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Rohstoffsicherung
Mögliche Steinbrucherweiterung in Rielingshausen: Große Skepsis bleibt spürbar

Volles Haus in der Gemeindehalle. Beim Informationsabend des Verbands Region Stuttgart ging es im Kern um die Frage, ob der Steinbruch Klöpfer (das Bild zeigt die heutige Ausdehnung) um neun Hektar erweitert werden darf. Fotos: Holm Wolschendorf/Kars
Volles Haus in der Gemeindehalle. Beim Informationsabend des Verbands Region Stuttgart ging es im Kern um die Frage, ob der Steinbruch Klöpfer (das Bild zeigt die heutige Ausdehnung) um neun Hektar erweitert werden darf. Fotos: Holm Wolschendorf/Kars
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Mit drei Stunden geballter Information zur Änderung des Regionalplans und der damit verbundenen Frage, ob der Steinbruch Klöpfer in Rielingshausen erweitert werden kann, warteten Vertreter des federführenden Verbands Region Stuttgart (VRS) sowie weitere Fachleute am Dienstagabend in der Gemeindehalle auf. Es gab keine Erörterung der in Rielingshausen umstrittenen beziehungsweise ungeliebten Pläne des Steinbruchbetreibers und damit auch kein greifbares Ergebnis der Veranstaltung. Vielmehr wolle der VRS „proaktiv über dieses nicht ganz einfache Verfahren informieren“, so der neue Regionaldirektor Alexander Lahl vor den rund 150 Zuhörern.

Marbach. Der Regionalplan ist vor allem eines: ein grober Plan, der unter anderem Flächen für besondere Nutzungen oder Funktionen reserviert. Der also zum Beispiel festlegt, wo und in welchem Umfang Gestein abgebaut werden kann. Die Ausweisung solcher Vorranggebiete ist eine der Aufgaben der Regionalplanung, verdeutlichte VRS-Chefplaner Thomas Kiwitt. Am Ende des Verfahrens müsse dann die Regionalversammlung die verschiedenen Interessen abwägen und (politisch) entscheiden, was Vorrang habe. Das wird voraussichtlich gegen Ende des Jahres passieren.

Bürger können bis zum 15. August Stellung beziehen

In die Abwägung müssen zum einen die Stellungnahmen der Träger öffentlicher Belange – also zum Beispiel der Stadt Marbach – einfließen, aber auch jeder Bürger kann sich zum vorliegenden Änderungsentwurf äußern, und zwar noch bis zum 15. August. Dass aus Rielingshausen kaum Zustimmung zu dem Wunsch der Firma Klöpfer kommen wird, den Steinbruch um rund neun Hektar Richtung Osten zu erweitern, das machte die Veranstaltung deutlich. Fragen und Einwände zeigten, dass man im Marbacher Teilort den Aussagen des Steinbruchbetreibers kaum noch Glauben schenkt, dass aber auch dem nun laufenden Verfahren ein Stück weit misstraut wird.

Höhnisches Gelächter provozierte etwa Christof Helbig vom gleichnamigen Umweltbüro aus Leonberg, das im Auftrag des VRS die Umweltprüfung vorgenommen hat. Helbigs Fazit: Die Erweiterung des Steinbruchs hätte „keine erhebliche Auswirkung“ auf das „Schutzgut Mensch“, aber erhebliche Auswirkungen auf Fläche, Landschaftsbild, Boden, Flora, Fauna und Biodiversität. Doch das „Schutzgut Mensch“ ist nach Auffassung vieler Rielingshäuser schon durch den aktuellen Steinbruchbetrieb hoch belastet. Bei Sprengungen zitterten Fensterscheiben, wackelten Schreibtische, es seien Schäden an Gebäuden zu sehen, wurde Helbig entgegengehalten. Der musste im Laufe des Abends einräumen, dass es sich bei der Staub- und Lärmemissionsprognose um eine „Abschätzung“ handle, die auf Gutachten aus den Jahren 2016/2017 beruhe. Da nützte auch Helbigs Hinweis nicht viel, dass – sollte Rielingshausen als Vorranggebiet ausgewiesen werden – diese Punkte in einem späteren Genehmigungsverfahren erneut und vertieft untersucht, die Auswirkungen detailliert ermittelt werden müssten. Zuständig für dieses Verfahren wäre dann das Landratsamt Ludwigsburg, das „auch Ansprechpartner für die Klagen über die jetzigen Belastungen ist“, machte Thomas Kiwitt deutlich.

Abwägung: Wohnbauentwicklung contra Rohstoffsicherung

Der wurde in der Gemeindehalle auch mit seiner Aussage konfrontiert, wonach der Wohnungsbau in der Region Stuttgart beim Verband höchste Priorität habe. Diese Aussage vertrage sich nicht mit dem Umstand, dass das mögliche Baugebiet westlich der Kirchberger Straße mit den geringsten Abstand zu einer möglichen Erweiterungsfläche des Steinbruchs hätte. Kiwitt betonte, dass der „Vorsorgeabstand“ von 350 Metern eingehalten würde, und erklärte, dass „die Wohnbauentwicklung bei der Abwägung eine entscheidende Rolle spielen“ werde. Einen gesetzlichen Mindestabstand zwischen einem Steinbruch und Wohnbebauung gibt es dagegen nicht, verdeutlichte Stefanie Clauß, die beim VRS für die Freiraumplanung zuständig ist: „Das wird über die Lärmemissionen geregelt.“

Die Bedenken vieler Rielingshäuser fasste Carmen Kiesele zusammen, eine der Sprecherinnen der Initiative „Bürger gegen Steinbrucherweiterung“. Sie hatte naturgemäß ein Heimspiel in der Gemeindehalle, setzte hinter so manche Aussage und manche Zahl ein dickes Fragezeichen. Zur Frage der Rohstoffsicherung und zur Versorgung der Region auf kurzen Wegen sagte Kiesele zum Beispiel: „Die reine Abschätzung des künftigen Bedarfs auf der Basis von Zahlen aus der Vergangenheit halten wir nicht für belastbar.“ Der Steinbruch Klöpfer mit einem Abbauvolumen von aktuell 720000 Tonnen jährlich sei „viel zu klein, um die uns suggerierte Rohstoffnot der Region Stuttgart stillen zu können“. Mit dieser Gesteinsmenge könnten gerade einmal 3,3 Kilometer Autobahn gebaut werden. Umgekehrt müsse aber der Export von Gestein aus der Region nur um 2,2 Prozent gesenkt werden, um die Klöpfer’sche Förderleistung zu kompensieren und in der Folge auch die Erweiterung überflüssig zu machen, „von deren Auswirkungen zwei Drittel des Dorfes“ betroffen wären.

Bürgerinitiative: Getrede an-, statt Steine abbauen

Und: Die auch in der Umweltprüfung hoch bewerteten fruchtbaren Böden im potenziellen Erweiterungsgebiet seien von großer Bedeutung für die Sicherung der Ernährung – heute mehr denn je: „Bauen wir lieber Getreide an statt Steine ab“, so Kiesele unter tosendem Applaus.