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Abfall

Neues System bei der Abfallentsorgung: „Die blaue Glasbox hat sich etabliert“

Der Landkreis Ludwigsburg will Ende des Jahres sein Mülltonnen- System umstellen. Flach und rund verschwindet, stattdessen gibt es eine Gelbe Tonne und eine Glasbox. Der Rhein-Neckar-Kreis stand Pate für die Neuerung. Ein Besuch bei den Erfindern der blauen Box.

15 000 Tonnen Altglas sammelt der Rhein-Neckar-Kreis pro Jahr von seinen Bürgern ein und lagert sie bis zur Verwertung in Heidelberg.Fotos: Stephan Wolf
15 000 Tonnen Altglas sammelt der Rhein-Neckar-Kreis pro Jahr von seinen Bürgern ein und lagert sie bis zur Verwertung in Heidelberg. Foto: Stephan Wolf
Martin Schmitz, Geschäftsführer der AVR Gewerbeservice GmbH im Rhein-Neckar-Kreis, mit der blauen Glasbox.
Martin Schmitz, Geschäftsführer der AVR Gewerbeservice GmbH im Rhein-Neckar-Kreis, mit der blauen Glasbox.

Kreis Ludwigsburg. „Hier ist das Ding – deswegen sind Sie ja nach Heidelberg gekommen.“ Stolz präsentiert Martin Schmitz, Geschäftsführer der AVR Gewerbeservice GmbH im Rhein-Neckar-Kreis, die „Bluebox“. So heißt im größten Landkreis Baden-Württembergs die Glasbox, in dem die 548000 Bürger ihr Einweg-Altglas sammeln und zur Abholung alle vier Wochen auf die Straße stellen. „Das System hat sich etabliert“, ist der Abfallfachmann aus Heidelberg überzeugt. Vor gut 30 Jahren hat der Landkreis zwischen Weinheim und Sinsheim sein altes Modell der einen Restabfalltonne verändert und die „Grüne Tonne plus“ eingeführt. „Bei uns kommen Leichtverpackungen und Papier in eine grüne Tonne, das Glas in die blaue Box“.

Deshalb verfügt ein Einfamilienhaushalt im Rhein-Neckar-Kreis in der Regel über eine graue Restmülltonne, eine Biotonne und die Grüne Tonne. Hinzu kommt die Bluebox. „Natürlich ist Veränderung immer mit Diskussionen verbunden“, so Schmitz. Aber mittlerweile sei das System gelernt und die Menschen hätten sich damit angefreundet.

Lesen Sie hier: Die blaue Glasbox soll kommen

Während in den meisten anderen Stadt- und Landkreisen Glas in Iglus oder Containern gesammelt werde, wollte man das im Rhein-Neckar-Kreis unbedingt vermeiden. Denn in den meisten der 54 Kommunen standen vorher diese Glas-Iglus. „Fragen Sie mal Bürger, die in der Nähe solcher Container wohnen – die beschweren sich über Lärm und Dreck.“ Denn oftmals würden Flaschen auch an Sonntagen und in der Nacht eingeworfen. Mit den blauen Boxen gebe es diese Probleme nicht. „Mir sind auch keine Fälle von Vandalismus bekannt“, will er die Menschen in Ludwigsburg beruhigen. Am Vorabend der Leerung würden die blauen Boxen an den Straßenrand gestellt und dann von den Müllwerkern geleert. In der Regel würden die Behälter etwa zwei Kilo wiegen, obwohl sie bis zu fünf Kilo fassen könnten. „Für die meisten ist es kein Problem, die Box zu tragen“, sagt Schmitz. Ein Kasten Bier wäre deutlich schwerer. Nur für die Müllwerker sei die Leerung eine Herausforderung. „Da lassen wir auch nur die Jüngeren dran, denn das geht ganz schön aufs Kreuz – auch wenn es nur zwei Kilo sind.“

Hier finden Sie die wichtigsten Fragen und Antworten zum neuen System

Wenn die blaue Box doch einmal nicht ausreichen sollte, dann können die Bürger auch Kartons oder Klappboxen an den Straßenrand stellen. „Nur einzelne Flaschen werden nicht mitgenommen.“ Für Mehrfamilienhäuser stehen ohnehin größere Tonnen von 240 Litern zur Verfügung. „Man wird das Glas dann dort gleich los, ohne es in der Wohnung sammeln zu müssen.“

Nicht nach Farben getrennt

Die Bürger müssen die Flaschen auch nicht nach Farben trennen, wie das bei einer Containerlösung normalerweise erforderlich ist. „Wir sammeln rund 15000 Tonnen Glas jedes Jahr im Rhein-Neckar-Kreis ein“, so Schmitz. Im benachbarten Heidelberg sind es rund 4500 Tonnen. Die Verwertungsfirmen freuen sich, wenn möglichst keine Keramikdeckel mehr aufgeschraubt sind. „Aber das tut nicht weh“, sagt der Geschäftsführer, denn bei der Glasschmelze würden die Deckel obenauf schwimmen und könnten leicht abgefischt werden.

Schmitz freut sich, dass die Bluebox ein Exportschlager wird. „Es ist auf jeden Fall die bessere Lösung, als Altglascontainer aufzustellen.“ Neben dem Landkreis Ludwigsburg ist auch der Enzkreis daran interessiert. Beide Kreistage haben dafür schon die Weichen gestellt. In Ludwigsburg soll die endgültige Entscheidung am 16. April fallen. Die Zustimmung gilt als sicher. Eingeführt werden die Glasbox und die Gelbe Tonne dann zum Ende des Jahres. Die Müllgebühren sollen deswegen nicht steigen. „Das war auch bei uns nicht der Fall“, so Schmitz. Denn die Kosten trägt das Duale System.

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