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Vinyl- und CD-Börse

Zeitreise in die eigene Jugend

Die erste Vinyl- und CD-Börse hat am Wochenende zahlreiche Musikfans in die Wagenhalle des Cafés Bricklebrit gelockt. Die tolle Atmosphäre begeisterte Aussteller und Besucher.

Musikgeschichte in den Händen: Bei der Vinyl- und CD-Börse in der Wagenhalle kommen Sammler auf ihre Kosten. Foto: Alfred Drossel
Musikgeschichte in den Händen: Bei der Vinyl- und CD-Börse in der Wagenhalle kommen Sammler auf ihre Kosten. Foto: Alfred Drossel

Walheim. Die gute, alte Vinyl-Schallplatte, die mit dem Siegeszug der CD Mitte der 1980er Jahre in der Versenkung zu verschwinden drohte, erlebt seit einigen Jahren eine Renaissance. Zu einem Anlaufpunkt für Schallplattenfans könnte sich Walheim entwickeln. Jürgen Kunz, Betreiber des Cafés Bricklebrit, veranstaltet dort einmal im Monat einen Vinylabend, der bestens ankommt. „Und so kam auch von einem Freund der Vorschlag, eine Vinyl- und CD-Börse im Bricklebrit zu machen“, erzählte Kunz, wie die zweitägige Veranstaltung am vergangenen Wochenende zustande kam.

Ein halbes Dutzend Aussteller bot am Samstag und Sonntag kistenweise Langspielplatten, Singles und CDs an. Einer von ihnen war Alexander Herrmann aus Bietigheim. „Ich habe meine doppelten Schallplatten dabei“, erzählte der Sammler, der rund 2000 Vinylplatten und ebenso viele CDs besitzt. Das Faszinierende an den alten Vinylplatten seien der warme Sound und das Knistern. Die Börse in der Wagenhalle der Kelter fand er toll: „Mir gefällt die Atmosphäre, es ist sehr persönlich.“ Unter den Anbietern war auch Jogi Hoevel aus Bissingen. Jede einzelne Platte in seinen Kisten hatte er im Kopf, so dass er bei gezielten Nachfragen sofort sagen konnte, ob er die gewünschte Platte dabeihatte oder nicht.

Doch die Besucher schauten auch selbst die Kisten Platte für Platte durch. Unter anderem LPs von Heart und Carlos Santana kaufte Manfred Herr aus Sachsenheim. „Ich habe früher als DJ in Hohenhaslach aufgelegt“, erzählte er, dass er in den vergangenen fünf bis zehn Jahren viele LPs nachgekauft habe und diese regelmäßig anhöre. Auch eine Kiste mit Singles hatte Hoevel im Angebot. „Sailing“, „Am Tag als Conny Kramer starb“ oder „Seasons in the sun“ sind Titel, die viele Besucher in die eigene Jugend zurückversetzten und Gesprächsstoff boten. Überhaupt war die Kommunikation ein wichtiger Teil der Börse. Es wurde nicht stumm das Angebot durchgeschaut, sondern geplaudert und sich ausgetauscht.

Ingolf Stiebner hatte durch Zufall im Internet von der Börse erfahren und zeigte sich ganz begeistert. „Als ich vor gut 15 Jahren ein paar alte Platten im Keller entdeckt und im Internet einen tollen Plattenspieler gekauft habe, ging das Fieber los“, erzählte der Neckarwestheimer, der im Bricklebrit rund 20 weitere LPs für seine mittlerweile 1000 LPs umfassende Sammlung gefunden hat. „Ich freue mich schon auf die nächste Börse in Walheim“, hoffte er auf Wiederholung. Auch Dieter Bröckel, der als DJ bei den Vinylabenden im Bricklebrit auflegt, zeigte sich begeistert. „Ich finde die Atmosphäre auch toll, das ist viel persönlicher als auf großen Börsen“, stellte Aussteller Walter Neher fest, der aus Ebersbach an der Fils angereist war. Er kaufe oft ganze Sammlungen auf, da sei immer etwas für ihn als Rock-, Pop- und Schlagerfan dabei. Was er doppelt habe oder nicht seinem Geschmack treffe, biete er dann bei Börsen an.

Die Preise bei der Walheimer Börse bewegten sich im einstelligen oder niedrigen zweistelligen Bereich. Doch man kann als Sammler durchaus mehr hinblättern, auch wenn es nicht gleich sechsstellige Beträge sein müssen wie für eine seltene John Lennon oder Beatles-LP. „Ich habe früher leider eine LP von Krokodil abgegeben und bin dann auf der Suche nach einem Ersatz auf Preise von 600 Euro gestoßen“, erzählte Ingolf Stiebner, der die frühere Entsorgung seiner Vinylplatten bitter bereut. Eins war allen auf dieser Börse, die am Samstagnachmittag fast ausschließlich in männlicher Hand war, gemein: Es liegt ihnen am Herzen, die Vinylplatte und damit ein großes Stück Musikgeschichte zu erhalten.

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