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Einwohnerversammlung

Zwischen Wohnen und Naturschutz

Um die Frage, wo die Grenzen der Innenstadtverdichtung in Kornwestheim liegen, ging es bei einer Einwohnerversammlung am Montagabend im K. Beantragt worden war diese Veranstaltung von der Bürgerinitiative Rothacker-Sprecher-Areal (Birsa).

Diskussion an Schautafeln: Bei der Einwohnerversammlung zum Rothacker-Areal ging es vor allem um die Verdichtung. Fotos: Oliver Bürkle
Diskussion an Schautafeln: Bei der Einwohnerversammlung zum Rothacker-Areal ging es vor allem um die Verdichtung. Foto: Oliver Bürkle
Blick auf das Rothacker-Areal.
Blick auf das Rothacker-Areal.

Kornwestheim. Darin haben sich die Gegner der geplanten Bebauung des Rothacker-Sprecher-Areals zusammengeschlossen. Auf dem 10.000 Quadratmeter großen Areal zwischen Wiesengrund und Mühlhäuser Straße sollen neun Mehrfamilienhäuser mit 75 Wohneinheiten entstehen. Die Nachbarn befürchten negative Auswirkungen auf den Verkehr, aber auch auf das Klima und die Natur. Die Bürgerinitiative führt an, dass sich das Baugebiet inmitten einer zentralen Frischluftschneise für Kornwestheim befindet. Außerdem werden negative Auswirkungen auf das Grundwasser befürchtet: Das Rothacker-Areal befindet sich an der aus topografischer Sicht tiefsten Stelle im Stadtgebiet.

Eine Einwohnerversammlung soll die direkte Kommunikation zwischen der Verwaltung und den Bürgern einer Kommune fördern. Eher den Charakter einer Fachtagung hatte dagegen die Veranstaltung im K. Eine Stunde und 45 Minuten mussten sich die zahlreichen Interessierten gedulden, bis sie ihre Fragen formulieren und Stellungnahmen abgeben konnten.

Gesunkene Solidarität

Bis dahin hatten der Sprecher von Birsa und die Experten das Wort. Einen schweren Stand hatte Nicola Schelling, Direktorin des Verbands Region Stuttgart, die von der Verwaltung eingeladen worden war, um den Blick auf die regionale Perspektive zu lenken. Ihre Ausführungen wurden teilweise mit Unmutsäußerungen kommentiert. Schelling kritisierte ihrerseits die gesunkene Solidarität der Bürger: „Man denkt nur bis zur Gemarkungsgrenze“. Wenn alle Menschen gegen Bebauung seien, würden dringend benötigte Wohnbau- und Gewerbeflächen fehlen.

„Es ist fünf nach zwölf“, machte Birsa-Sprecher Gerhard Neuberger deutlich. Er plädierte mit Blick auf den Klimaschutz dafür, die vorhandenen Grünflächen zu schützen. Innen- vor Außenentwicklung, das klinge erst einmal gut. „Es kann aber nicht sein, dass hemmungslos alles zugebaut wird“, sagte er. Auf dem Rothacker-Areal werde es sich mit 200 Menschen auf einem Hektar Fläche um das nach dem Ratiobau an der Theodor-Heuss-Straße am dichtesten besiedelte Gelände in Kornwestheim handeln.

Bislang habe es keinen Bebauungsplan für das Rothacker-Areal gegeben, weil es sich dort um ein Sumpfgelände handele. Deshalb sollen die Gebäude mit Pfahlgründungen verankert und die Tiefgarage als eine Art wasserdichte Wanne errichtet werden. Das sei kostspielig und wohl auch der Grund für die dichte Bebauung. Außerdem befinde sich das Areal in einer ökologisch bedeutsamen Frischluftschneise. Er äußerte auch Zweifel an dem vom Bauträger finanzierten Klimagutachten, das von keinen negativen Auswirkungen ausgehe. Der Bau der Tiefgarage wirke sich dagegen auf die Grundwasserströmung aus, prognostizierte er negative Auswirkungen auf angrenzende Gebäude. Neuberger ging auch auf die Kritik ein, dass die Birsa eigennützig handelt: Es sei nicht verwerflich, für seine Interessen einzutreten, sagte er. „Das Interesse der Baufirma wird ja auch nicht hinterfragt“.

Baubürgermeister Daniel Güthler verwies auf den Flächennutzungsplan 2030, in dem die zur Wohnbebauung ausgewiesene Fläche deutlich reduziert worden ist, nämlich auf 17 Hektar statt der möglichen 65 Hektar. Aktuell liegt die Einwohnerzahl in Kornwestheim bei 33.671 Menschen. Auch ohne Zuzug würde in einigen Jahren Wohnraum für die heute 25-jährigen Menschen fehlen, wies er auf die steigende Lebenserwartung hin.

Vertretbare Verkehrsbelastung

Er betonte auch, dass man sich beim Rothacker-Areal noch am Anfang des Bebauungsplanverfahrens befinde. Aktuell sind 2800 Quadratmeter Fläche auf dem Rothacker-Areal versiegelt, diese Zahl wird – bedingt durch Abriss einer Scheune und des Sprecherhauses – um 424 Quadratmeter steigen. Der Holzbachlauf zwischen Lamm- und Mühlhäuser Straße, der südlich der geplanten Neubebauung verläuft, wird zur Grünzone. Güthler gab zu bedenken, dass die Mehrbelastung des Autoverkehrs vertretbar und nicht höher als bei anderen baulichen Entwicklungen sei.

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