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Atomschutt

Neuer Fehler in Deponiegutachten entdeckt

Nach den beiden Deponien hat ein Gutachter, der im Auftrag des Kreises radioaktiven Beton aus den Karlsruher Atomanlagen untersucht hat, nun auch Messstationen vertauscht.

Deponie Froschgraben in Schwieberdingen: Seit Jahren liegt hier Beton aus den Karlsruher Atomanlagen im Boden. Foto: Holm Wolschendorf
Deponie Froschgraben in Schwieberdingen: Seit Jahren liegt hier Beton aus den Karlsruher Atomanlagen im Boden. Foto: Holm Wolschendorf

Schwieberdingen/Vaihingen. In der vergangenen Woche korrigiert die kreiseigene Abfallverwertungsgesellschaft AVL auf ihrer Internetseite einen Patzer, den Gutachter des Ökoinstituts Darmstadt in ihrem Jahresbericht 2017 zu verantworten haben. Die hoch angesehene Einrichtung berät nicht nur die Bundesregierung bei Fragen um Strahlenschutz und Reaktorsicherheit, sondern auch die AVL im Umgang mit dem radioaktiven Beton aus der stillgelegten Karlsruher Wiederaufarbeitungsanlage, der jahrelang heimlich auf den Deponien in Schwieberdingen und Vaihingen-Horrheim gelandet ist.

Auf den beiden Anlagen ermittelt der Ökoinstitut-Physiker Christian Küppers im Sickerwasser den radioaktiven Stoff Tritium, der jedoch in so geringer Konzentration vorkommt, dass mutmaßlich keine akute Gefährdung für Mensch und Umwelt eintritt. Im Anschluss an die Arbeit in Schwieberdingen und Horrheim wird es allerdings unsauber: Der Physiker vertauscht bei der Zuordnung der Tritium-Lieferungen die Deponienamen und ordnet ihnen deshalb falsche Werte zu. Der Landrat und AVL-Aufsichtsratschef Rainer Haas ist bedient: „Wir haben das angesehenste deutsche Institut ausgewählt und sind enttäuscht worden.“

Erschwerend kommt hinzu: Die Bürgermeister der Standortkommunen, der Schwieberdinger Nico Lauxmann und der Vaihinger Gerd Maisch, erfahren von dem Bock erst aus unserer Zeitung. Die nächste Vertrauenskrise ist da. Die AVL misstraut dem Ökoinstitut und die Anrainer erneut den Abfallmanagern des Kreises.

Aber es kommt noch dicker. Küppers und das Ökoinstitut haben sich nach ihrer Arbeit auf den Kreisdeponien offenbar einen weiteren Schnitzer geleistet, wie die AVL jetzt zerknirscht einräumt. „Es ist ein zusätzlicher Zahlendreher passiert“, sagte ein AVL-Sprecher gestern unserer Zeitung. „Das ist äußerst ärgerlich.“ Demnach habe Küppers, der in Sachen Strahlenschutz eigentlich als führender unabhängiger Gutachter gilt, wohl auch die Messwerte für zwei Probenahmestellen auf dem Horrheimer Burghof verwechselt.

Die AVL hat nach eigenen Angaben bereits Konsequenzen aus den handwerklichen Mängeln des Gutachters gezogen und ihn nach Ludwigsburg einbestellt. Darüber hinaus will sie das Honorar für den Physiker kürzen, gleichwohl allerdings seine Expertise auch in Zukunft nutzen. Küppers hat sich mittlerweile bei der AVL entschuldigt und stärkere interne Kontrollen in Aussicht gestellt.

Unterdessen geht der Schwieberdinger Arzt Dierk-Christian Vogt, der auch Kopf der Bürgerinitiative „Froschgraben-freigemessen“ ist und die Verwechselung der Kreisdeponien aufgedeckt hat, hart mit dem Ökoinstitut ins Gericht. „Mit dem nun vorliegenden Eingeständnis gleich mehrerer grober Mängel ist die Glaubwürdigkeit öffentlich beschädigt“, sagt Vogt. Immerhin hält er Küppers zugute, dass seine Klöpse „weder einen gesundheitlichen Schaden verursacht noch einen solchen unzutreffend gedeckt haben“.

Hoffnungen macht sich der Schwieberdinger Mediziner derweil wieder, dass der Atomschrott aus dem Rückbau des Kernkraftwerks in Neckarwestheim vielleicht doch nicht in Schwieberdingen und Horrheim landet. „Auch in dieser Angelegenheit sind wir es nun, die den Landkreis auf die geplante deutschlandweite Anwerbung von Freigabemüll durch die Grube Teutschenthal in Sachsen-Anhalt hingewiesen haben“, sagt Vogt. Er erwartet, dass sich die AVL um diese alternative Entsorgungsmöglichkeit kümmere und insbesondere die Geeignetheit und Umweltsicherheit der Grube Teutschenthal prüfe.

Die AVL scheint dafür offen zu sein. „Wir wären die Letzten, die zu einer solchen Möglichkeit nein sagen würden“, so der Sprecher weiter. Er verweist allerdings darauf, dass „wir es nicht in der Hand haben“ – sondern das Umweltministerium Franz Unterstellers (Grüne). Und das hat in der Vergangenheit wenig Interesse an alternativen Wegen gezeigt.

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