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Nestlé und Gewerkschaft streiten um Abfindungen

Mitte des Jahres soll Nestlés Caro-Werk in Ludwigsburg endgültig geschlossen werden.Foto: H. Wolschendorf
Mitte des Jahres soll Nestlés Caro-Werk in Ludwigsburg endgültig geschlossen werden. Foto: H. Wolschendorf

Ludwigsburg. Nach der Einigung ist vor dem Streit: Noch etwa 60 Mitarbeiter wickeln bis Mitte des Jahres das Ludwigsburger Caro-Werk ab, das der Schweizer Nestlé-Konzern endgültig schließt. Der Nahrungsmittelmulti hat sich zwar kurz vor Weihnachten mit der Gewerkschaft Nahrung, Genussmittel, Gaststätten (NGG) und dem deutschen Konzernbetriebsrat auf einen Unternehmenstarifvertrag geeinigt, der den Abbau von insgesamt 380 Arbeitsplätzen, darunter 107 im Caro-Werk in Ludwigsburg, mit Sozialplänen und Abfindungen sozial abfedert. Berücksichtigt werden dabei das durchschnittliche Monatseinkommen, Lebensalter und Betriebszugehörigkeit. Betroffen sind auch das Labor in Weiding und die Werke Lüdinghausen (Maggi) sowie Biessenhofen (Babynahrung). Diese haben jedoch ihre eigenen Sozialpläne.

„Mit dem erfolgreichen Abschluss der Gespräche geben wir den Mitarbeitern an den betroffenen Standorten die nötige Klarheit und Planungssicherheit auf Basis eines außergewöhnlich gut ausgestatteten Sozialplans“, hatte Ralf Hengels, Personalvorstand der Nestlé Deutschland AG, noch Mitte Dezember verkündet.

Doch nun drohen ein Streit um den Sozialplan sowie Arbeitsgerichtsverfahren, weil Nestlé und die Gewerkschaft NGG, die 60 Prozent der Ludwigsburger Beschäftigten vertritt, die im Sozialplan vereinbarten Berechnungsgrundlagen für die Abfindungen sehr unterschiedlich interpretieren. „Wir sind uns mit Nestlé darin einig, dass die Frage vom Arbeitsgericht geklärt werden muss“, betont NGG-Geschäftsführer Hartmut Zacher, der für die Region Stuttgart zuständig ist. „Für uns ist klar: Alles was in der Dezember-Lohnabrechnung aufgeführt wird, gehört dazu“, betont Sacher. Auch die Prämien und Sonderzahlungen, die die Beschäftigten bis zur Werksschließung motivieren sollten. Zacher rechnet hier für die Caro-Mitarbeiter mit Summen von zum Teil über 13.000 Euro. „Dass Zulagen und Prämien in die Abfindung eingerechnet werden, wurde so unterschrieben“, beharrt Zacher. Nestlé will die vereinbarten Sonderzahlungen jedoch nicht einbeziehen – wie schon bei der Schließung des Mainzer Werkes vor zwei Jahren.

„Wir werden Ende nächster Woche unsere Forderungen an Nestlé rausschicken“, kündigt der NGG-Geschäftsführer an. Nicht wenige Probleme hat es offenbar bei der Berechnung der Abfindungen gegeben. „Zum Teil hat es bis zu drei Versuche gebraucht, bis die Zahlen gestimmt haben“, kritisiert Zacher. „Traurig“, findet er, „dass ein Konzern, der auf der ganzen Welt Lebensmittel verkauft, an den Grundrechenarten scheitert.“

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