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Tiere

Rasierklinge steckt in Sunnys Bauch

Hündin Sunny musste notoperiert werden, nachdem sie offenbar einen grausamen Köder verschlungen hat. Ihre Besitzerin Jasmin Eggert, aber auch andere Ingersheimer Hundebesitzer, versuchen jetzt mit Maulkörben, ihre Vierbeiner zu schützen.

Traurige Blicke: Jasmin Eggert und ihre Hündin Sunny.Foto: Holm Wolschendorf
Traurige Blicke: Jasmin Eggert und ihre Hündin Sunny. Foto: Holm Wolschendorf
Auch andere Hundebesitzer haben Angst. Paula darf nur noch mit Giftköder-Schutznetz raus, was ihr gar nicht gefällt.Foto: Beate Volmari
Auch andere Hundebesitzer haben Angst. Paula darf nur noch mit Giftköder-Schutznetz raus, was ihr gar nicht gefällt. Foto: Beate Volmari

INGERSHEIM. Eigentlich ist Sunny, ein altdeutscher Hütehundmischling Harzer Fuchs und Gelbbacke, sehr lebhaft. Doch momentan kann die einjährige Hündin nicht toben und rennen, sondern liegt meist still auf ihrer Decke. Am Bauch weist eine lange Naht auf ihre erst vor wenigen Tagen erfolgte Operation hin. Ob Sunny es schafft, ist trotz des Eingriffs noch offen, denn noch immer befindet sich eine Rasierklinge in ihrem Bauch.

Was ist passiert? Es war am vergangenen Freitag, als Jasmin Eggert mit Sunny wie jeden Morgen eine Gassirunde über den Alten Friedhof, der als Park genutzt wird, drehte. Wieder zu Hause fiel der Hundebesitzerin auf, dass die Hündin wesentlich mehr sabberte als üblich. Auch verhielt sich das temperamentvolle Tier ungewöhnlich ruhig. „Und sie hat mich mit sehr wehleidigem Blick angeschaut“, erzählt Jasmin Eggert.

Es hätte anders enden können

Gegen Abend suchten die beiden den Tierarzt auf. „Er hörte sie ab und röntgte sie“, so die 28-Jährige. „Auf dem Röntgenbild war zu sehen, dass Sunny zwei Rasierklingen im Bauch hat.“ Zwar fresse Sunny alles, was ihr vor die Nase kommt, doch gewiss keine blanken Rasierklingen. Die geschockte Hundebesitzerin vermutet, dass wohlriechende Happen mit den Klingen präpariert wurden. „Sie müssen in ein Stück Wurst geschoben oder mit Schinken umwickelt worden sein. Und diesen Köder hat Sunny dann komplett verschlungen“, meint Eggert.

Der Arzt habe sie in die Tierklinik geschickt, wo Sunny sofort operiert worden ist. „Es gab zum Glück keine Verletzungen im Bauch. In der Klinik erklärten sie, dass es anders ausgegangen wäre, wenn Sunny nicht den ganzen Tag so ruhig gelegen wäre“, berichtet Jasmin Eggert. „Es konnte aber nur eine Klinge rausgeholt werden, die andere war schon weitergerutscht.“ Jetzt mischt die Hundebesitzerin auf tierärztlichen Rat Sauerkraut unter das Nassfutter. Wenn sich das Kraut um die Klinge schlingt, wird diese im besten Fall auf natürlichem Weg ausgeschieden, ohne den Darm zu verletzen. Doch ob das funktioniert und Sunny die gefährliche Kost überlebt, ist noch offen. Zu der Sorge um ihren Hund kommt für Jasmin Eggert jetzt noch eine dicke Tierarztrechnung. „Momentan bin ich schon bei fast 1500 Euro“, so die junge Frau, die als Quereinsteigerin in der Altenpflege arbeitet.

Nicht nur Jasmin Eggert ist völlig fertig, sondern auch ihr achtjähriger Sohn Brian. Denn Sunny ist sein ein und alles. „Er ermahnt mich immer, Sunny den Maulkorb umzulegen, damit sie unterwegs nichts fressen kann“, sagt Jasmin Eggert. Dass sie diesen Fressschutz Sunny am Freitag nicht umgebunden hat, weil sie nur ganz kurz raus wollte, bezeichnet die Hundebesitzerin nun als großen Fehler. „Ich hatte den Maulkorb schon eine Woche vorher gekauft, da in Ingersheim Gerüchte im Umlauf sind, dass Giftköder für Hunde ausgelegt werden“, erzählt sie.

Wie die Pressestelle des Polizeipräsidiums Ludwigsburg auf Nachfrage unserer Zeitung bestätigte, gebe es einen Verdachtsfall auf Gift, allerdings nicht in Ködern, sondern offen um Bäume ausgelegt. „Das war am 24. Januar im Gewann Wurmberg in Richtung der Aussichtsplatte. Ein Hund nahm dort etwas von einer blauen Substanz auf. In einer Tierarztpraxis wurde er zum Erbrechen gebracht und es trat kein weiterer Schaden ein“, sagte Pressesprecher Peter Widenhorn. Wer die Substanz ausgelegt habe, sei noch nicht bekannt. Jasmin Eggert hat mittlerweile Zettel ausgehängt, in denen sie vor Ködern, die mit Rasierklingen präpariert sind, warnt.

Gassirunden in anderen Orten

Auch andere Ingersheimer Hundebesitzer haben Angst um ihre Vierbeiner. „Wir haben für unsere beiden Hunde jetzt Giftköder-Schutznetze gekauft, die sie immer tragen müssen, wenn wir in Ingersheim spazieren gehen“, berichtet Patrick König. Vor allem für die junge Labradorhündin Paula sei das notwendig, „da sie wie ein Staubsauger alles frisst“, weiß Susanne König. Ihr Hund verschlinge jeden wohlriechenden Happen, bevor sie reagieren kann. Oft fährt das junge Ehepaar jetzt für längere Spaziergänge in einen anderen Ort, um ohne ständige Angst die Hunde laufen lassen zu können.

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