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Verkehr
Posse um Radweg in Markgröningen

Wasserturm in Markgröningen: Von hier soll der Radweg Richtung Zentrum für gut 175 000 Euro gebaut werden – mehr als 160 000 Euro kommen wohl über Fördermittel wieder herein. Foto: Andreas Becker
Wasserturm in Markgröningen: Von hier soll der Radweg Richtung Zentrum für gut 175 000 Euro gebaut werden – mehr als 160 000 Euro kommen wohl über Fördermittel wieder herein. Foto: Andreas Becker
In Markgröningen soll ein Feldweg mit üppigen Fördermitteln in eine Radstrecke umgewandelt werden – doch nicht nur Landwirte kritisieren das Projekt.

Markgröningen. Das Markgröninger Rathaus um den neuen Bürgermeister Jens Hübner serviert der Kommunalpolitik vergangene Woche ein Angebot, das sie eigentlich nicht ablehnen kann. Vom Wasserturm bis zur Volmarstraße sollen ein Feldweg aufgegeben und ein Radweg angelegt werden. Aktuell ist die Strecke für Radler, die aus Unterriexingen kommen und nach Markgröningen wollen, wie ein Himmelfahrtskommando. Sie müssen die stark befahrene Landstraße kreuzen und sich in den fließenden Verkehr einordnen. Das ist vielen zu gefährlich, heißt es aus dem Rathaus – sie fahren daher gegen die Fahrtrichtung auf einem Gehweg.

Die Stadt hat nun vor, diese Gefahrenstelle zu eliminieren und könnte das fast für umsonst tun. Denn für die Kosten in Höhe von 175560 Euro hat sie einen Fördertopf angezapft, aus dem 160930 Euro fließen würden. Macht unter dem Strich keine 15000 Euro für die Stadt – und trotzdem schießen drei Parteien quer: Die Markgröninger Landwirte, die CDU und Teile der Freien Wähler.

Das Landratsamt findet, dass die Bauern gar nicht beeinträchtigt werden

Das Problem ist, dass die Bauern den Feldweg nicht opfern wollen, um auf ihre dortigen Äcker zu kommen – so wurde es ihnen vor Jahrzehnten im Zuge der Flurbereinigung zugesichert. Aus der CDU, die den Landwirten seit jeher nähersteht als den Radlern, gibt es Rückendeckung: „Es kann nicht sein, dass hier zwei Gruppen gegeneinander ausgespielt werden“, sagte Ratsherr Tobias Bäßler im Gemeinderat. Auch die Freien Wähler tun sich schwer damit, dass der Radweg nur für eine Entwidmung des Feldweges zu bekommen ist.

Bürgermeister Hübner und eine Ampel aus SPD, GAL und FDP halten das allerdings für vertretbar. Weil die Belange der Landwirtschaft offenbar gar nicht beeinträchtigt werden – so sieht es zumindest das Landratsamt in Ludwigsburg. Es führt in seiner Stellungnahme aus, dass die Äcker zwischen Wasserturm und Volmarstraße doppelt erschlossen sind und es auf den in Streit stehenden Feldweg für die Landwirte daher nicht ankomme. Die könnten auch über eine andere Route ihre Flurstücke bewirtschaften.

Die Ludwigsburger Behörde lehnt es zudem ab, den neuen Radweg auch für die Bauern freizuhalten, womit der Landwirtschaftliche Ortsverein einverstanden gewesen wäre. Für das Landratsamt gibt es dafür „keine ausreichende Begründung“. Immerhin: Es gesteht der Landwirtschaft zu, die geplante Strecke zum Wenden zu nutzen.

Die Kampfabstimmung geht 12:9 für den Radweg aus

„Allen werden wir es nie recht machen können“, sagte der GAL-Co-Fraktionschef, ehemalige Bürgermeisterkandidat und Vielradler Matthias Röttgermann im Gemeinderat. Er hat in der Vergangenheit ein respektvolles Miteinander zwischen Landwirten und Radfahrern beobachtet. Die neue Trasse jetzt abzulehnen, wäre in seinen Augen ein Affront für die unter Stillstand leidenden Radler in Markgröningen. So sieht das auch die örtliche SPD. „Uns geht es um die Sicherheit der Fahrradfahrer und Fußgänger, die dort unterwegs sind“, sagte der Ratsherr Helmut Schäfer. Die FDP nannte den Plan für den Radweg gut. Stadtrat Joachim Blank warb dafür, dass der Konflikt mit dem Landwirtschaftlichen Ortsverein die Markgröninger Kommunalpolitik nicht lähmen dürfe.

In der Kampfabstimmung setzten sich SPD, GAL, FDP und Teile der Freien Wähler mit 12:9-Stimmen durch (bei zwei Enthaltungen). Vorher warnte Hübner davor, den Radweg auch ohne Fördermittel durchzusetzen. Das hätte wohl die Kommunalaufsicht auf den Plan gerufen, die die Haushalte der hochverschuldeten Stadt Markgröningen seit Jahren streng prüft.

Die Verbindung zwischen dem Wasserturm an der Unterriexinger Straße und der Volmarstraße soll jetzt nur der erste Schritt sein. Interessenvertreter wie der ADFC und die Bürgerinitiative Naherholung statt Nordumfahrung fordern längst auch eine durchgehende Radstrecke vom Wasserturm bis zum Bildungszentrum am Benzberg.