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Einzelhandel
Wegfall der Maskenpflicht: Viele Kunden im Kreis Ludwigsburg tragen sie freiwillig weiter

Da die Beratung auch mal länger dauern kann, ist man sich in der Buchhandlung Taube in Marbach beim Maskentragen einig. Foto: Ramona Theiss
Da die Beratung auch mal länger dauern kann, ist man sich in der Buchhandlung Taube in Marbach beim Maskentragen einig. Foto: Ramona Theiss
Für den Einkauf bei Edeka Härdter in Neckarweihingen nutzt Severina Erny nun wieder eine ihrer Stoffmasken. Foto: Ramona Theiss
Für den Einkauf bei Edeka Härdter in Neckarweihingen nutzt Severina Erny nun wieder eine ihrer Stoffmasken. Foto: Ramona Theiss
Edeka-Betreiber Thomas Härdter schätzt, dass am ersten Vormittag ohne Maskenpflicht noch 80 Prozent der Kunden eine trugen. Foto: Ramona Theiss
Edeka-Betreiber Thomas Härdter schätzt, dass am ersten Vormittag ohne Maskenpflicht noch 80 Prozent der Kunden eine trugen. Foto: Ramona Theiss
Auch die Verkäuferinnen bei Edeka sind weiterhin mit Masken zu sehen. Foto: Ramona Theiss
Auch die Verkäuferinnen bei Edeka sind weiterhin mit Masken zu sehen. Foto: Ramona Theiss
Auch Les Boutique in Marbach bittet weiterhin um Masken. Foto: Ramona Theiss
Auch Les Boutique in Marbach bittet weiterhin um Masken. Foto: Ramona Theiss
Die Rathaus Apotheke in Asperg setzt auch beim Sortiment noch auf diese Art des Schutzes. Foto: Ramona Theiss
Die Rathaus Apotheke in Asperg setzt auch beim Sortiment noch auf diese Art des Schutzes. Foto: Ramona Theiss
Seit dieser Woche ist Einkaufen im Südwesten wieder ohne Maske möglich. Doch machen die Kunden von dieser neuen Freiheit tatsächlich Gebrauch – oder gehen sie lieber noch auf Nummer sicher? Und wie stehen die Geschäfte selbst zum Wegfall der Maskenpflicht? Eindrücke vom ersten Tag.

Kreis Ludwigsburg. Montagmorgen Viertel vor neun auf dem Kaufland-Parkplatz in Steinheim: Eleonore Ohnezat ist auf dem Weg zum Einkaufen – mit einer weißen FFP2-Maske im Gesicht, obwohl es ab diesem Tag auch ohne ginge. „Ich werde die Maske weiterhin tragen“, so die Kleinbottwarerin. „Ich möchte nicht angesteckt werden und auch niemanden anstecken. So fühle ich mich sicherer.“ Grob die Hälfte der Kunden, die zu dieser Zeit den Eingangsbereich passieren, sieht das offensichtlich ähnlich. Zur anderen Hälfte gehört Johanna B. „Ich finde es erleichternd“, sagt die Rielingshäuserin nach dem Einkauf. „Mit der FFP2-Maske hatte man fast keine Luft mehr gekriegt.“ Angst vor einer Ansteckung habe sie nicht, Corona habe sie gehabt.

Eine etwas andere Verteilung zeigt sich eine halbe Stunde später bei Aldi in Murr. Viele Kunden tragen bereits auf dem Parkplatz eine Maske, nahezu alle anderen setzen sie spätestens beim Betreten des Marktes auf. „Ich kann mir nicht vorstellen, ohne Maske in den Supermarkt zu gehen, sie ist der beste Schutz“, sagt Daniela Knorpp, die gerade ihre Einkäufe im Auto verstaut. „Jeder kann nun selbst entscheiden, ich würde mich aber wohler fühlen, wenn alle eine Maske anhätten.“ Überhaupt nichts vom Maskentragen hält dagegen ein Kunde, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Als studierter Hygieniker sehe er auch im Impfen keinen Mehrwert, wenn man dann trotzdem erkranke, im Testen bei Symptomen dagegen schon.

Schutz von älteren Kunden und bei längeren Gesprächen

In der Altstadt von Marbach ist es an diesem Vormittag noch kühl, dennoch sind bereits recht viele Menschen unterwegs. In der Fußgängerzone sind in den Gesichtern so gut wie keine Masken zu sehen, doch mit dem Betreten von Geschäften ändert sich das. Das Team von Les Boutique dankt auf einem Schild am Eingang dafür. „Wir haben sehr viele Kunden, die schon einen Hauch älter sind“, begründet Gabriele Rumohr, warum man besonders für Sicherheit sorgt und auch die Mitarbeiter weiterhin Masken tragen.

