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Nach dem Stadtfest in Asperg
Rechtsextremisten wollen aus Tabithas Tod Kapital schlagen– Online-Hetze gegen Bürgermeister Eiberger

Im Juli wurde die 17-Jährige getötet. Bild: Essigfoto
Im Juli wurde die 17-Jährige getötet. Bild: Essigfoto
Eine symbolische Platzbesetzung in der Manier der Identitären Bewegung, eine neonazistische Flugblattaktion, rechte Online-Hetze gegen Aspergs Bürgermeister Christian Eiberger: Rechtsextremisten versuchen, den gewaltsamen Tod der 17-Jährigen Tabitha E. für ihre Hetze zu instrumentalisieren.

Asperg. In der Sache meldete das Polizeipräsidium Ludwigsburg auch gestern keine Neuigkeiten, nach wie vor sitzt ein Tatverdächtiger aus Syrien in U-Haft. Das aber genügt Rechtsextremisten, um die getötete Tabitha E. zur Kronzeugin ihrer rassistischen Propaganda zu machen – wie in ähnlichen Fällen auch andernorts geschehen. Martin Sellner, prominenter Kopf der „intellektuell“ auftretenden Identitären Bewegung (IB), stürzt sich selbst ins Getümmel, um auf dem Messengerdienst Telegram gegen Aspergs Schultes mobil zu machen.

Hintergrund: Zunächst Unbekannte – die sich inzwischen im Netz als IB-Aktivisten bekannt haben – hatten wie berichtet unmittelbar vor dem Asperger Stadtfest auf dem Platz vor der Michaelskirche ein weißes Holzkreuz mit Tabithas Namen aufgestellt, um, wie Sellner schreibt, an „das Multikulti-Todesopfer“ zu erinnern. Eine Inszenierung und Indienstnahme des Opfers, die durchaus IB-typisch ist. Bürgermeister Eiberger hatte das Kreuz nach dem Gottesdienst, in dem Tabithas gedacht worden war, einige Meter wegrücken lassen – eigentlich nur, weil es der Musikbühne im Wege stand und die Aktion nicht mit den Eltern der getöteten Jugendlichen abgestimmt war. Die Stadt beteilige sich nur an Aktionen, wenn die Familie das wünscht“, sagt er.

Neben der Identitären Bewegung hetzt auch der „III: Weg“

Dass das Kreuz nicht ohne politischen Hintersinn aufgestellt worden war, hatte Eiberger indessen geahnt. Jetzt ist er selbst zum Ziel der rechtsextremen Hetze geworden: Sellners Adepten beleidigen und bedrohen den Schultes in den Kommentaren zu Sellners Online-Post teils unterschwellig, teils offen: Man solle ein Kreuz mit Eibergers Namen aufstellen, lautet eine Forderung.

Doch die IB steht keineswegs allein mit dem Versuch, Tabitha E.s Tod politisch zu instrumentalisieren. Die offen neonazistische Kleinstpartei „Der III. Weg“ brüstet sich online mit Fotos einer Flugblattaktion am Asperger Ortseingang, das rechtsextreme Online-Magazin „Politically incorrect“ veröffentlichte Foto und Namen des vermeintlichen „Mörders“, der im Rahmen „der Merkel‘schen Migrationsflut nach Deutschland gekommen“ sei. Neben der Kripo hat nun auch der Staatsschutz Ermittlungen aufgenommen.