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Verbindendes in der Sprache
Ob Kostüm oder Parfüm – wir sprechen oft französisch

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Frankreich und Deutschland, diese Nachbarschaft hat auch beeinflusst, wie wir reden. Vieles kam im Barock aus Frankreich herüber, aber auch die napoleonische Zeit hat dazu beigetragen, dass im Deutschen viele Wörter aus dem Französischen stammen. Ein kleiner Einblick - anlässlich des Jubiläums "60 Jahre Rede an die deutsche Jugend" von Charles de Gaulle. Der Festakt mit geladenen Gästen findet am 9. September statt.

Ludwigsburg. In vielen Fällen merkt man es gar nicht mehr, dass wir französisch reden. Die Deutschen haben viel vom Nachbarn übernommen, mehr als man üblicherweise glaubt – mit den Wörtern auch Verhaltensweisen.

In Ludwigsburg umso mehr, als sich hier der Adel die höfische Kultur Frankreichs zum Vorbild nahm und selbst französisch sprach. Etwa das wohlriechende Parfüm, gern auch französisch ausgesprochen, gehört dazu. Wer sich elegant kleidet und auf seinen Teint achtet, ist schon mitten drin im barocken Zeitalter. Damals hat man sich gern gepudert statt gewaschen.

Auch wer sich für Skandale interessiert, bei seiner Meinung kein Pardon kennt und nie einen Fauxpas einräumt, muss bekennen, dass er durch und durch französisch spricht. Man könnte sagen, dass das eklatant auffällig ist, diese starke Abhängigkeit, und dass dazu mal eine ordentliche Debatte fällig wäre, alle möglichst gut vorbereitet, um sich nicht zu blamieren.

Wer mehr mit Architektur liebäugelt, der sollte in Paris die Paläste bestaunen, mit ihren schönen Balkonen auf den oberen Etagen. Schöne Alleen laden zum Spazieren, die teuren Hotels liegen meist an illustren Promenaden. Übrigens: Manchmal kamen die Wörter auch mehrfach: So wurde das lateinische palatium zuerst zur Pfalz, später kam es im 17. Jahrhundert vom französischen palais nochmals als Palast zu uns. Abgesehen davon, dass manche auch im Deutschen gern von Palais reden.

Die Barockzeit hat also viele Wörter nach Deutschland gespült, manche fanden aber auch schon früher Eingang. So etwa das Wort Kommune, das bereits im Mittelalter aus dem Altfranzösischen übernommen worden ist und heute immer noch in der Kommunalpolitik wie selbstverständlich benutzt wird. Ja, das Mittelalter hat auch seine Wirkung getan: Die Dichter hatten daran ihren Anteil, aber auch die Ritter mit ihren Lanzen und ihren Turnieren. Auch Kleidung aus Samt war damals beliebt.

Beeinflusst wurde die deutsche Sprache auch durch die Französische Revolution. Damals kamen Wörter wie Bürokratie (eine französische Erfindung also) oder Nationalhymne auf (hymne national). Wenn sich heute Komitees bilden und über das Budget verhandeln, das sie zur Verfügung haben, dann weiß man: Auch das kommt von den Nachbarn.

Hinweis: Alle halbfett markierten Wörter sind aus dem Französischen ins Deutsche übernommen worden.