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Zu gut für den Müll: Ein Schrank voller Lebensmittel

Vor der katholischen Kirche in Freiberg steht ein Fair-Teiler – Essen soll vor dem Müll gerettet werden – Jeder darf Ware reinlegen und herausnehmen

Miriam Hensel (links) und Sandra Streit räumen Nachschub in den Schrank.Foto: Holm Wolschendorf Vier weitere Fair-Teiler stehen im Landkreis Ludwigsburg Daniel Vollmer, Vorsitzender von Foodsharing Ludwigsburg, freut sich über die neue Kooperation mi
Miriam Hensel (links) und Sandra Streit räumen Nachschub in den Schrank. Foto: Holm Wolschendorf Vier weitere Fair-Teiler stehen im Landkreis Ludwigsburg Daniel Vollmer, Vorsitzender von Foodsharing Ludwigsburg, freut sich über die neue Kooperation mit der katholischen Kirchengemeinde in Freiberg. „Wir haben momentan noch vier weite

FREIBERG. Zwei Frauen des katholischen Pastoralteams in Freiberg haben eine Initiative gegen Verschwendung von Lebensmitteln gestartet. Vor der Kirche St. Maria Königin des Friedens wurde in Kooperation mit dem Verein Foodsharing Ludwigsburg ein sogenannter Fair-Teiler zum Austausch von Lebensmitteln aufgestellt.

Ein großer Plastikbehälter mit Brot und Brötchen, ein Korb mit Salat, einige Tomaten, Gurke Kohlrabi, Bananen und Äpfeln füllen die Fächer im unteren Schrankteil. Hinter der oberen Tür kommen mehrere Packungen Margarine, zwei Fertigkuchen, Tüten mit Chips und Flips, Süßigkeiten und Teeschachteln zum Vorschein, alles originalverpackt.

Seit der Aufstellung und ersten Bestückung des Fair-Teilers vor der katholischen Kirche in der Marienstraße am 1..Februar wurden bereits einige Lebensmittel entnommen und neue hineingelegt. „Es ist Bewegung drin“, freut sich Miriam Hensel, die den Schrank am vergangenen Samstag erstmals befüllt und seitdem immer wieder hineingeschaut hat. Die Gemeindereferentin hat die Aktion gemeinsam mit der Jugendreferentin Julia Hanus initiiert und vom Kirchengemeinderat grünes Licht für die Durchführung erhalten.

„Jeder kann verzehrbare Lebensmittel, die übrig sind, einstellen. Ebenfalls kann sich jeder an den dort abgestellten Lebensmitteln bedienen“, erklärt sie Sinn und Zweck des Fair-Teilers. „Jeder gibt, was er kann. Und nimmt mit, was er möchte.“ Bei diesem Projekt gehe es nicht darum, Bedürftige zu unterstützen, auch wenn sie dieses Angebot natürlich nutzen dürfen. Doch sind genauso Gutverdienende eingeladen, den Schrank nicht nur zu bestücken, sondern auch Lebensmittel mitzunehmen. „Der wichtigste Gedanke hierbei soll sein, dass möglichst keine Lebensmittel mehr im Müll landen“, sagt Miriam Hensel. Es handele sich um ein Projekt gegen Lebensmittelverschwendung. In den vergangenen Tagen wurden auffallend viele Süßigkeiten und salzige Knabbersachen eingestellt. „Die wurden bestimmt infolge guter Neujahrsvorsätze abgegeben“, vermutet Hensel schmunzelnd.

Damit der Schrank immer gut gefüllt ist, verlassen sich Julia Hanus und Miriam Hensel nicht allein auf private Spenden, sondern arbeiten mit Foodsharing Ludwigsburg zusammen. Der Verein organisiert Abholungen durch sogenannte Foodsaver (Lebensmittelretter) bei Supermärkten und Bäckereien, um dann zu verteilen, was nicht mehr verkauft werden kann, aber noch genießbar ist. „Momentan holt eine Bekannte von mir die Lebensmittel ab, aber ich möchte selbst eine Kurzausbildung zum Foodsaver machen“, sagt Hensel. „Da erhält man unter anderem eine Schulung in Hygiene und bekommt einen Ausweis, der zur Abholung berechtigt.“ Ein Gebot ist es, es den Kooperationspartnern so leicht wie möglich zu machen. Deshalb muss auch das komplette Paket, das der Lebensmittelhandel zusammenstellt, mitgenommen werden. Man darf nicht aussortieren.

Ein paar Spielregeln müssen auch private Lieferanten beachten. Da in Freiberg momentan noch kein Kühlschrank zum Fair-Teiler gehört, dürfen bislang keine leicht verderblichen Lebensmittel hineingestellt werden. Das Mindesthaltbarkeitsdatum darf abgelaufen sein, nicht jedoch das Verbrauchsdatum. Weitere Infos hängen im Fair-Teiler aus und sind online unter https://foodsharing.de/ nachzulesen.

„Wir hoffen, dass viele Menschen dieses Angebot annehmen, immer wieder am Fair-Teiler vorbeischauen und gemeinsam etwas gegen die Lebensmittelverschwendung unternehmen“, fordern die Initiatorinnen auf, die den Fair-Teiler regelmäßig kontrollieren und putzen.

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