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Steinschlag

Paulaner-Wirt beschwert sich über Haltung der Stadt

Für die einen ist es eine Sicherheitsmaßnahme für Gäste im Paulaner-Biergarten, für die anderen Gängelung eines alteingesessenen Gastronomen. Die von der Stadt angeordnete Schließung der Gaststätte sorgt für Ärger – und erreicht inzwischen die Kommunalpolitik.

Vorerst geht nichts mehr. Ein Schild vor dem Eingang zum Paulaner-Biergarten.Foto: Alfred Drossel
Vorerst geht nichts mehr. Ein Schild vor dem Eingang zum Paulaner-Biergarten. Foto: Alfred Drossel

Bietigheim-Bissingen. Seit über 20 Jahren betreibt Tim Heilig den Paulaner Biergarten in der Wobachstraße, direkt an der Enz. Es ist ein lauschiges Plätzchen gleich neben dem Viadukt. An Gründonnerstag bekam der Gastwirt die Anordnung der Stadt, seine Gaststätte und seinen Biergarten umgehend zu schließen. Der Grund: Aus der Felswand hinter dem Paulaner könnten sich Steine lösen und auf einen Gastank oder auf die Gäste im Biergarten fallen. Ein lukratives Geschäft bei bestem Osterwetter war somit ins Wasser gefallen.

Gestern Vormittag hat Heilig ein Unternehmen kommen und den Gastank leerpumpen lassen. So war zumindest eine Gefahr gebannt. „Doch die Stadt blieb bei ihrem Urteil. Die Gaststätte bleibt gesperrt, die Anordnung wird nicht aufgehoben“, erzählt Tim Heilig. Er ist sauer auf die Verwaltung, spricht von Vorsatz und böswilligem Handeln. Im Rathaus habe man kein Interesse an einer vernünftigen Lösung.

Er kann den Argumenten der Stadt nicht folgen und hält sie für fadenscheinig. „Wenn die Gefahr durch den Gastank so groß ist, dann wundere ich mich schon, dass das Gutachten einige Tage auf dem Tisch der Verwaltung lag, ohne dass eine konkrete Gefährdung für die Gäste bestand. Zu diesem Zeitpunkt war offensichtlich keine Gefahr im Verzug“, so der Gastwirt.

Keine juristische Möglichkeit mehr

Erst am Nachmittag des Gründonnerstages sei die Sache dann seltsamerweise gefährlich geworden. Zu diesem Zeitpunkt habe er keine Möglichkeit mehr gehabt, juristisch gegen den Bescheid vorzugehen. Auch habe er erst gestern das Gutachten bekommen, das Grundlage für die Anordnung gewesen sei. Zudem habe die Stadt bisher die Gefahr wenig interessiert, die von einem Steinschlag auf dem Gastank ausgegangen ist.

Er vermutet, dass die Stadt mit dem Grundstück etwas ganz anders im Sinn habe. Einst war der Bietigheimer Trachtenverein Eigentümer des Lokals. Vor rund einem Jahr wurde die Immobilie an die Stadt verkauft. Seitdem habe die Kommune kein Geld mehr in die Gastronomie an der Enz gesteckt. Das habe ihn sehr enttäuscht.

Das „Bündnis für mehr Mitwirkung und Demokratie“ (BMD), eine neue Liste, die zur Gemeinderatswahl im Mai antritt, hat auch schon eine Lösung. Sie schlägt vor, den Biergarten auf den Parkplatz vor das Haus zu verlegen. Dazu der Gastwirt: „Das bringt nichts, der Parkplatz ist ebenso weit von der Felswand entfernt, wie der Biergarten“. Die etablierten Fraktionen haben sich bisher noch nicht geäußert.

Inzwischen macht Tim Heilig im Internet für seine Sache Werbung. Bei Facebook wird bereits gegen die Verwaltung gewettert. Gleichzeitig hat der Wirt eine Online-Petition für die Erhaltung des Biergartens ins Leben gerufen. Gestern hatte er bereits 530 Unterschriften zusammen. Er will, dass die baulichen Vorschriften vom Hausbesitzer so erfüllt werden, dass der reibungslose Geschäftsbetrieb nicht mehr gefährdet ist. Das sehen auch seine Unterstützer so. Diese kommen nicht nur aus Bietigheim-Bissingen und Umgebung, sondern auch aus Bayern, Thüringen und Niedersachsen.

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