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Biergarten

Paulaner öffnet in vier Wochen

Sicherung der Felswand soll in einem Monat fertig sein – Verwaltung muss sich vor dem Gemeinderat rechtfertigen

Noch ist der Paulaner-Biergarten in der Enzaue gesperrt.Foto: Alfred Drossel
Noch ist der Paulaner-Biergarten in der Enzaue gesperrt. Foto: Alfred Drossel

Bietigheim-Bissingen. Kurz vor Ostern war das Klagegeschrei groß: Über die Feiertage war bestes Wetter angekündigt und einer der beliebtesten Biergärten der Stadt, der Paulaner am Viadukt in der Enzaue, ist geschlossen. Die Stadt hatte die Gaststätte zugemacht, weil sie befürchtete, dass sich aus der Felswand über dem Biergarten Steine lösen und die Gäste treffen könnten. Direkt unterhalb der Wand steht zudem ein Gastank, der ebenfalls gefährdet war.

Die Verwaltung wurde dafür heftig kritisiert, in Leserbriefen und im Internet. Der Wirt würde um seine Lebensgrundlage gebracht und Gäste um einen schönen Biergarten, hieß es. Ähnlich auch die Vorwürfe in der Sitzung des Gemeinderats am Dienstagabend. „Ich will wissen, wann der Paulaner-Biergarten wieder aufmacht. So kann man mit einem Selbstständigen nicht umgehen. Die Probleme mit dem Felssturz sind schon länger bekannt, warum wird jetzt erst reagiert? Die Gaststätte muss möglichst schnell wieder in Betrieb gehen“, klagte CDU-Rat Wilhelm Dietz.

„Dann wären wir jetzt die Dummen“

Darauf hatte die Verwaltungsbank nur gewartet. Sie zeigte einen der abgestürzten Felsbrocken im Sitzungssaal und Bauamtleiter Claus-Dieter Jaisle hatte Fotos vorbereitet. „Sicherheit geht vor Vergnügen. Wir haben die Allgemeinheit und die Gäste zu schützen. Wäre etwas passiert, wären wir jetzt die Dummen“, so Oberbürgermeister Jürgen Kessing.

Jaisle erklärte, dass in der Vergangenheit alle drei Jahre die Felswand von der Bergwacht abgeräumt wurde. Doch im vergangenen Jahr sei alles anders gewesen. Die Bergwacht weigerte sich, weil die Situation zu gefährlich geworden sei. Daraufhin habe man beispielsweise eine Hütte um den Gastank gebaut. So wurde über den letzten Sommer weitergearbeitet. Nach den Wintermonaten habe die Situation sich jedoch ganz anders dargestellt. Zu viele Steine seien lose gewesen, daher wurde ein Gutachten in Auftrag gegeben. Mit dem bekannten Ergebnis.

„Zehn Tage vor Gründonnerstag bekamen wir das Gutachten auf den Tisch. Wir mussten reagieren. Daher der Sofortvollzug“, sagte Thomas Höfel, Leiter des Ordnungsamtes. Auf den Vorwurf von Hermann Eppler (CDU), warum es ein ganzes Jahr dauerte, bis die Gefahr erkannt worden sei, hieß es von der Verwaltung, dass man die Sicherheitslage ursprünglich anders eingeschätzt habe.

Aktuell wird ein Sicherheitsnetz vor die Felswand gespannt. In Abstimmung mit dem Naturschutz habe man oberhalb der Hangkante Büsche und kleine Bäume abgeholzt, damit die Kletterer an die Wand heran und die Netze gespannt werden können. „In vier Wochen sind die Arbeiten abgeschlossen, dann können Teile des Biergartens und der Parkplätze wieder in Betrieb genommen werden“, so Bauamtsleiter Jaisle. Die restlichen Netze würden später im Jahr gespannt, dann wenn die Vegetationsphase beendet und keine Vögel mehr in der Wand brüten.

CDU Rat Wilhelm Dietz äußerte noch die Vermutung , dass die Stadt den Wirt eigentlich gar nicht im Paulaner haben wollte: „Das Objekt ist gekauft worden, um es möglichst schnell mietfrei zu bekommen. Die Stadt hat ganz andere Pläne.“

Auf spätere Nachfrage erklärte die Stadt, dass der Wirt noch einen Mietvertrag über fünf Jahre habe. Man habe die Absicht, den Vertrag zu erfüllen. Allerdings würden mit dem Wirt auch erste Gespräche geführt, wie es nach dieser Zeit weitergehen könnte. „Möglich wäre auch ein kleinerer Biergarten. Die Stadt will dort eigentlich keine Gastronomie betreiben“, sagt Anette Hochmuth, Sprecherin der Stadt. Momentan seien noch viele Möglichkeiten denkbar. Sie widersprach allerdings den Gerüchten, die Bietigheimer Wohnbau, als städtisches Tochterunternehmen, plane dort eine großzügige Wohnbebauung, ähnlich der in der Wobachstraße.

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