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Trumpf und seine Start-ups

Ditzinger Unternehmen unterstützt Mitarbeiter bei der Entwicklung von Geschäftsideen

Mitarbeiter des Trumpf-Start-ups One Click Metal in Tamm stellen günstige Metall-3D-Drucker her. Die ersten Geräte werden demnächst an die Kunden ausgeliefert. Foto: Martin Stollberg/Trumpf
Mitarbeiter des Trumpf-Start-ups One Click Metal in Tamm stellen günstige Metall-3D-Drucker her. Die ersten Geräte werden demnächst an die Kunden ausgeliefert. Foto: Martin Stollberg/Trumpf

Ditzingen. Strohgäu statt Silicon Valley: „Internehmertum“ nennt der Ditzinger Laser-Spezialist Trumpf sein Start-up-Programm, das drei Ausgründungen hervorgebracht hat. Zwei weitere sollen in den nächsten Wochen folgen. Betriebsangehörige des Maschinenbauers können während der Hälfte ihrer Arbeitszeit Geschäftsideen, die auch etwas außerhalb des Trumpf-Kerngeschäfts liegen, risikolos in die Tat umsetzen. Vor drei Jahren hat das Familienunternehmen sein Programm gestartet. „Wir haben schon vier Runden gehabt“, erklärt Christof Siebert, der bei Trumpf für das Start-up-Programm zuständig ist. „Wir freuen uns auf die nächste Runde, wir werden auf jeden Fall weitermachen“, betont Peter Leibinger, der bei Trumpf unter anderem für Forschung und Entwicklung verantwortlich ist. Aus den Ideen der Mitarbeiter können neue Geschäftsfelder für die Trumpf-Gruppe entstehen, so Leibinger, der stellvertretende Vorsitzende der Gruppengeschäftsführung. Oder auch eigenständige Firmen werden. Zunächst war das Programm auf Deutschland beschränkt, wurde aber bereits auf Österreich und die Schweiz ausgedehnt.

Experten wählen die Projekte aus

Ihre Ideen reichen die Mitarbeiter bei einem Fachgremium ein. Die Experten wählen die besten aus. Überzeugt der Ansatz, darf der oder das Team für drei Monate das Projekt weiterentwickeln. Externe Fachleute für Unternehmensgründungen und neue Geschäftsmodelle stehen ihnen begleitend zur Seite. Das Ziel: Am Ende steht eine marktfähige Lösung. Auf dem Weg dorthin unterstützen Trumpf-Mitarbeiter mit ihrem Know-how. „Nach drei Monaten entscheiden wir, ob wir in die Idee investieren und ein Start-up gründen, oder das Projekt beenden“, erklärt Siebert. „Für die Teams, die nicht weiterkommen, ist das natürlich enttäuschend, zumal die Identifikation mit der Idee groß war“, weiß Siebert. „Wir sehen aber, dass die Fähigkeiten, die unsere Mitarbeiter in diesen Monaten erworben haben, sie auch in ihrem Arbeitsumfeld weiterbringen.“ Manche würden intern auch den Job wechseln. Bei den Trumpf-Beschäftigten kommt das Programm gut an.

Klar ist, dass es auch für das schwäbische Hochtechnologieunternehmen mit seiner internationalen Ausrichtung um Technologie, Know-how sowie die Unternehmenskultur geht. Und die Rückkopplung der Kultur ins Unternehmen und seine Kernbereiche, wie Leibinger ausführt. Trumpf sei von der konjunkturellen Flaute, die durch die Coronapandemie verstärkt wurde, auch „massiv betroffen“. Zugleich sei Trumpf in einer komfortablen Position. „Absolut tödlich ist es für deutsche Unternehmen, in der Krise die Forschung und Entwicklung herunterzufahren“, betont Leibinger mit Blick auf eine BDI-Studie. Deutsche Produkte würden sich am Weltmarkt nie über den Preis identifizieren lassen, sondern über das, was sie den Kunden bieten. „Wir stoppen die wichtigen Innovationsprojekte nicht“, erklärt Leibinger, „aber natürlich fokussieren wir auf unsere Investitionen in Zukunftsprojekte.“

Beim Start-up-Programm durften bisher 16 Ideen von Mitarbeitern weiterverfolgt werden, mittlerweile sind bereits drei als Ausgründung von Trumpf am Markt aktiv:

One Click Metal: Der Metall-3D-Druck ist aus dem Industriealltag kaum wegzudenken. Hohe Anfangsinvestitionen spielen zwar für Großunternehmen kaum eine Rolle, doch kleinere Firmen und Mittelständler tun sich bei der Auswahl eines einfacheren und günstigeren 3D-Druckers schwer. Die Trumpf-Ausgründung One Click Metal will diese Marktnische besetzen. „Wir haben einen Prototypen bei Trumpf nebenher entwickelt und dem „Internehmertum“-Programm vorgestellt“, erzählt Björn Ullmann, einer der Geschäftsführer des Start-ups, das darauf im April 2019 gegründet wurde. Mit 20 Mitarbeitern entwickelt One Click Metal in Tamm nun 3D-Drucker, die über die Hälfte günstiger sind. So kostet ein System 54900 Euro. Derzeit werden die ersten Maschinen zur Auslieferung vorbereitet. „Wenn High-End-Geräte nicht notwendig sind“, sagt Ullmann, „kann man mit unseren Systemen schnell und günstig zu 80-Prozent-Lösungen kommen.“ Zu den Kunden von One Click Metal gehören Unternehmen aus den Branchen Maschinen- und Werkzeugbau, Automotive sowie Ausbildungsstätten.

Peers: Das Start-up Peers hat eine digitale Plattform für Weiterbildungslösungen entwickelt. Es hat seinen Firmensitz in Berlin, eine Dependence in Stuttgart, und beschäftigt neun Mitarbeiter. Elisa Hertzler, Gründerin und Geschäftsführerin, hat zuvor in der Strategieabteilung von Trumpf gearbeitet. Peers begleitet Firmen seit August 2019 auf ihrem Weg in die digitalisierte Arbeitswelt und vermittelt den Mitarbeitern die nötigen Kompetenzen. Für passende Weiterbildungsangebote nutzt Peers eine Software, die auf einer Künstlichen Intelligenz basiert. In den vergangenen Monaten gingen bei Peers mehr Aufträge ein als vor der Coronakrise. Zu den Kunden gehören Firmen aus der Industrie, vor allem aus der Metall- und Elektrobranche. Die Verbindung zu Trumpf bleibt eng: Mit zehn Prozent hat sich die Trumpf Venture beteiligt. Experten schätzen den Markt auf sieben Milliarden Euro.

Q.ANT: Mit der Quantentechnologie beschäftigt sich Q.ANT. Ziel des Start-ups mit seinen 15 Mitarbeitern (Stuttgart-Vaihingen) ist es, diese durch neue photonische Technologien massentauglich zu machen. Anwendungsfelder: Sensorik der bildgebenden Technologie und der Datensicherheit. Die Technologie könnte irgendwann die Mikroskopie lebender Zellen vereinfachen und das autonome Fahren beschleunigen, indem sie Autos hilft, ihre Position zu bestimmen. Partner sind Konzerne der Pharma-, Halbleiter- und Automobilindustrie.

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