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Brandstiftung

Versicherung will nicht zahlen

Muss die Condor Versicherung für den Brand eines Gebäudes mit bewohnbarem Nebengebäude für Flüchtlinge in Remseck Schadenersatz zahlen? Vor der 16. Zivilkammer des Stuttgarter Landgerichts streitet sich der Besitzer der Immobilie mit der Versicherung, die behauptet, der Mann habe das Gebäude selbst angezündet.

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Am 19. Oktober 2015 brannte es im Gasthof Lamm in Neckargröningen. Foto: Oliver Bürkle

Remseck. Der Fall liegt kriminalpolizeilich und strafrechtlich als ungeklärt bei der Stuttgarter Staatsanwaltschaft. Man hat bislang keinen Täter ausfindig machen können. Zwar hat man den Ermittlungen zufolge gewisse Spuren an der Türe festgestellt, die von einem eventuell fingierten Einbruch stammen. Geblieben ist der Schaden für den Besitzer der inzwischen abgerissenen Immobilie in Neckargröningen dennoch. Seine Versicherung, die Condor Versicherungsgesellschaft, verweigert allerdings die Schadensregulierung. Sie sitzt nunmehr als Beklagter vor der 16. Zivilkammer des Stuttgarter Landgerichts. In Schriftsätzen wird gegen die Klage des Hausbesitzers auf Schadenersatz darauf hingewiesen, dass der Kläger selbst den Brand gelegt haben kann.

Ermittlungen gegen Besitzer eingestellt

Das Feuer, welches am 20. Oktober 2015 das gesamte Hauptgebäude des leerstehenden Gasthofes vernichtete und einen Schaden von mindestens 250 000 Euro verursachte, soll demnach nicht von fremder Hand, also in fremdenfeindlicher Absicht, wie erst vermutet, sondern vom Besitzer selbst gelegt worden sein. Aus finanziellen Gründen, wie es in einem kriminaltechnischen Gutachten der Versicherung nachzulesen ist. Demnach soll ein Einbruch in das Gebäude vorgetäuscht worden sein – und zwar vom Brandstifter. Dabei sei in Kauf genommen worden, dass die dort 50 untergebrachten Kriegsflüchtlinge zu Schaden oder gar zu Tode hätten kommen können. Diesbezügliche Ermittlungen der Polizei gegen den Besitzer sind allerdings mangels hinreichenden Tatverdachts eingestellt worden.

Am gestrigen Verhandlungstag hat die 16. Zivilkammer drei Zeugen vernommen. Ein Nachbar in Remseck berichtete, er habe den Kläger persönlich am Abend kurz vor dem Brand neben seinem Mercedes an der Einfahrt stehen sehen. Das dies nicht stimmen kann, darauf weist der Kläger hin, denn es sei seine Frau gewesen – mit einem Audi. Ein Mitarbeiter des Klägers hingegen hat vom Feuer nichts mitbekommen. Er schlief in der Nacht wie auch sein Chef und die Chefin, wie er sagt. Letztere habe ihn geweckt und gesagt, er müsse aufstehen.

Aussagen stehen somit gegen Aussagen. Ein im ersten Prozess im März dieses Jahres erwogener Vergleichsvorschlag, in dem die Versicherung 175 000 Euro zahlen solle, wurde gestern verworfen. Jetzt geht es um weitaus mehr Geld, weil der Kläger auf dem Grundstück für eine Million Euro ein kleines Hotel mit Zimmervermietung an Flüchtlinge bauen will. Demnach müsse man den Vergleich entsprechend anpassen. „Völlig abwegig“, so die Reaktion des Vertreters der Versicherung.

Eine gerichtliche Entscheidung soll am 20. Dezember gesprochen werden.