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Meister am Sack

Sieger schleppt den Sack 235 Meter

Der stärkste Sackträger im Land wurde gestern am Deutschen Mühlentag in der Sersheimer Fesslermühle ermittelt. Der Sieger Rolf Espert kommt aus Tamm und hat den Zentnersack Weizen 235,2 Meter weit getragen.

Romeo Ridl vom Schliersee auf der Strecke. Der fast 97-jährige Müllermeister Fessler im Hintergrund beobachtet die Szene.Fotos: Alfred Drossel
Romeo Ridl vom Schliersee auf der Strecke. Der fast 97-jährige Müllermeister Fessler im Hintergrund beobachtet die Szene. Foto: Alfred Drossel
Müller Wolfgang Fessler „schellt den Weg frei“.
Müller Wolfgang Fessler „schellt den Weg frei“.

Sersheim. Wer den Weizensack in guter alter Müllermanier auf der Schulter bis über die 100 Meter-Marke schleppte, durfte sich danach ganz offiziell „Meister am Sack“ nennen. Der im Land bisher einmalige Wettbewerb zum Deutschen Mühlentag findet seit 2006 statt und wurde zum 610-jährigen Bestehen der Fessler-Mühle ins Leben gerufen. Gestern hatten sich 17 kräftige Burschen um den Titel beworben.

Doch auch diesmal haben einige hoch motivierte Sackträger das Gewicht das Gewicht gewaltig unterschätzt. „Rund 30 Prozent der Teilnehmer machen prinzipiell bereits auf den ersten Metern schlapp“, berichtet Müllermeister Wolfgang Fessler, der neben der Mühle auch ein Sportstudio betreibt, in dem nicht wenige Muskelprotze verkehren. „Ich habe in den zurückliegenden Jahren hier schon alles gesehen. Männer wie Bären, die nach ein paar Metern aufgeben mussten, und Spindeldürre, die die Säcke mehrere hundert Meter weit getragen haben“, sagt Wolfgang Fessler.

Für alle, die die 100 Meter-Marke erreichen, gibt es eine Urkunde und ein speziell gestaltetes T-Shirt. Weiterhin werden alle, die die 100 Meter Marke überscheiten, in den 100-Kilo-Club der Fessler-Mühle aufgenommen. Als erster Läufer wagte sich gestern Lokalmatador Timo Geiger (25) an den Zentnersack. Hilfestellung gab Altmüllermeister Gerhard Fessler, der in der nächsten Woche 97 Jahre alt wird. Der gelernte Zimmermann aus Sersheim war gar nicht so schlecht: Er trug de Sack über das Metterbrückle den Fluss entlang 204,4 Meter weit und kam auf den dritten Platz.

Der originellste Sacklupfer kam vom Schliersee: Der 30-jährige Obermüller Romeo Ridl. Zur Unterstützung hatte er seinen den 19-jährigen Lehrling Georg Bülling mitgebracht. Wolfgang Fessler erinnert sich noch gut daran, wie Gerhard Schall aus Kornwestheim mit 505 Meter den bisherigen Rekord aufstellte. Im Jahre 2015 hat der damals 74-jährige frühere Bankdirektor und Ingersheimer Müllersohn Peter Bareiß 360 Meter geschafft.

Sieger wurde gestern der 54-jährige Rolf Espert aus Tamm mit 235,2 Metern. Ihm folgte der ebenso alte Michael Vogel aus Gammertingen mir 226,1 Metern. Zwei Frauen waren auch am Start. „Die haben aber“, so Wolfgang Fessler, „den Sack nicht von der Rampe gebracht.“

Neben dem spannenden Wettbewerb hatte das Mühlenfest noch anderes zu bieten: Müllerstochter Nadine Fessler informiert die rund 2000 Besucher unter anderem über die unterschiedlichen Mehlsorten und Brotbackmischungen, die in der Mühle hergestellt werden.

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