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Gefahr

Steinschlag: Lokal muss schließen

Für den Wirt der Gaststätte Paulaner am Viadukt ist es eine Hiobsbotschaft. Sein Lokal mit Biergarten muss für die nächsten Wochen geschlossen werden, weil aus der Felswand dahinter Steine auf das Lokal und einen Gastank zu stürzen drohen. Seine Verärgerung ist groß.

Steine aus der Felswand drohen auf das Lokal zu fallen.Foto: Alfred Drossel
Steine aus der Felswand drohen auf das Lokal zu fallen. Foto: Alfred Drossel

Bietigheim-Bissingen. Die Stadtverwaltung ist dabei in einer besonders unglücklichen Situation. Sie ist nicht nur Aufsichtsbehörde und für die Sicherheit sowie das gesundheitliche Wohl der Gäste zuständig. Sie ist auch Eigentümerin der Gaststätte Paulaner und hat ein Interesse daran, dass der Wirt mit seinem Lokal Geld verdient. Doch die Aussage der Experten ist eindeutig: Wegen der Gefahr von Felsabstürzen muss die Gaststätte am Viadukt samt Biergarten kurzfristig geschlossen werden. Die Stadt hat dem Betreiber eine Nutzungsuntersagung zugestellt. Mit schwerwiegenden Konsequenzen: Wegen der akuten Gefahr muss das Ausflugslokal während der Osterferien geschlossen sein – sehr zum Leidwesen der Betreiber. Mit einem aufgestellten Schild wiesen sie die Besucher auf die Verordnung hin. Mit sarkastischem Unterton heißt es darauf, dass das Ordnungsamt seit heute der Meinung sei, dass akute Steinschlaggefahr bestehe.

Hintergrund des Ganzen ist eine Überprüfung der Felswände in der Wobachstraße. Schon seit Längerem sorgten die Felsen über der Gaststätte für Magengrimmen bei den Verantwortlichen, heißt es bei der Stadt. Doch diesmal sei die Aussage der Fachleute, die die Felswand untersuchten, eindeutig gewesen. Die Gefahr sei inzwischen groß, dass sich ganze Steine aus der Wand lösen. Sie könnten zum einen auf die Gäste in dem Biergarten fallen. Ebenso könnte der Gastank hinter dem Gebäude und direkt unterhalb der Felswand getroffen werden und dann sogar explodieren. Dieser sei zwar mit einem Holzdach gesichert, doch das sei nicht stabil genug bei Felsabstürzen, so die Meinung der Experten.

Laut dem Gutachten zur Stabilität der Felswand seien an der Muschelkalk-Wand „Fels-Überhänge und Fels-Ausbrüche“ zu erkennen, weshalb sich „loses Steinmaterial lösen und in die Tiefe stürzen“ könne. Da sich „Masse und Zeitpunkt eines solchen Abbruchs nicht vorherbestimmen lassen“ und das Risiko von spontanen Abbrüchen „ständig gegeben“ ist, wurde der Betrieb vorläufig geschlossen. Nun soll geprüft werden, welche Maßnahmen zur Sicherung der Felswand möglich sind oder um die Einrichtungen darunter aus dem Gefahrenbereich zu bringen. Die Stadt war nach eigenen Angaben bereits mit Experten vor Ort, um die Sicherung der Felswand zu besprechen. Weil die Felswand ist aber auch mit vielen Pflanzen überwuchert und Siedlungsraum für viele Tiere ist, muss auch die Naturschutzbehörde des Landratsamts Ludwigsburg eingeschaltet werden. Eine Sicherung könnte beispielsweise durch die Verankerung von Netzen an den gefährlichsten Stellen erfolgen. Dazu müssten auf jeden Fall größere Grünarbeiten erfolgen, weil die Wand stark bewachsen ist. Diese könnten nur von oben erfolgen und erst dann, wenn der Gastank aus dem Gefahrenbereich entfernt ist. Eine Sicherung der kompletten Felswand würde nach ersten Schätzungen 250.000 Euro kosten und einige Monate Zeit in Anspruch nehmen. Bezahlen müsste die Stadt. Teilbereiche, die besonders gefährlich sind, sollen allerdings kurzfristig bereits bearbeitet werden.

Der Paulaner-Wirt indes macht seinem Ärger unter anderem via Facebook Luft: „Der restliche Felsen der Wobachstraße, insbesondere der Schotterweg – Richtung von uns zum Naturfreundehaus, muss nicht gefährlich sein, da nur der Paulaner am Viadukt geschlossen wurde.“ Seit mehr als 40 Jahren sei die Situation unverändert, so lange stünde auch schon der von der Stadt monierte Gastank dort, teilte er am Freitag mit. Bei einem echten Interesse hätte die Stadt, die schließlich Eigentümer sei, schon längst Abhilfe leisten können – und nicht direkt vor dem Feiertagsgeschäft das Lokal geschlossen. Unterstützung bekommt er von vielen Fans, die die Entscheidung ebenfalls kritisieren und infrage stellen.

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