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Weiter Streit ums Wasenstadion
Regionalliga: Eidechsen verhindern Erweiterung von Gästeblock des SGV Freiberg

Fans des VfR Aalen sitzen bei der Begegnung am 6. August in Freiberg auf einem provisorisch errichteten Zaun. Weil dessen Standsicherheit noch nicht nachgewiesen wurde und der Gästebereich wegen Eidechsenaufkommens nicht erweitert werden konnte, muss
Fans des VfR Aalen sitzen bei der Begegnung am 6. August in Freiberg auf einem provisorisch errichteten Zaun. Weil dessen Standsicherheit noch nicht nachgewiesen wurde und der Gästebereich wegen Eidechsenaufkommens nicht erweitert werden konnte, muss
Der Streit zwischen dem SGV Freiberg und der Stadtverwaltung schwelt nach wie vor. Dass sich das schnell ändert, darf bezweifelt werden. Denn: Ab 1. Oktober dürfen die Profikicker tagsüber nicht mehr im Wasen trainieren. Zudem kann der Gästebereich des Stadions momentan nicht erweitert werden, weil dort Mauereidechsen leben.

Freiberg. Vier Spiele – vier Punkte: So lautet die bisherige Bilanz des Aufsteigers SGV Freiberg in der Regionalliga Südwest. Am Samstag geht es gegen die Kickers Offenbach. Bei einem Sieg könnte sich Freiberg in der Tabelle am Gegner vorbeischieben. Die Begegnung wird von den Behörden als Hochrisikospiel eingestuft und muss in Nöttingen im Enzkreis ausgetragen werden, weil das städtische Wasenstadion nach wie vor nicht für den Regionalligabetrieb ausgerüstet ist. Für das erste Saisonspiel am 6. August gegen den VfR Aalen, das ebenfalls als Hochrisikospiel klassifiziert wurde, gab es noch eine Ausnahmegenehmigung. Dafür hatte der SGV einen provisorischen Zaun zu errichten. Bis zum dritten Heimspiel gegen Offenbach sollte ein fester Zaun installiert werden. Doch der Verein konnte die erforderliche Standsicherheit bislang nicht nachweisen, wie Peter Müller, Leiter des Fachbereichs Recht und Ordnung, auf Anfrage unserer Zeitung sagt. Zudem sei die notwendige Erweiterung des Gästeblocks von 300 auf 500 Stehplätze noch nicht erfolgt.

Spiel in Regionalliga muss in Nöttingen ausgetragen werden

Also muss das Spiel in Nöttingen ausgetragen werden. Gut möglich, dass der nächste Hochrisikokick gegen den SSV Ulm am 1. April nächsten Jahres wegen des gefährlichen Fanpotenzials ebenso im Enzkreis stattfindet. Denn die Erweiterung des Gästebereichs im Freiberger Wasen-stadion kann aktuell nicht erfolgen, weil die Untere Naturschutzbehörde dort zahlreiche Mauereidechsen entdeckt hat. „Wir teilten dem SGV Freiberg bereits am darauffolgenden Tag mit, dass vor Beginn der Bauarbeiten beziehungsweise der Baufeldfreigabe eine artenschutzrechtliche Untersuchung durch eine qualifizierte Fachkraft erforderlich ist und für eine Ausnahme vom Tötungsverbot ein Antrag beim Regierungspräsidium Stuttgart als zuständige höhere Naturschutzbehörde zu stellen ist“, lautet dazu eine Stellungnahme des Landratsamts Ludwigsburg. Zudem habe man den Rechtsanwalt des SGV Freiberg darüber informiert, dass dem Aufstellen eines provisorischen Zauns keine artenschutzrechtlichen Bedenken entgegenstehen. Bis die geschützten Tiere eventuell umgesiedelt oder vergrämt werden, kann sich hinziehen. „Wir gehen davon aus, dass die Erweiterung des Gästebereichs dieses Jahr nicht mehr stattfinden kann“, lautet die Einschätzung von Peter Müller. Stefan Kegreiß, Erster Beigeordneter der Stadt Freiberg, ergänzt: „Es wird eine artenschutzrechtliche Untersuchung stattfinden müssen.“ Diese habe der Bauherr in Auftrag zu geben, teilt das Landratsamt mit.

Tagsüber Training nur noch bis Ende September

Doch damit nicht genug. Ende September erlischt eine vom Gemeinderat beschlossene Ausnahmegenehmigung, laut der die Kicker des SGV Freiberg auch tagsüber im Sportzentrum Wasen trainieren dürfen. Derzeit trainieren die Spieler unter Profibedingungen zweimal täglich: um 10 Uhr sowie um 14 Uhr. Ab 1. Oktober dürfen sie das nicht mehr. Die Sportplätze können dann nur noch ab 17 Uhr für den Sportbetrieb genutzt werden. Tagsüber müssen dort laut Stefan Kegreiß Pflegemaßnahmen erfolgen. „Die Stadtgärtner können dann nicht darauf Rücksicht nehmen, wer dort Bedarf hat – uns geht es um die Erhaltung der Nutzbarkeit“, sagt der Erste Beigeordnete. Die Stadt sei diesbezüglich an den Gemeinderatsbeschluss gebunden und wolle dem SGV Freiberg keineswegs schaden oder ihn gar blockieren.

Ärger bei SGV-Präsident Emir Cerkez

SGV-Präsident Emir Cerkez sieht das anders. „Die Stadtverwaltung möchte sich nicht mit unserem Verein und der Regionalliga identifizieren. Statt uns zu unterstützen, versucht man, uns zu vertreiben“, macht Cerkez seinem Ärger Luft. Er wittert eine gezielte Vorgehensweise gegen das sportliche „Aushängeschild“ Freibergs seitens der Verantwortlichen bei der Stadt. Auf Gespräche mit der Freiberger Verwaltungsspitze hat Cerkez deshalb keine Lust mehr. Vielmehr kommuniziert der SGV mit der Stadt über den Anwalt Thomas Himmer aus der Kanzlei des Ludwigsburger Sportrechtsexperten Christoph Schickhard.

Es sei schon verwunderlich, so Cerkez, dass die Genehmigung für die Erweiterung des Gästebereichs im Stadion erfolge und nur kurz darauf wieder zurückgezogen werde. „Das ist Chaos pur“, sagt der SGV-Präsident. Ganz besonders ärgert er sich darüber, dass die Fußballer ab Oktober tagsüber nicht mehr im Sportzentrum Wasen trainieren dürfen. Das könne er so nicht akzeptieren, zumal die Regionalligamannschaft unter Profibedingungen trainieren müsse. Cerkez gibt sich kämpferisch: „Wir werden es nicht zulassen, gegen einen Verein ohne Grund dermaßen vorzugehen – wir wollen Gerechtigkeit.“