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Dienstleistung

Wenn der Postmann nicht klingelt

Die Zustellprobleme des Stützpunkts Ditzingen ziehen in Hemmingen noch weitere Kreise. Als Grund gibt die Deutsche Post zwar kurzfristige Ausfälle zu, sieht aber dennoch eine Entspannung der Situation.

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Leere Briefkästen gibt es derzeit des Öfteren im Zustellbezirk Ditzingen. Symbolfoto: sm

Hemmingen/Ditzingen. Der Ärger wegen der unzuverlässigen Post-Zustellung wird in Hemmingen immer größer. Nun war er auch Thema bei den Gemeinderäten. Ute Freitag hatte im Verwaltungsausschuss am Dienstag gefragt, ob es Probleme gebe, in Unkenntnis der bisherigen Berichterstattung – denn ihre Zeitung kommt mit der Post, und deshalb derzeit immer viel zu spät am Tag – gestern etwa um 16 Uhr, montags zuletzt gar nicht. Noch viel gravierender ist das für Jörg Haspel, der für Bauprojekte regelmäßig Handwerker-Rechnungen bekommt. Und da werde oft Skonto angeboten, wenn man binnen einer kurzen Frist zahlt – und davon weiß. Da gehe es durchaus um vierstellige Beträge so Haspel, der seine Partner deshalb nun darauf hinweise, Rechnungen doch zu mailen, sagte er.

Auch eine LKZ-Leserin, die sich nach dem Artikel meldete, macht einen Schaden geltend. Ein Buch, das als Geschenk auf eine Reise mitgehen sollte, kam trotz gegenteiliger Angaben des Versenders bislang nicht an. Stattdessen nur selten mal Werbung, teils schon abgelaufen. Dafür gab es am 13. Oktober einen ganzen Stapel Briefe. „Bei meiner Nachfrage, von wann die Post sei, sagte mir der Postbote, mindestens zwei Wochen alt, aber er könne nichts für die verspätete Zustellung.“ Und eine Userin auf Facebook berichtet davon, dass bei Anrufen bei der Service-Hotline mehrmals einfach aufgelegt worden sei.

Doch obwohl die Klagen zugenommen haben, sieht das Unternehmen Licht. „Die Zustellsituation hat sich Anfang dieser Woche entspannt“, heißt es aus der Pressestelle. Am Montag hätten fast alle Sendungen zugestellt werden können, die in der vergangenen Woche liegengeblieben seien. Zudem habe man neue Kräfte eingestellt, wohl das Ergebnis der jüngsten Rekrutierungsoffensive, weil es immer schwerer werde, in wirtschaftsstarken Regionen Leute zu finden. Die Neuen könnten zwar schon selbstständig eingesetzt werden. Aber: „Aufgrund von neuen Krankmeldungen ist die Personaldecke leider immer noch sehr dünn. Die meisten Kollegen arbeiten schon seit Wochen freiwillig bis zur täglich zulässigen Höchstarbeitszeit von zehn Stunden.“ Zudem wurden gemäß den ersten Angaben auch Zusteller aus der Verwaltung und anderen Bezirken eingesetzt – ob deren Anfahrt zur Arbeitszeit zählt und damit die Zustellzeit reduziert, ist unklar. Ebenso, wie viele Mitarbeiter in der Region genau fehlen: auch dazu machte die Post keine Angaben.

Bundesweit sollen es nach Angaben der Gewerkschaft DPVKOM mehrere Tausend sein. Angesichts der kommenden Krankheitswellen werde sich die Personalnot verschärfen, erwartet Maik Brandenburger. Denn die Beschäftigten seien ohnehin durch die körperlich anstrengende Arbeit belastet. Kombiniert mit dem geringen Gehalt – obwohl die Post laut eigenen Angaben über dem Mindestlohn zahle – würden sich deshalb viele sagen, dass sie dafür nicht arbeiteten. Das Unternehmen habe „ein Riesenrekrutierungsproblem“.

Und nun auch eins mit den Kunden, denn das dürfte vielen nicht gefallen: Angesprochen auf die monierten Beispiele verweist der Post-Pressesprecher nur auf die Pflicht des Absenders, ein Sendeprodukt zu wählen, das bei Verlust oder Beschädigung eine Entschädigung zahlt. Bei gewöhnlichen Briefen oder Einschreiben schulde die Post keine bestimmte Lieferfrist. Und die Skontofrist laufe erst ab dem Eingang der Rechnung beim Empfänger.

Die Gemeinde selbst ist übrigens von den Zustellproblemen nicht betroffen, so Bürgermeister Thomas Schäfer. Allerdings: Die Mitarbeiter holen die Post auch aus dem Postfach in der Filiale selbst ab.