konnte nicht ausprobiert werden und wies teilweise erhebliche Fehler auf. Bei Bombardier konnten sogar nur zwei einsatzbereite Züge, anstatt der bestellten 16 Züge, geliefert werden, und diese auch nur in unfertigem Zustand. Dies führte zu erheblichen Schwierigkeiten – von Beginn an.

Und gestern meldet sich Abellio-Chef Rolf Schafferath mit weiteren schlechten Bombardier-Aussichten zu Wort. Er bezweifelt, dass die noch ausstehenden 22 Fahrzeuge bis Juni geliefert werden können. „Wir arbeiten bereits an einem Ersatzkonzept. Unterstützt werden wir dabei durch das Landesverkehrsministerium“, so der Abellio-Vorsitzende.

Es wird jetzt ein verbindlicher Lieferplan bis Monatsende gefordert. Und inzwischen baut das Land Baden-Württemberg eine Lokführer-Reserve auf. Bis Ende des Jahres soll sie fertig sein. Diese werden dann vermietet und können im Krankheitsfall einspringen.

Außerdem soll die Schieneninfrastruktur im Land nach und nach ausgebaut werden. Dazu gehören auch Beschleunigungsmaßnahmen auf der Frankenbahn, wie die Zweigleisigkeit zwischen Züttlingen und Möckmühl sowie die Verlegung der Industriegleise von Audi und Südwestsalz. Diese kreuzen die große Strecke und sorgen für Behinderungen und damit für Verspätungen. Außerdem will die Bahn AG in Bad Friedrichshall ein elektronisches Stellwerk bauen, um für mehr Zuverlässigkeit im Verkehrsbetrieb zu sorgen.

„Wir müssen allerdings darauf achten, dass nicht zu viele Projekte auf einmal umgesetzt werden. Neben Stuttgart.21 steht als nächstes Großprojekt die Sanierung der Schnellbahn nach Mannheim an“, so der Landtagsabgeordnete Daniel Renkonen.

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