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Sachsenheim-Ring

Schnelle Hunde jagen jetzt in Grab

Nach dem Verlust der Rennbahn vor vier Jahren hat der Windhund-Rennsportverein Solitude eine neue Heimat gefunden

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Sachsenheim. Wo früher Windhunde falschen Hasen hinterherjagten, stehen jetzt Industriebauten. Das letzte Rennen in Sachsenheim fand im April 2016 statt. Der aus-richtende Windhund-Rennsportverein (WRSV) Solitude war mit der Erweiterung des Gewerbeparks Sachsenheim ohne Heimat. Viele Mitglieder haben den Verein fortan verlassen. Im Großerlacher Ortsteil Grab im Mainhardter Wald (Rems-Murr-Kreis) hat der jetzt 18 Mitglieder zählende Verein eine neue Heimat gefunden, Rennen finden dort jedoch nicht statt.

Am 18. Februar 1961 wurde der WRSV Solitude gegründet. Viele Jahre suchte der Verein einen geeigneten Platz. Bis Anfang der 70er Jahre blieb das ein Wunsch. Erst Ende 1973 fanden die Windhundefreunde auf dem damaligen Militärgelände im Bereich der alten Landebahn im Sachsenheimer Krähwinkel eine Heimat. Die Amerikaner betrieben dort eine Nike-Raketenstation. Diotima Schäfer, Ehrenmitglied des Vereins, erinnert sich: „Nach vielen Anstrengungen und Mühen gelang es dem Hochdorfer Bildhauer H.C. Zimmerle zusammen mit dem ortsansässigen Ehepaar Flores, in Sachsenheim das Gelände neben der Raketenabschussbasis der Amerikaner für den Verein zu ergattern. US-Pioniere halfen bei der Planierung des Geländes, auf dem eine Rennbahn entstehen sollte.

Fast Unmögliches gelang mit der Unterstützung des damaligen Bürgermeisters Karlheinz Lüth, der in den Geschichtsbüchern des Vereins als „großer Mäzen der Solituder“ bezeichnet wird. Der Verein entwickelte sich prächtig. Die Mitglieder bauten in harter Arbeit die Rennbahn. Der Sachsenheim-Ring entwickelte sich zu einer der besten Sandbahnen in Europa und war fest in den nationalen und internationalen Rennkalender eingebunden. Unzählige Veranstaltungen wurden erfolgreich auf dem Sachsenheim-Ring ausgetragen. Höhepunkt war 2007 die Weltmeisterschaft im Windhundrennen.

Doch das Gelände war nur gepachtet. Niemand hatte damals damit gerechnet, dass sich die Industrie derart in den ländlichen Raum ausbreitet. Im Jahr 2015 erhielt der Verein die von Bürgermeister Horst Fiedler unterschriebene fristgerechte Kündigung. Auch eine beim Landtag von Baden-Württemberg eingereichte Petition konnte das Ende der Bahn nicht abwenden. So fand im Frühjahr 2016 das letzte Rennen auf dem Sachsenheim-Ring statt.

Seit dem Bekanntwerden der Kündigung des Vereinsgeländes begannen für den WRSV Solitude die Probleme. Alle Windhundfreunde bedauerten damals den Verlust der Bahn. „Doch den Kopf in den Sand zu stecken, brachte uns nicht weiter“, erinnert sich der jetzige Vorsitzende des Vereins, Helmut Schmidt, der Erbauer der modernen, technisch beispielhaften Sandbahn in Sachsenheim.

Die Mitgliederzahl des WRSV Solitude ist nun von einst 60 auf 18 geschrumpft. Mit neu gewählter, motivierter Vorstandsmannschaft und den treuen Mitgliedern und Helfern wagte der Verein einen Neubeginn. Im malerischen Grab, eingebettet in den Mainhardter Wald, liegt das Gelände. Momentan beschäftige sich der WRSV Solitude nur noch mit dem Bereich Coursing, sagt Helmut Schmidt. Hier jagen immer zwei Hunde einer Hasenattrappe in Form von Plastik- oder Fellstücken hinterher, die an einem Seil über Umlenkrollen in unregelmäßigem Zickzack gezogen wird. Ziel ist es, eine echte Hasenhetze zu simulieren, bei der die Beute auch Haken schlagen kann. Nicht der Schnellste gewinnt, bewertet wird vielmehr nach Eifer, Intelligenz, Gewandtheit, Kondition und Schnelligkeit. Alternativ zum reinen Rennsport eignet sich das Coursing auf dem freien Feld.

„Dass wir wieder auf dem richtigen Weg sind, zeigt das Vertrauen des Deutschen Windhunde Zucht- und Rennsportverbands (DWZRV) in unsere Leitungsfähigkeit“, sagt Helmut Schmidt. Zum dritten Mal darf der Verein im September kommenden Jahres die deutschen Meisterschaften ausrichten.

Die dritte Disziplin, mit der sich „Mensch und Windhund“ im Windhundsportverein Solitude beschäftigt, ist die Zuchtschau. Auch in dieser Disziplin ist Teamarbeit gefragt. Hier zeigen sich Hund und Aussteller im Ring. Das perfekte Handling ist unverzichtbar und wird ernsthaft trainiert.

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