In der Buchhandlung Taube in der Wendelinskapelle ist Herbert Schäfer aus Affalterbach auf der Suche nach Kinderbüchern für seine Enkel. „Ich finde es nicht so toll, dass man nun einfach die Maßnahme weglässt, die jeder ergreifen kann und die schützt“, begründet er, warum er im Geschäft eine FFP2-Maske trägt. „Ich bin geboostert, hatte aber einmal Corona und möchte das nicht noch einmal erleben.“ Auch die Kundin nach ihm trägt weiterhin eine Maske und tut ihren Unmut über den Wegfall der Pflicht kund, den sie für „bescheuert“ hält. „Heute Morgen war noch kein einziger Kunde ohne Maske da“, bestätigt Verkäuferin Silja Korn die Tendenz. Sie und ihre Kolleginnen würden auch deshalb weiterhin Masken tragen, weil die Kundengespräche durchaus intensiv seien. „Wir freuen uns über jeden, der mit Maske kommt, akzeptieren aber auch, wenn man sich an den Entfall der Maskenpflicht hält.“

Edeka empfiehlt Kunden und Mitarbeitern weiterhin medizinische Masken

„Ich halte es noch gut mit Maske aus“, sagt Thomas Härdter, der die gleichnamige Edeka-Filiale im Ludwigsburger Stadtteil Neckarweihingen betreibt. Weil es ihnen eine gewisse Sicherheit gebe, tragen er und seine Mitarbeiter weiterhin Masken. Thomas Härdter schätzt, dass es ihnen bislang acht von zehn Kunden gleichgetan haben. Er geht aber davon aus, dass sich das im Laufe der Woche noch ändert.

Über das Hausrecht wäre es Unternehmen nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur möglich, in ihren Räumen weiterhin das Tragen von Masken vorzuschreiben. In der Branche gelte das aber als nicht durchsetzbar. Zahlreiche Händler hatten bekanntgegeben, dass sie nach dem Ende der staatlichen Vorgaben nicht von ihrem Hausrecht Gebrauch machen werden. Eine Edeka-Sprecherin sagte demnach: „Generell möchten wir betonen, dass wir das Tragen einer medizinischen Maske beim Besuch unserer Märkte zum Selbstschutz unserer Kundinnen und Kunden und zum Schutz unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter empfehlen.“

Auf dem Edeka-Parkplatz setzt Kundin Severina Erny gerade ihr kleines Kind ins Auto, ihre Stoffmaske hat sie bereits unters Kinn gezogen. Fürs Foto setzt sie sie noch einmal auf und es zeigt sich der Schriftzug „Hallole“ mitsamt Äffle und Pferdle. „Ich habe noch so viele Stoffmasken. Wohin damit? Und durch die anderen Masken gab es so viel Müll“, ist sie mit dieser Lösung sichtlich zufrieden. Bei größeren Menschenansammlungen wolle sie nun wenigstens diese Art tragen, doch auch eine FFP2-Maske habe sie meistens dabei. An ihrem Arbeitsplatz, einer Bäckerei, hätten sie entschieden, auch hinter der Theke anstatt den bisherigen FFP2-Masken ab jetzt medizinische Masken oder Stoffmasken zu tragen.

Sicherheit angesichts der hohen Inzidenzen gewährleisten

„Ich halte von Masken nicht so viel“, sagt dagegen eine Kundin vor dem Rofu Kinderland in Freiberg, wo sie deshalb gerade ohne eingekauft hat. Corona könne man mit oder ohne Maske bekommen. Wenn sie allerdings kranke oder ältere Menschen wie ihre Oma im Pflegeheim besuche, werde sie auch weiterhin eine Maske tragen – mit oder ohne Pflicht.

Wie ein Schild am Eingang zeigt, überlässt das Spielwarengeschäft die Entscheidung den Kunden, ohne sie beeinflussen zu wollen: „Einkauf ab sofort mit und ohne Maske möglich.“ Man wolle auch nicht, dass Leute von anderen blöd angesprochen werden, weil sie noch eine Maske tragen, erklärt Filialleiterin Tanja Kizler die Formulierung. „Ich sehe aber kaum Kunden ohne“, sagt sie. Ein Blick auf die Wartenden an der Kasse bestätigt das. Bis Ostern wolle man auf jeden Fall noch Masken tragen, dann entscheide die Unternehmensleitung weiter. „Die Coronawelle geht ja schon noch herum“, so Tanja Kizler. Bei rund 500 Kunden am Tag könne man bei der Beratung nicht immer eineinhalb Meter Abstand halten: „Und sicher ist sicher.“

Auf Sicherheit setzt man auch in der Rathaus Apotheke in Asperg. Sowohl in den Regalen als auch auf den Gesichtern sind noch Masken zu sehen. „Wir halten den Wegfall der Maskenpflicht für viel zu früh“, sagt Inhaber Gunther Dorda. Denn anders als Arztpraxen sind davon nun auch Apotheken betroffen: „Zu uns kommen aber auch Menschen, die in irgendeiner Form krank sind, meist sogar direkt vom Arzt.“ Man könne die Kunden aber nur bitten, weiterhin Masken zu tragen. Angesichts der hohen Inzidenzen werde man das sicherlich noch ein bis zwei Monate so handhaben.