Logo

Modellbahn

Selbst Goethe war Modellbahner

Modellbahnfreunde haben die „Tage der offenen Tür“ der Bietigheimer Eisbahnfreunde vor Weihnachten vermisst. Das hat verschiedene Gründe. Doch versprochen: Im Januar und Februar finden drei Ausstellungen in der „Spinne“ statt.

Camille Marbach (links) und Alexander Keck an der Schwarzwaldbahn der Vereinsanlage. Foto: Alfred Drossel
Camille Marbach (links) und Alexander Keck an der Schwarzwaldbahn der Vereinsanlage. Foto: Alfred Drossel

Bietigheim-Bissingen. Die Bietigheimer Modellbahner haben in diesem Jahr viel an ihren Anlagen gebaut. Das ist ein Grund dafür, dass vor Weihnachten keine Ausstellung im Vereinsheim in der Kammgarnspinnerei stattgefunden hat. Bei drei solchen Terminen sei die Vereinsarbeit zu sehr blockiert, weil sich alles auf den Besuchertag konzentriert hätte, erklärt der zweite Vorsitzende des Vereins, Alexander Keck.

Außerdem habe es vor Weihnachten zu viele Konkurrenzveranstaltungen gegeben, die sich in den Vorjahren negativ auf die Besucherzahlen ausgewirkt hätten. Anstatt der fast tausend Besucher sei da kaum die Hälfte gekommen, sagt Keck. Und, so ergänzt Bewirtungswart Camille Marbach, seien Ausstellungen mittlerweile für den Verein auch ein personelles Problem. Bei rund 50 Mitgliedern, davon ein Dutzend aktive Tüftler, müsse jeder ran. Am 6. und 20. Januar sowie am 3. Februar wollen die Eisenbahnfreunde ihre Neuheiten und Veränderungen zeigen.

An der großen Vereinsanlage wurde das Bahnbetriebswerk auf Digital umgestellt, die Straßenbahnlinie verlängert und die Stadt baulich verändert. Fortschritte gibt es an der digitalen Anlage „Gleis 2 und 3“ zu sehen.

Die Modellbauer von der „Spinne“ bleiben ihrem Motte treu: Besuchern Einblicke in den Modellbau zu geben und nicht nur Züge auf fertigen Anlagen fahren zu lassen. „Wichtig ist“, so Alexander Keck, „unser Vereinsheim als eine Art Museum zu verstehen und neben den Modellanlagen auch originale Teile und Dokumente der Eisenbahn zu zeigen“. Über Weihnachten fahren keine Züge in der Spinne. Danach aber werden die Ausstellungen mit Hochdruck vorbereitet.

Die Modellbahn ist einer ständigen Veränderung unterworfen. Während bis in die Sechzigerjahre hinein die meisten Modelleisenbahnen ausschließlich an Weihnachten aufgebaut und das Jahr über weggepackt waren, stehen heute die technischen Wunderwerke das ganze Jahr in separaten Räumen.

Die ersten Modellbahnen stammen aus dem Ursprungsland der dampfenden Eisenbahn. In England werden seit Beginn des 19. Jahrhunderts Modelle von Eisenbahnzügen gefertigt. Anfangs waren sie auch Werbemodelle für die Originale, was an die Automodelle der Nachkriegszeit erinnert. So erhielt Johann Wolfgang von Goethe 1829 von englischen Freunden ein Eisenbahnmodell. Das Modell einer „Rocket“ ist im Goethe-Nationalmuseum zu sehen.

1891 präsentierte der heute noch führende Göppinger Modellbahnhersteller Märklin auf der Leipziger Messe erstmals Eisenbahnmodelle. Märklin ordnete zudem als erster Hersteller die Spurweiten seines Programms. 1900 wurde das Dreischienengleis von Märklin (mit Mittelschiene zur Stromversorgung) und ein Jahr später, 1901, ebenfalls von Märklin eine mechanische sowie eine elektrische Fernbedienung für Weichen erfunden.

Modellbauer gehören keiner homogenen Gruppe an. Während die meisten ihren Schwerpunkt auf den Betrieb ihrer Modellbahn legen, sammeln andere Lokomotiven und Waggons für die Vitrine. Auch die Ansprüche an eine Modellanlage sind unterschiedlich. „Die Modellbahn-Händler sind weitgehen verschwunden. Wenn man die Begeisterung bei Ausstellungen sieht, braucht man aber keine Angst ums Hobby Modellbahn zu haben“, ist sich Camille Marbach sicher.

Autor: