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Gewerbegebiet

Villa Reitzenstein in der Leitung

Jetzt schaltet sich auch die Landesregierung in die Entwicklung des regionalen Gewerbegebiets in Schwieberdingen ein, auf das der Sportwagenbauer Porsche ein Auge geworfen hat. Was steckt dahinter?

Mehr als 57 Prozent der Schwieberdinger sagen im Sommer 2019 Ja zu einem neuen Gewerbegebiet bei Bosch. Auf einem Großteil der 23 Hektar großen Fläche will Porsche die Produktion des Taycan unterstützen. Archivfoto: A. Essig
Mehr als 57 Prozent der Schwieberdinger sagen im Sommer 2019 Ja zu einem neuen Gewerbegebiet bei Bosch. Auf einem Großteil der 23 Hektar großen Fläche will Porsche die Produktion des Taycan unterstützen. Foto: A. Essig
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Schwieberdingen. Noch vor seinem coronakonformen Urlaub im Allgäu bekommt der Schwieberdinger Bürgermeister Nico Lauxmann einen Anruf aus Stuttgart. Am anderen Ende der Leitung: das Staatsministerium. Es will von Lauxmann in der Villa Reitzenstein hören, wie es mit der Entwicklung des regionalen Gewerbeschwerpunktes in der Gemeinde weitergeht.

Seit dem Bürgerentscheid im Juli 2019, bei dem sich 57,1 Prozent der Schwieberdinger dafür ausgesprochen hatten, neben dem Automobilzulieferer Bosch eine weitere rund 23 Hektar große Fläche zu erschließen, ist es ruhig um das Projekt geworden. Auch um Porsche. Der Sportwagenbauer hatte im Vorfeld seinen Willen kundgetan, auf rund 15 Hektar ein Industriequartier zu bauen, das die Produktion des E-Porsches Taycan in Zuffenhausen unterstützt. Im Gespräch sind Hunderte neue Arbeitsplätze. Dem Vernehmen nach ist das Interesse noch da. Doch auf den Sankt-Nimmerleins-Tag könne das Unternehmen nicht warten.

Das Staatsministerium ist in diesen Wochen nicht die einzige Stelle, die Lauxmann zum Gespräch bittet. Der Bürgermeister trifft sich auch mit der Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut. Die beiden sind in der gleichen Partei: der CDU. Hinterher sagt der Schwieberdinger, was man nach solchen Zusammenkünften so sagt: „Alle Ebenen sind sich über die Wichtigkeit des regionalen Gewerbeschwerpunktes in Schwieberdingen einig, um auch zukünftig Fläche für Unternehmensansiedlungen innerhalb des Landes sowie der Region Stuttgart zur Verfügung stellen zu können.“ Wenn man nun aber Erkundigungen über das Warum der Gespräche einholt, so sind hinter vorgehaltener Hand zwei Dinge zu hören: Dass es dem Land offenbar nicht schnell genug mit der Realisierung des Gewerbegebiets geht – und dass es im bald beginnenden Landtagswahlkampf Ergebnisse sehen will.

Dabei hat sich die Landesregierung, anders etwa als der Verband Region Stuttgart, in der Vergangenheit in Schwieberdingen kein Bein ausgerissen – vorsichtig formuliert. Der grüne Vaihinger Abgeordnete Rösler hat das Vorhaben (und den Ausbau der B10) gar nach Kräften behindert und auf Veranstaltungen auch unserer Zeitung immer wieder auf den Erhalt der wertvollen Böden gedrängt, die dem Gewerbeschwerpunkt weichen müssen.

Das Staatsministerium hat sich bereits zum zweiten Mal in den Fall eingeklinkt. Im Frühjahr 2019 bekam der Schultes schon einmal einen Anruf aus der Villa Reitzenstein, als er sich nach Bekanntwerden des Porsche-Interesses entschied, innerhalb weniger Monate seine Bürgerschaft zu befragen. „Ich habe damals die Gründe für diesen Weg erläutert“, sagt Lauxmann unserer Zeitung, den er auch im Sommer 2020 für richtig hält.

Als herausfordernd stellt sich in Schwieberdingen offenbar weiter der Grundstückserwerb dar. Die Gemeinde muss eine Einigung mit mehr als 100 Eigentümern erzielen, sonst ist das Projekt gestorben. „Unser Ziel verfolgen wir mit hohem Engagement und zügiger Vorgehensweise“, sagt Lauxmann.

Derzeit lässt die Gemeinde mit Unterstützung eines externen Gutachters den Ankaufspreis für den Eigentumserwerb berechnen. Dieser werde – nach Diskussion im Gemeinderat – die Grundlage für die Verhandlungen sein. „Die Gespräche mit den Eigentümern sind im Dezember geplant“, so der Rathauschef. Aktuell überlegt die Verwaltung, wie sie wegen der Pandemie eine solche Veranstaltung mit mehr als 100 Eigentümern auf die Beine stellen kann. „Eigentlich sollten die Gespräche schon früher stattfinden“, bekennt Lauxmann. „Aufgrund der Pandemie haben sie sich aber um drei, vier Monate verzögert.“

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