Logo

Österreicher übernimmt Werzalit

50 Arbeitsplätze in der Verwaltung am Stammsitz bleiben erhalten

Auf dem Werzalit-Areal wird bald nicht mehr produziert.Foto: Jürgen Schmidt
Auf dem Werzalit-Areal wird bald nicht mehr produziert. Foto: Jürgen Schmidt

Oberstenfeld. Der osttiroler Unternehmer Martin Troyer hat das insolvente Traditionsunternehmen Werzalit zum Jahresbeginn übernommen. Das teilte der Insolvenzverwalter des Holzwerkstoffherstellers aus Oberstenfeld, Jochen Sedlitz, mit. Troyer war bis 2016 mehr als eineinhalb Jahrzehnte lang Chef des mittelständischen Markisen- und Sonnenschutzherstellers Hella mit 1500 Mitarbeitern aus der Nähe der osttiroler Hauptstadt Lienz.

Dass mit dem Verkauf der Unternehmensgruppe harte Einschnitte am Stammsitz im Bottwartal verbunden sind, hatte der Stuttgarter Rechtsanwalt – wie berichtet – schon vor Weihnachten angekündigt. Denn die Produktion in Oberstenfeld wird eingestellt. Nur die Werke im thüringischen Niederorschel und in Rumänien sollen weitergeführt werden. Das amerikanische Werk wurde bereits im Spätherbst separat verkauft.

In Oberstenfeld bleiben nach Angaben von Sedlitz rund 50 Arbeitsplätze in der Verwaltung und im Vertrieb erhalten. Etwa 130 Mitarbeiter werden demzufolge in den nächsten Monaten ihre Jobs verlieren. Wann genau, ist derzeit noch offen. Denn momentan läuft die Produktion in Oberstenfeld noch.

„Es wird gerade geprüft, wie man die Beendigung der Arbeitsverträge sozial am besten hinbekommt“, erklärte Sedlitz auf Anfrage. Die Beschäftigten seien aber in einer Betriebsversammlung schon vor einiger Zeit darüber informiert worden, dass der Produktionsstandort Oberstenfeld nicht gehalten werden könne.

Soziale Absicherung offen

Bereits gekündigt wurde den 72 Beschäftigten, die vor knapp einem Jahr vor dem Bundesarbeitsgericht einen Erfolg gegen ihren Arbeitgeber erzielt hatten. Denn die obersten Richter hatten festgestellt, dass die von Werzalit vollzogene Ausgliederung in eine Tochterfirma nicht zulässig war, sie also noch bei Werzalit beschäftigt waren. Die Versuche von Sedlitz, sich mit den Betroffenen über Abfindungen zu einigen, waren gescheitert. Ein Teil der Betroffenen ist inzwischen wieder vor das Arbeitsgericht gezogen.

Ob und in welcher Form es eine soziale Absicherung für die Werzalit-Mitarbeiter geben wird, ist derzeit noch offen. „Es wird daran gearbeitet, den Leuten ein Paket anzubieten, mit dem bei den gegebenen Rahmenbedingungen möglichst viel für sie getan werden kann“, erklärte Sedlitz gegenüber unserer Zeitung. Er befürworte grundsätzlich die Gründung einer Transfergesellschaft. Aufgrund der Rahmenbedingungen und der insolvenzrechtlichen Vorgaben sei dies aber nicht ganz einfach zu realisieren, weil die Mitarbeiter in unterschiedlichen Gesellschaften angestellt seien. Der bisherige Eigentümer, Jochen Werz, hatte das Unternehmen in ein Konglomerat von Tochter- und Schwestergesellschaften aufgespalten.

Das Werzalit-Grundstück in Oberstenfeld ist laut Sedlitz nicht Teil des jetzt abgeschlossenen Verkaufs. Die wertvolle Immobilie in der Ortsmitte bleibt in der Insolvenzmasse und soll gesondert verwertet werden.

Autor: