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Schleyer-Halle

Von Stars oft links liegen gelassen - Die Schleyerhalle soll abgerissen werden

Die Tage der Hanns-Martin-Schleyer-Halle scheinen gezählt. Eine Studie soll klären, ob statt einer Sanierung ein Abriss und Neubau nicht doch besser wäre.

Stuttgarter Hallenduo: Die Schleyer-Halle (links) neben der moderneren Porsche-Arena. Archivfoto: CZ
Stuttgarter Hallenduo: Die Schleyer-Halle (links) neben der moderneren Porsche-Arena. Foto: CZ

Stuttgart. Helene Fischer konnte in Stuttgart nicht fliegen, jedenfalls nicht auf der Bühne. Das ist einer der Gründe, weshalb die Tage der Hanns-Martin-Schleyer-Halle gezählt sind: Baden-Württembergs größte Mehrzweckhalle am Neckarpark entspricht nicht mehr internationalen Anforderungen, weder im Event- noch im Sportbereich. Eine Machbarkeitsstudie soll bis Ende des Jahres herausfinden, wie es weitergehen könnte – Sanierung oder aber Abriss und Neubau an gleicher Stelle? In Gesprächen klingt an, dass es wohl eher auf Abriss und Neubau hinauslaufen wird.

Es geht nicht nur um Helene Fischer, die sich für ihren Auftritt in der Schleyer-Halle extra ein verändertes Programm schreiben ließ, es geht auch um Madonna und um Tina Turner, um die Eagles, um U2 und Ed Sheeran, die Stuttgart auf ihrer Tournee gleich ganz links liegen ließen. Der Grund dafür: Die Decke über der Bühne ist zu niedrig, Akustik und Logistik sind veraltet. Internationale Shows, bei denen Künstler auf mehreren Ebenen agieren, passen in der Schleyer-Halle schlicht nicht auf die Bühne.

„Im Grund ist die Halle im Jahr 1983 als überdachte Radrennbahn gebaut worden“, sagt Andreas Kroll, der Geschäftsführer der Veranstaltungsgesellschaft in.Stuttgart, einer städtischen Tochterfirma, die die Halle betreibt. Die ganz großen Stars der Branche fragen inzwischen in Stuttgart gar nicht mehr an und gehen gleich nach Mannheim, Frankfurt oder Köln. „Das hält man nicht lange durch“, sagt Kroll. Ganz ähnlich sei es bei Sportveranstaltungen. Bereits 2019 hatte das Sportamt der Stadt Stuttgart kritisiert, dass die Schleyer-Halle internationalen Anforderungen nicht mehr entspreche. Videowürfel zum Beispiel, wie sie bei großen Sportveranstaltungen mittlerweile Standard sind, rauben in Stuttgart den Zuschauern auf den Rängen die Sicht.

Dazu kommt die Platzfrage. „Wir haben zwar viele Steh-, aber zu wenig Sitzplätze“, sagt Kroll, „und immer häufiger werden Konzerte bestuhlt. Statt wie bisher 10500, wünschen sich die Hallenbetreiber 18000 Sitzplätze.“

Ein Umbau wäre theoretisch zwar möglich, glaubt der in.Stuttgart-Geschäftsführer, aber teurer und weniger effektiv als ein Neubau: „Die Schleyer-Halle ist zu weit, der Arena-Charakter fehlt.“ Konzertbesucher sprechen deshalb auch gern mal von einer „Blechkiste“. In Deutschland haben sich zwei Städte für den Umbau entschieden: München mit seiner Olympia-Halle, und in Dortmund soll die Westfalenhalle für 3,5 Millionen Euro saniert werden, um konkurrenzfähig zu bleiben.

Um Konkurrenzfähigkeit geht es auch in Stuttgart, um „Augenhöhe mit anderen Großstädten“, so Kroll. Mit einer multifunktionalen Entertainment-Arena könne man sich auch wieder um eine Turnweltmeisterschaft bewerben. Denn mit dem Hallen-Duo Porsche-Arena und Schleyer-Halle in direkter Nachbarschaft habe Stuttgart deutschlandweit ein Alleinstellungsmerkmal. Bei Reitturnieren zum Beispiel findet der Parcours in der Schleyer-Halle statt, das Training in der Porsche-Arena. „Das ist cool!“, findet Kroll.

Wie geht es weiter? Mit einer Entscheidung – Sanierung oder Neubau – rechne er Mitte des nächsten Jahres, sagt Kroll. Vor der Fußball-EM 2024 werde sich aber sicher nichts tun, denn: „Wir haben noch ganz viele Hausaufgaben zu machen, es muss einen Architektenwettbewerb geben, wir brauchen Sponsoren, einen Namensgeber und ohne eine Finanzierungszusage der Stadt geht es nicht.“ Allerdings sorge eine attraktive Halle auch für Wertschöpfung in der Stadt, Hotels, Gastronomie und Einzelhandel würden profitieren. Und für die Menschen in der Region gehöre ein gutes Freizeitumfeld auch dazu.

Apropos Namensgeber: Eine neue Halle würde wohl auch nicht mehr nach dem von der Roten Armee Fraktion (RAF) ermordeten Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer heißen. Schleyer stand wegen seiner Vergangenheit als NS-Funktionär und SS-Offizier in der Kritik. Die Linksfraktion im Stuttgarter Gemeinderat hatte deshalb im vergangenen Jahr eine Umbenennung der Halle gefordert.

In den nächsten Jahren werde es auch in der bestehenden Halle Veranstaltungen auf internationalem Niveau geben, versichert Kroll. Und wann kommt die neue Halle, wenn sie denn kommen sollte? Der in.Stuttgart-Geschäftsführer: „Mein Ziel ist noch in diesem Jahrzehnt – und zwar nicht am Ende.“

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