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Tierschutz

Scotty ist ein Kämpfer

Es war ein Krächzen, das einen Besigheimer auf dem Häckselplatz stutzig machte. Und was er nach einigem Suchen fand, machte den Mann fassungslos: In einer Transportbox, die in einen Müllsack gesteckt war, kämpfte ein kleiner, völlig verängstigter Kater um sein Leben. Das ist kein Einzelfall. Immer wieder werden Tiere von ihren Besitzern einfach ausgesetzt. Das Katerchen hatte Glück – es lebt jetzt bei der Finderfamilie in Besigheim.

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Kurz nach der Befreiung: Die Besigheimer Familie hat den kleinen Kater erst von Schmutz und Fäkalien befreit, bevor es zur Untersuchung ging. Fotos: privat
Kurz nach der Befreiung: Die Besigheimer Familie hat den kleinen Kater erst von Schmutz und Fäkalien befreit, bevor es zur Untersuchung ging. Foto: privat

Besigheim. „Der Kleine hatte in dem Müllsack überhaupt keine Überlebenschance“, sagt die 30 Jahre alte Besigheimerin, bei der der Kater nun lebt. Ihr Vater hatte das Tierchen auf dem Häckselplatz gefunden und gleich zu seiner Tochter nach Hause gebracht; dort leben bereits drei Katzen. Nachdem das acht bis neun Wochen alte Katzenbaby von Fäkalien und Schmutz gereinigt war, sind die Besigheimer mit ihm ins Ludwigsburger Tierheim gefahren. Nach einer ersten Untersuchung war klar, dass es dem Tierchen den Umständen entsprechend gutgeht. Da die Besigheimer bereits zwei Katzen aus dem Ludwigsburger Tierheim haben, erklärten sie sich schnell bereit, den kleinen Kater mit nach Hause zu nehmen. „Er hat unter einem Kilo gewogen, als wir ihn gefunden haben, mittlerweile sind es 1,6 Kilogramm“, freut sich die neue Besitzerin, dass es dem Tier gutgeht und es sein Martyrium offenbar gut überstanden hat. Einen Namen hat der Kater auch schon: Scotty.

Am nächsten Morgen wurde Scotty von einer Tierärztin in Besigheim noch einmal gründlich untersucht. „Sowohl Tierheim als auch die Tierärztin haben schnell geholfen“, betont die 30-Jährige; die Behandlung bei der Tierärztin sei zudem kostenlos gewesen. Dass jemand wissentlich den Tod des jungen Katers in Kauf genommen hat, ärgert die Frau: „Wir sind alle schockiert und sauer zugleich.“

Das ist kein Einzelfall, wie Ursula Gericke, Leiterin des Ludwigsburger Tierheims, auf Nachfrage erklärt: „Bei uns in Baden-Württemberg werden vor allem vor den Pfingstferien viele Tiere ausgesetzt.“ Hunde würden im Vergleich zu früher nicht mehr so häufig ausgesetzt. Gericke glaubt, dass das daran liegt, dass die meisten Hunde mittlerweile gechipt sind – „so hat man eigentlich keine große Mühe, den Besitzer herauszufinden“. Deutlich schwieriger ist es, wenn es keinen Chip oder dergleichen gibt, wie Peter Widenhorn, Sprecher des Polizeipräsidiums Ludwigsburg, sagt: „Ohne Kennzeichnung sind die Chancen auf Ermittlung des Tierhalters begrenzt.“ Häufig ihrem Schicksal überlassen werden Kleintiere; nicht nur nach Ostern sind es meist Kaninchen. Auch (Wasser-)Schildkröten werden oft ausgesetzt. Ursula Gericke vermutet, dass sich die Besitzer junge Wasserschildkröten zulegen, ohne zu wissen, dass bei einigen Arten die ausgewachsenen Tiere um die 1,5 Kilogramm schwer werden können. Sie wünscht sich ohnehin, dass vor der Anschaffung eines Tieres mehr Sachkunde verlangt wird. Denn die Hoffnung, dass sich das Verhalten von solch verantwortungslosen Tierbesitzern ändert, hat sie nicht. „Ich denke sogar, es wird eher schlimmer als besser.“ Gründe seien unter anderen die Umtauschmentalität und der Kaufwahn, der auch vor Tieren keinen Halt macht.

Dem kleinen Scotty geht es in seinem neuen Zuhause gut. Er hat sich an die anderen Katzen gewöhnt, wie die Besigheimerin sagt: „Es klappt einwandfrei.“

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