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Startschuss für Brückenneubau

Politiker sind es gewohnt, dicke Bretter zu bohren. Dicke Löcher haben gestern dagegen Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann und Staatssekretär Steffen Bilger gebohrt und damit den offiziellen Startschuss für den Ersatzneubau der Gumpenbachbrücke gegeben. Sie halfen dabei, den ersten Bohrpfahl zu setzen.

Baustelle im XXL-Format: In den nächsten drei Jahren wird die Gumpenbachbrücke ersetzt.Foto: Holm Wolschendorf
Baustelle im XXL-Format: In den nächsten drei Jahren wird die Gumpenbachbrücke ersetzt. Foto: Holm Wolschendorf
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Kornwestheim. Das Vorhaben ist ebenso spektakulär wie notwendig: Darin waren sich gestern alle Gäste einig, die sich zu der Feierstunde unterhalb der Brücke versammelt hatten. Spätestens beim Blick nach oben wurde deutlich, warum es einer neuen Brücke bedarf: Die Stahlnetze, die dort gespannt sind, sollen vor herabfallenden Betonteilen schützen.

Als die Brücke neun Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges eingeweiht wurde, ahnte wohl niemand, welcher Belastung dieses Bauwerk einmal ausgesetzt sein würde. „Waren es anfangs 3000 Fahrzeuge pro Tag, die die 100 Meter lange Gumpenbachbrücke als Teil der B 27 befuhren, so sind es heute 46 000 Kraftfahrzeuge“, machte Stuttgarts Regierungspräsident Wolfgang Reimer deutlich. Der Anteil des Schwerlastverkehrs liege bei mehr als sechs Prozent.

„Wir wissen um die Bedeutung dieser wichtigen Verkehrsachse für die Städte Ludwigsburg und Kornwestheim. Deshalb ist es umso wichtiger, dass die B 27 während der gesamten Arbeiten befahrbar bleiben wird“, so Reimer. In den nächsten drei Jahren wird nicht nur eine neue Brücke entstehen, sondern auch eine neue Ein- und Ausfädelspur an der Anschlussstelle Kornwestheim-Nord sowie moderner Lärmschutz. Erneuert wird zudem die Asphaltdecke zwischen Kornwestheim-Mitte und Nord. Seinen Dank richtete der Regierungspräsident ausdrücklich an die Adresse des Bundes, der die Kosten in Höhe von 27 Millionen Euro übernimmt.

Stellvertretend nahm diesen Dank Steffen Bilger (CDU), parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium und Bundestagsabgeordneter des Wahlkreises Ludwigsburg, entgegen. „Es ist an der Zeit, dass die Brücke saniert wird“, sagte er. Bei der Gumpenbachbrücke handele es sich um eine der ersten Spannbetonbrücken, die nach dem Zweiten Weltkrieg errichtet wurden. Von den 1970er Jahren bis heute sei das Verkehrsaufkommen um 500 Prozent gestiegen. In den nächsten Jahren werde auch der Lkw-Verkehr weiter zunehmen. „Hier gibt es unheimlich viel Verkehr, deshalb brauchen wir eine leistungsfähige Infrastruktur“, so der Staatssekretär.

Bilger erinnerte an die „gründliche Planung“, die einige Zeit dauerte. „Das ist ein Beispiel dafür, dass wir bei vielen Projekten, viel zu lange benötigen“, schlug er kritische Töne an. Deshalb sei das Planungsbeschleunigungsgesetz auf den Weg gebracht worden. Dieses soll dazu beitragen, dass Ersatzneubauten aus planungsrechtlicher Sicht schneller realisiert werden können als bisher.

„Die letzte Bauphase wird besonders spannend und eine besondere Ingenieurleistung“, prognostizierte er. Dann wird das östliche, 4600 Tonnen schwere Brückenteil einschließlich Mittelpfeilern und Fundamenten auf Schienen um rund zehn Meter in seine endgültige Position verschoben.

„Danke, dass Sie den Nordostring nicht angesprochen haben. Sonst hätte ich noch etwas sagen müssen“, richtete sich Minister Winfried Hermann (Grüne) an Bilger. In diesem Punkt gehen die Meinungen der beiden Politiker weit auseinander, in der Frage des Brückenneubaus dagegen nicht. „Wäre sie ein Mensch, würde sie in Rente gehen“, wies Verkehrsminister Hermann auf das Alter der Brücke hin. Als „spektakuläres Bauprojekt“ würdigte auch er den Neubau, der seiner Auffassung nach mehr als überfällig ist. „Wir wissen sehr genau, wie der Zustand der Brücken im Land ist“, machte er auf die regelmäßigen baulichen Überprüfungen aufmerksam. Der Grünen-Politiker versäumte es auch nicht, auf die geplante Renaturierung des Gumpenbachs unterhalb der Brücke und die Verbesserung des Lärmschutzes für die Anwohner hinzuweisen.

Für 9700 Brücken in Baden-Württemberg ist das Land zuständig, kurzfristig müssen 60 von ihnen saniert werden, mittelfristig 400. „Man kann über eine holprige Straße fahren, nicht aber über eine Brücke, die nicht mehr in Ordnung ist“, so Hermann.

„Die Kornwestheimer haben lange auf diesen Tag gewartet“, ergriff Oberbürgermeisterin Ursula Keck das Wort. Die Sanierung habe niemand in Frage gestellt, zumal der Spielplatz unterhalb der Brücke schon vor vielen Jahren wegen herabstürzender Betonteile gesperrt worden sei. „Das ist der höchste Betrag, der jemals für eine Straßenbaumaßnahme nach Kornwestheim geflossen ist“, richtete sie den Fokus auf die Kosten für die neue Brücke. Auch für sie handelt es sich um ein „phänomenales Meisterwerk der Ingenieurkunst“.

Mit einem Spatenstich, wie er bei solchen Anlässen üblich ist, wäre man der Dimension dieses Bauprojektes nicht gerecht geworden. Und so stiegen Minister Hermann und Staatssekretär Bilger auf eine Maschine im XXL-Format, um gemeinsam mit Bohrgeräteführer Anestis Papanikolaou ein Loch mit einem Durchmesser von einem Meter zu bohren. Dort wird der erste Pfahl für die neue Brücke gesetzt.

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