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Wegen Baustellen
S-Bahn-Fahrgästen im Landkreis Ludwigsburg droht jahrelanges Chaos

Bekanntes Bild in den Sommerferien: Bauarbeiten im Stuttgarter S-Bahn-Tunnel. Zu sehen ist die Haltestelle Stadtmitte, die in diesem Jahr weiter modernisiert wird. Foto: Deutsche Bahn (p)
Bekanntes Bild in den Sommerferien: Bauarbeiten im Stuttgarter S-Bahn-Tunnel. Zu sehen ist die Haltestelle Stadtmitte, die in diesem Jahr weiter modernisiert wird. Foto: Deutsche Bahn (p)
Seit knapp zwei Wochen ist der Stuttgarter S-Bahn-Tunnel wie im Sommer 2021 wegen Bauarbeiten gesperrt – und daran wird sich in diesen Ferien auch nichts mehr ändern. Schlimmer noch: Fahrgäste müssen bis 2025 mit massiven Behinderungen im Netz rechnen.
Kreis Ludwigsburg.

Was passiert gerade auf der unterirdischen Stammstrecke zwischen dem Stuttgarter Hauptbahnhof und dem Stadtteil Vaihingen?

Bis zum 11. September sollen im Tunnel vor allem Kabelleitungen verlegt werden. Insgesamt sind es nach Angaben der S-Bahn rund 400 Kilometer. Der Grund ist der Einbau der modernen Signaltechnik ETCS, European Train Control System, bis 2025. ETCS erlaubt es künftig, dass Züge dichter aufeinanderfolgen können und die Kapazität der sogenannten S-Bahn-Stammstrecke um mindestens 20 Prozent gesteigert wird.

Darüber hinaus will die Bahn ihren Haltestellen Stadtmitte, Feuersee, Schwabstraße und Universität ein frischeres Erscheinungsbild verpassen. Wie das aussieht, erleben Fahrgäste seit rund einem Jahr an der S-Bahn-Station im Stuttgarter Hauptbahnhof.

Was bedeutet das für die Fahrgäste?

Die S-Bahn-Linien aus Marbach, Bietigheim, Ditzingen und Korntal-Münchingen enden im Stuttgarter Hauptbahnhof oben. Um in die City oder zur Uni nach Vaihingen zu kommen, müssen die Fahrgäste in Busse umsteigen. Die S-Bahnen verkehren nur noch im Halbstundentakt. Zwischen Bietigheim und Herrenberg setzt die S-Bahn jedoch eine Direktverbindung ein, die S15, die ab Feuerbach den Stuttgarter Norden auch direkt ansteuert.

Fakt ist allerdings, dass die Fahrtzeiten überwiegend länger geworden sind und auf vielen Verbindungen Umstiege notwendig sind.

Wie geht es in den kommenden Jahren weiter?

Erstmals in ihrer gut 40 Jahre langen Geschichte wurde die Stammstrecke vor einem Jahr außer Betrieb genommen – und auch mit den Bauarbeiten in diesen Ferien wird es nicht getan sein. Laut der Bahn müssen sich Pendler bis 2025 auf Sperrungen einstellen, die dann auch den Regional- und Fernverkehr betreffen könnten. Mit Inbetriebnahme von S21 in drei Jahren soll dann der Stuttgarter Bahnknoten digitalisiert sein – als erster in Deutschland. Ursprünglich wollte die DB mit der Stammstrecke bis 2023 durch sein, doch längst hat sie eingeräumt, dass dieser Plan nicht zu halten ist.

Neues Chaos könnte schon im Herbst entstehen, wenn in Zuffenhausen Gleise erneuert werden müssen – und erst recht ab Pfingsten 2023 in Feuerbach. Dann muss dort am Bahnhof eine marode Brücke erneuert werden.

Wo liegen die Herausforderungen auf der Stammstrecke?

Die Bauarbeiten in den Sommerferien unterliegen einem hohen Zeitdruck. Zu Schulbeginn am 12. September soll der S-Bahn-Verkehr in der Region wieder normal laufen. „Der Projektablauf ist dicht getaktet“, sagt ein Bahnsprecher unserer Zeitung. Er geht derzeit davon aus, dass das Konzept aufgeht. Für eine finale Aussage sei es aber noch zu früh.

Welche Folgen hat die Hitze auf die Sanierung?

Keine allzu großen. Im S-Bahn-Tunnel ist es nach Angaben des Sprechers „aktuell ganz angenehm“. Einem größeren Stresstest ist bei den anhaltend hohen Temperaturen allerdings das oberirdische Schienennetz ausgesetzt. „Stahl und Eisen haben bei Hitze die Eigenschaft, dass sie sich ausdehnen“, sagt der Bahnsprecher. Das könne im Extremfall dazu führen, dass das Maß der Schienen für die Räder nicht mehr optimal passe – und die Geschwindigkeit der Züge auf betroffenen Abschnitten verringert werden müsse. Die S-Bahn ist davon momentan wohl nicht betroffen. Allerdings hat es laut der Bahn bereits im Regionalverkehr Drosselungen gegeben.

Welche Rückmeldungen bekommt die S-Bahn von den Fahrgästen?

„Wir haben zuletzt wenig Feedback bekommen“, sagt der Sprecher. Die DB setzt in den Ferien 60 sogenannte Baustellen-Buddys ein, die den Fahrgästen beim Umstieg von der S-Bahn auf die Busse helfen. Dazu kommt ein Wegeleitsystem.

Allerdings hat die Bahn auch ihre Lehren aus der ersten Stammstreckensanierung während der Sommerferien 2021 gezogen. Die Ersatzbusse sind jetzt mit Fahrgastansagen ausgestattet, außerdem haben sie Anzeiger bekommen.

Was ist aus den Problemen auf der Panoramabahn geworden?

Vor einem Jahr war auf der Ausweichtrasse zwischen dem Hauptbahnhof, dem Stuttgarter Norden und dem Stadtteil Vaihingen ein erhöhter Radverschleiß an den S-Bahnen festgestellt worden – der Verkehr musste eingestellt werden, es folgten Ermittlungen. Die Bahn setzt nun Schmierfette auf der kurvenreichen Route ein. Der Sprecher gegenüber unserer Zeitung: „Wir verzeichnen hier keine auffälligen Werte mehr.“

Wie viel investiert die Bahn in die Modernisierung der S-Bahn-Stammstrecke?

Etwa 80 Millionen Euro. Die eine Hälfte des Geldes fließt in die Runderneuerung der S-Bahn-Stationen, die andere in den Umstieg von konventioneller zu digitaler Signaltechnik.

Info: Fahrgäste können sich über ihre Verbindungen auf der Homepage oder in der App des VVS informieren.