Vaihingen. Die Wüstenrot Haus- und Städtebau GmbH in Ludwigsburg wird beauftragt, das Investorenauswahlverfahren zum Verkauf des Gebäudes zu begleiten. Für die Stadt wäre es finanziell und personell ein zu großer Aufwand gewesen, das Gebäude zu sanieren und zu entwickeln.
Gastronomie mit Außenbewirtschaftung gewünscht
Das markante Backsteingebäude, derzeit als Heim des Kanuclubs CJD Kaltenstein genutzt, vorher lange Jahre als Gebrauchtmöbelhandel, liegt im sogenannten „Enßle-Areal“ und somit innerhalb des geplanten Gartenschaugebiets. Es soll künftig für den Gartenschaubetrieb, aber vor allem auch danach eine zentrale Rolle für die Öffentlichkeit einnehmen. Zwischen Frühjahr und Herbst wird eine Außenbewirtschaftung ausdrücklich gewünscht. Maßgeblich für die Auswahl soll nicht allein der Kaufpreis sein, sondern die Qualität des gastronomischen, städtebaulichen und planerischen Konzepts. So sollen neben dem Angebotspreis der Umfang und die Qualität der gastronomischen Referenzen, die Darstellung des Gastronomiekonzeptes sowie das städtebauliche Konzept und die landschaftsräumliche Anbindung bewertet werden.
Kaufpreis nicht allein ausschlaggebend
Die Auswahl eines Investors/Gastronomen erfolge anhand festgelegter Kriterien und Gewichtungen. Das Objekt liegt innerhalb des Sanierungsgebiets „Enzaue/Häckerareal“. Entsprechende Förder- und steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten können daher genutzt werden. Der bestehende Bebauungsplan „Köpfwiesen“ wird im Zuge der Gartenschau neu aufgestellt. Die planungsrechtlichen Voraussetzungen für die gastronomische Umnutzung sowie gegebenenfalls erforderliche bauliche Erweiterungen sollen dabei geschaffen werden.
Fördermittel durch Sanierungsgebiet möglich
Die südlich des Backsteingebäudes später angebaute Holztenne sowie ein Wohnhaus, früher Bürogebäude, lange Jahre griechisches Vereinsheim, sollen abgebrochen werden. Die Wüstenrot Haus- und Städtebau GmbH (WHS) wird das Investorenauswahlverfahren federführend begleiten. Die Kosten werden im Rahmen der Sanierungsgebietsbetreuung mit der WHS abgerechnet und belaufen sich (je nach Umfang) auf 10.000 bis 20.000 Euro. Eine Förderung in Höhe von 60 Prozent erfolgt über Sanierungsmittel. Die Auswahl eines Investors/Gastronomen sowie den Beschluss über den Verkauf des Gebäudes trifft der Gemeinderat.
Abriss von Holztenne und Wohnhaus geplant
Der langgestreckte Bau, erstellt um 1900, mit den markanten Treppengiebeln ist eines der letzten baulichen Zeugnisse des für das Vaihinger Wirtschaftsleben jahrhundertelang wichtigen Leder verarbeitenden Gewerbes. In der historischen Ortsanalyse wird das Gebäude als erhaltenswert eingestuft. Es wurde als Nebengebäude der 1859 gegründeten Leimfabrik Conradt erbaut, die sich in den Köpfwiesen ansiedelte und zwischen 1860 und 1899 verschiedene Bauaktivitäten entfaltete. 1935 kaufte Richard Enßle die Gebäude der Leimfabrik und richtete eine Weißgerberei ein. Nachdem die Lederfabrik Enßle 1977 geschlossen worden war, wurden 1979 Teile der Fabrikanlagen abgerissen. Unter anderem steht hier jetzt ein Parkhaus. Das noch stehende Enßle-Gebäude soll im Frühjahr weichen. In den vergangenen Jahren diente es als Flüchtlingsunterkunft.



